Krankheiten der Atmungsorgane

Luftsackschwellung bei einer Amsel im Bauchbereich, © Sylvia Urbaniak
Luftsackschwellung bei einer Amsel im Bauchbereich, © Sylvia Urbaniak

Ursachen für Erkrankungen der Atmungsorgane beziehungsweise der Atemwege können unter anderem Infektionen mit Viren, Bakterien und Pilzen sein. Außerdem kommen Fremdkörper, Parasiten, Luftzug und Umweltgifte als Auslöser in Frage. Typische Symptome sind zum Beispiel Atemgeräusche, Niesen, Atemnot und ein gestörtes Allgemeinbefinden. Es ist also wichtig, auf kleine Details zu achten.

In den meisten Fällen erweist sich Bestrahlung mit Infrarotlicht (Wärmelampe) als heilungsfördernd, siehe auch unser Kapitel über Erste-Hilfe-Maßnahmen. Auch auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit ist zu achten. Im Folgenden werden die am häufigsten bei Wildvögeln auftretenden Erkrankungen der Atmungsorgane kurz vorgestellt, diese Übersicht ist nicht vollständig und es kommen weitere, seltener auftretende Gesundheitsprobleme in Betracht.

Folgende Inhalte finden Sie auf dieser Seite:


Akute Atemnot

Taube mit Atemnot, © Sylvia Urbaniak
Taube mit Atemnot, © Greifvogelhilfe.de

Atemnot ist ein Symptom, das bei Erkrankungen der Atmungsorgane selbst sowie bei Organveränderungen auftreten kann. Ein betroffenes Tier fliegt weniger, gibt kaum Lautäußerungen von sich und schläft vermehrt. Jede Anstrengung führt zu beschleunigter Atmung, meist mit geöffnetem Schnabel. Die angestrengte Atmung ist zudem am verstärkten Wippen der Schwanzfedern zu erkennen. Viele Vögel, die an Atemnot leiden, sitzen überdies extrem breitbeinig auf ihrem Ast. Manche Tiere taumeln, weil sie nicht genügend Sauerstoff bekommen. Bei Atemnot ist besonders rasches Handeln geboten, damit es nicht zum Erstickungstod kommt! Deshalb ist schnellstmöglich ein nach Möglichkeit auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tierarzt aufzusuchen.


Aspergillose

Die Aspergillose ist eine Infektion mit schwarzen Schimmelpilzen (Aspergillus niger) oder nahen Verwandten dieser Pilze, die über die Atemwege in den Körper gelangen und oft tödlich wirken. Eine Aspergillose-Erkrankung kann entstehen, wenn das Immunsystem eines Tieres geschwächt ist oder wenn ein Vogel in großen Mengen mit den Pilzen konfrontiert wird, beispielsweise durch verdorbenes Futter. Erdnüsse mit und ohne Schale tragen oft Schimmel auf der Oberfläche, deswegen sind sie bekannte Auslöser der Aspergillose bei Vögeln. Auch bei Zimmerhaltung mit wenig Frischluftzufuhr ist die Gefahr einer Pilzerkrankung erhöht. In aller Regel erkranken eher alte als junge Vögel an Aspergillose.


Luftröhrenwürmer

Eine Reihe von Vögeln ist anfällig für eine Infektion mit Luftröhrenwürmern. Die Eier dieser Parasiten werden mit der Nahrung vom Boden aufgenommen. Im Körper des Vogels entwickeln sich dann Würmer, sie verursachen einige typische Symptome. Ein häufig zu beobachtendes Anzeichen ist der Stimmverlust. Die Laute der Vögel klingen heiser oder die Tiere können gar nicht mehr piepsen. Außerdem atmen viele betroffene Vögel schwer und lassen die Zunge heraushängen. Darüber hinaus ist Niesen oder „Husten“ zu beobachten. Detaillierte Informationen über diese Parasiten und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie hier.


Luftsackmilben

In den Luftsäcken der Vögel können sich winzige Insekten breit machen: die Luftsackmilben. Diese winzigen Blutsauger sind jedoch keineswegs nur in den Luftsäcken zu finden, sondern auch in der Luftröhre und den Bronchien der betroffenen Vögel. Rasselnde Atemgeräusche, Atemnot, Heiserkeit und „Husten“ sind Symptome, die auf einen Befall mit diesen Parasiten hindeuten können. Eine detaillierte Beschreibung dieser kleinen Tiere finden Sie im Kapitel über innere Parasiten.


Luftsackrisse

Grünfink mit Luftsackriss am Bauch, © Greifvogelhilfe.de
Grünfink mit Luftsackriss am Bauch, © Greifvogelhilfe.de

Wildvögel können sich entweder durch einen Kollisionsunfall, einen Sturz aus dem Nest oder aufgrund einer von einem Säugetier verursachten Verletzung einen Luftsackriss zuziehen. Ein hiervon betroffener Vogel leidet unter starken Schwellungen der gerissenen Luftsäcke und damit verbundenen Schwierigkeiten beim Atmen. Das Tier sollte schnellstmöglich von einem vogelkundigen Arzt behandelt werden.

Meist wird ein gerissener Luftsack, der sich mit Luft gefüllt und dadurch stark aufgebläht hat, vom Arzt punktiert. Das heißt, es wird ein kleines Loch hinein gestochen, um die Luft abzulassen. In den meisten Fällen sind mehrmalige Punktierungen erforderlich. Eine gleichzeitige systemische Antibiotikatherapie kann sinnvoll sein, da beim Punktieren unter Umständen Keime mit der Nadel in den Luftsack gelangen und dort zu einer Infektion führen können.

Mitunter sind Luftsackrisse so gravierend, dass die betroffenen Tiere für die Behandlung in eine Narkose gelegt werden müssen. Das Foto rechts zeigt die für diese Art der Verletzung typische charakteristische Schwellung, die durch einen Luftsackriss im Bauchbereich verursacht wird. Da Vögel nicht nur im Bauch- und Brustbereich über Luftsäcke verfügen, sondern auch an anderen Stellen des Körpers, können sich die Schwellungen durchaus auch woanders befinden, beispielsweise am Rücken. Nach der Behandlung eines Luftsackrisses sollten die Patienten für einige Tage in einer kleinen Box untergebracht werden, damit sie nicht fliegen können. Dies ist wichtig, um ihren Atmungsorganen Zeit für die Regeneration zu geben. Denn fliegt ein Vogel, beschleunigt sich seine Atmung und neben der Lunge haben dann auch die Luftsäcke viel zu tun.

Achtung: Bei Jungvögeln ist der Kropf vor allem nach der Fütterung prall gefüllt und deutlich erkennbar. Mitunter sind im Kropf auch Luftblasen zu sehen, was normal ist. Hierbei handelt es sich nicht um einen Luftsackriss!