Beschreibung der einzelnen Futtermittel

Damit von Ihnen gepflegte und versorgte Vögel keine gesundheitlichen Schäden aufgrund von Fütterungsfehlern erleiden, sollten Sie unsere Futtermittelbeschreibungen aufmerksam lesen. Die im Folgenden genannten Futtermittel sind zur Aufzucht der meisten Vogelarten geeignet. Klicken Sie bitte auf die jeweiligen Listeneinträge, um zu den Beschreibungstexten zu gelangen.


Futtertiere

Der Fachhandel bietet Futtertiere lebend, gefroren oder getrocknet zum Kauf an. Praktisch ist der Bezug von Futtertieren über das Internet, zum Beispiel über Futter-Spatz oder Faunatopics. Gefrorene Futterinsekten erhält man beispielsweise auch bei FrostFutter oder MuchaTerra.

  • Heimchen

    Heimchen, © Dagmar Offermann
    Heimchen, © Dagmar Offermann

    Heimchen sind eine Grillenart. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich: klein, mittel und groß. Am häufigsten werden die mittelgroßen Heimchen verfüttert, sie haben eine Länge von etwa 1,5 bis 2,5 Zentimeter. Man bezieht sie lebend und friert sie umgehend nach Erhalt mitsamt der Schachtel, in der sie geliefert oder gekauft wurden, ein. Kleinere Mengen dieser Futtertiere kann man in Zoofachgeschäften kaufen, allerdings sind sie dort weitaus teurer als beispielsweise bei einem Spezialversand. Aufgetaute Heimchen sollten sofort verfüttert werden, da sie ausgesprochen schnell verderben! Haben sie sich bereits schwarz verfärbt, sind sie nicht mehr verwendbar. Verfüttern Sie also nur hell- bis mittelbraune Heimchen.Man kann auch Heimchen kaufen, welche zunächst gekocht und dann eingefroren worden sind. Sie werden tiefgefroren angeliefert, sind jedoch etwas teurer als Lebendfutter. Sie haben den Vorteil, dass sie nach dem Auftauen länger frisch bleiben. Außerdem sind sie nahrhafter als lebend gekaufte Heimchen. Bei den lebenden Tieren kann man nämlich nicht erkennen, ob sie gegebenenfalls eine längere Hungerperiode hinter sich haben und dadurch weniger nährstoffreich für die Jungvögel sind. Selbst gezüchtete Heimchen sind hingegen sehr nahrhaft und gesund.

    Vor dem Verfüttern werden die harten Hinterbeine der Heimchen entfernt.

  • Steppengrillen
    Auch Steppengrillen gehören zu den Grillen, wie es der Name bereits vermuten lässt. Sie sind etwas größer als die größten Heimchen, also in etwa 2,5 bis drei Zentimeter lang. Für die Verarbeitung, Lagerung und das Verfüttern von Steppengrillen gelten dieselben Regeln wie für Heimchen. Steppengrillen eignen sich besonders gut als Futtertiere für Alpen- und Mauersegler, siehe auch unser Kapitel artgerechtes Futter für Segler.
  • Bienenlarven (Drohnenbrut)

    Bienenlarven beziehungsweise Drohnenbrut, © Dagmar Offermann
    Bienenlarven beziehungsweise Drohnenbrut, © Dagmar Offermann

    Falls Sie Kontakt zu einem Imker haben, können Sie ihn nach Drohnenbrut (Bienenlarven) fragen. Diese sollte beigebraun bis dunkel gefärbt sein. Allerdings sollte Drohnenbrut nicht ausschließlich verfüttert werden, da sie sehr fetthaltig ist. Als zusätzliche Kost ist sie hingegen gut geeignet.Man kann die Bienenlarven lebend verfüttern oder einfrieren, hierfür werden sie in den Waben in den Gefrierschrank gelegt. Auch blanchieren lassen sich die Futterinsekten. Dafür geht man folgendermaßen vor: Die eingefrorene Drohnen werden in Portionen aus den Waben entnommen. Bitte achten Sie darauf, immer nur so kleine Wabenstücke aus dem Tiefkühlfach zu nehmen, damit nicht die eingefrorene Portion in der Zwischenzeit auftaut, was recht schnell geschieht. Holen Sie nun schnell die noch gefrorenen Insekten aus den Waben. Achtung, in aufgetautem Zustand sind die Bienenlarven matschig, das Wachs lässt sich nicht vollständig entfernen, infolgedessen sind sie als Futter unbrauchbar!

    Trocknen von blanchierter Drohnenbrut, © Anke Dornbach
    Trocknen von blanchierter Drohnenbrut, © Anke Dornbach

    Die aus den Waben entnommenen Drohnen werden in kochendem Wasser drei Minuten blanchiert und anschließend mit eiskaltem Wasser abgeschreckt. Damit man sie später einzeln verfüttern kann, ist es wichtig, sie vor dem erneuten Einfrieren zu trocknen. Dazu breitet man sie auf mehreren Lagen Küchenpapier aus und wartet, bis das Wasser vom Küchenpapier aufgesaugt wurde. Jetzt lassen sie sich gut zusammen einfrieren und können später einzeln entnommen werden. Um blanchierte Insekten möglichst lange haltbar zu machen, empfiehlt es sich, diese in Vakuum zu verpacken.

    Der Vorteil der blanchierten Drohnen liegt darin, dass hier kein Verschmieren des Gefieders oder Verschlucken an dem sehr weichen Inhalt vorkommen kann. Auch die helleren Drohnen kann man, natürlich nur in Maßen, verfüttern.

  • Ameisen, Bienen, Wespen und Hummeln (Hautflügler)
    Diese Insekten sind als erwachsene Tiere zur Jungvogelaufzucht nicht geeignet! Ihr Gift ist für die allermeisten jungen Vögel problematisch.
  • Ameiseneier
    Diese kleinen „Proteinbomben“ sind ein hervorragendes Aufzuchtfutter. Achtung, einige Ameisenarten stehen in Deutschland unter Naturschutz und es ist deshalb verboten, ihre Eier draußen zu sammeln.
  • Raupen
    Sie können selbst nach kleinen Raupen suchen, welche sich als Aufzuchtfutter ebenfalls hervorragend eignen. Allerdings sollten Sie nur glatthäutige Raupen ohne Haare und Dornen wählen und gelb, orange oder rot gefärbte Tiere meiden, da diese in aller Regel giftig sind oder im Rachen der Vögel zu schweren Schleimhautreizungen führen würden. Außerdem ist es sehr, sehr wichtig, dass man ausschließlich solche Raupen verfüttert, die auf ungiftigen Pflanzen sitzen! Anderenfalls kann es bei den Jungvögeln zu tödlichen Vergiftungen kommen, weil sich das Gift der Pflanzen, welche die Raupen fressen, in den Insekten sammelt.
    Achtung: Einige in Deutschland vorkommende Raupenarten stehen unter strengem Naturschutz, darunter beispielsweise die Raupen des Apollofalters. Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Wisia.de.
  • Blattläuse

    Blattläuse gehören in Gärten zu den meist nicht sehr gern gesehenen tierischen Bewohnern, © Gaby Schulemann-Maier
    Blattläuse gehören in Gärten zu den meist nicht sehr gern gesehenen tierischen Bewohnern, © Gaby Schulemann-Maier

    Diese Tierchen sind zwar recht klein, aber sie sind ein geeignetes Futter zur Aufzucht junger Vögel unterschiedlicher Arten. Blattläuse sind im Sommer an vielen Stellen in der Natur zu finden. Man kann sie auch selbst züchten, indem man beispielsweise Kräutertöpfe (Basilikum wird von grünen Blattläusen gern befallen) mit einigen Läusen aus der Natur besiedelt. Die Kräutertöpfe sollten in der Fensterbankkultur gepflegt werden, meist breiten sich die Blattläuse explosionsartig auf den Pflanzen aus und können problemlos „geerntet“ werden. Allerdings machen sie auch vor benachbarten Zimmerpflanzen nicht Halt.

  • Fliegen
    Fliegen sind als Futterinsekten ausgesprochen gut geeignet. Wer einen Stall in der Nähe hat, kann dort mit der Fliegenklatsche auf die Jagd gehen und dabei große Erfolge erzielen. Man kann Fliegen auch selbst aus Fliegenmaden (Anglergeschäft) ziehen, das dauert aber etwa zwei Wochen, siehe Anleitung. Die gezüchteten Fliegen werden ebenfalls tiefgefroren und zum Verfüttern portionsweise aufgetaut.

     

  • Fliegenmaden, lebend
    Achtung, diese Insekten sind als Futtertiere absolut nicht geeignet! Zwar werden sie sogar manchmal von Tierärzten oder von Angestellten des Zoofachhandels als gesundes Futter für Jungvögel empfohlen, doch sie bergen eine sehr große Gefahr: Fliegenmaden sind permanent hungrig und widerstandsfähig. Im Körper eines Jungvogels sterben sie nicht besonders schnell und können sich auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt durch die Darmwand fressen. Der Jungvogel kommt dadurch zu Tode! Nur ältere Rabenvögel und Drosselartige können Fliegenmaden in kleinen Mengen lebend erhalten.
  • Fliegenmaden ("Pinkies") müssen für die Jungvogelaufzucht zunächst eingefroren, dann in kochendem Wasser blanchiert, auf Küchenpapier getrocknet und dann wieder eingefroren werden, © Anke Dornbach
    Fliegenmaden („Pinkies“) müssen für die Jungvogelaufzucht zunächst eingefroren, dann in kochendem Wasser blanchiert, auf Küchenpapier getrocknet und dann wieder eingefroren werden, © Anke Dornbach

    Fliegenmaden, tiefgefroren (auch Pinkies genannt)
    Dieses sehr gut geeignete Futter ist im Insektenhandel erhältlich. Mit Hilfe einer speziellen Methode werden die Fliegenmaden abgetötet und umgehend tiefgefroren. Sie stellen daher für Jungvögel keinerlei Gefahr dar und eignen sich bestens als Nahrung für Jungtiere vieler Vogelarten. Pinkies sind äußerst eiweißreich und bekömmlich.Wer selbst Fliegenmaden einfrieren möchte, sollte lebende Maden drei Minuten lang in sprudelndem Wasser kochen, mit kaltem Wasser abschrecken und anschließend einfrieren. Für Zartbesaitete ist diese Methode freilich nichts, da es zugegebenermaßen recht barbarisch ist, die lebenden Maden in kochendes Wasser zu werfen. Man sollte sich jedoch nichts vormachen, auch gekaufte Pinkies mussten leiden, um zu Vogelfutter zu werden. Dies ist bedauerlicherweise die Kehrseite der Medaille, anders lässt es sich jedoch nicht machen.
    Achtung: Mitunter werden im Zoofachhandel unter dem Namen „Pinkies“ tote junge Mäuse angeboten. Diese sind nicht dazu geeignet, sie an junge Singvögel zu verfüttern!

  • Mehlkäferlarven/ Mehlwürmer

    Mehlwürmer sind für einige Vögel im Winter ein gutes Futter, sie nehmen auch getrocknete Mehlwürmer gern an, © OakleyOriginals via Flickr
    Mehlwürmer sind zur Aufzucht nur in geringen Mengen geeignet, © OakleyOriginals via Flickr

    Achtung: Zur Aufzucht von Jungvögeln sind diese Tiere nicht geeignet, obwohl in Zoofachgeschäften oft das Gegenteil propagiert wird! Die alleinige Fütterung mit Mehlwürmern führt zu Mangelerscheinungen, Gefiederdefekten oder Verdauungsstörungen, um nur einige Folgen zu nennen. Ältere Vögel können Mehlwürmer als Zusatzfutter erhalten. .Am besten verwendet man für die Fütterung frisch gehäutete Larven, welche an ihrer weißen Farbe erkennbar sind. Mehlwürmer eignen sich ferner dazu, Jungvögel später zum Fressen sich bewegenden Futters zu animieren. Man kann den Nährwert der Mehlwürmer aufbessern, indem man sie mit Eiaufzuchtfutter für Vögel ernährt. Dieses Futter enthält viele Vitamine und Mineralstoffe, die sich im Körper der Mehlwürmer ablagern und so deren Nährwert erhöhen.

  • Wachsmottenlarven/ Wachsraupen
    Wachsraupen, © Anke Dornbach
    Wachsraupen, © Anke Dornbach

    Die Larven der Wachsmotte werden auch als Wachsraupen oder Wachswürmer bezeichnet. In freier Wildbahn sind sie sehr schädlich für Bienenvölker, da sie unter anderem die Waben in den Bienenstöcken anknabbern. Als Futter für Wildvögel sind sie allerdings sehr gut geeignet, da sie eine weiche Hülle besitzen und sehr nahrhaft sind. Allerdings enthalten sie auch einen hohen Fettanteil, weshalb sie nur als Zusatzfutter und in Maßen, vor allem für schwache oder mäkelige Vögel gegeben werden sollten. Genau wie Drohnenbrut sollten Wachsmottenlarven erst durch Tieffrieren über einige Stunden abgetötet werden, dann im gefrorenen Zustand für drei Minuten in kochendem Wasser blanchiert werden, auf ausgebreitetem Küchenpapier gut trocknen und anschließend wieder eingefroren werden. Da die Zucht dieser Larven sehr aufwendig ist, sind sie im Vergleich zu anderen käuflichen Insektenlarven relativ teuer.  

  • Buffalowürmer

    Buffalos, © Anke Dornbach
    Buffalos, © Anke Dornbach

    Diese Insekten, die gelegentlich auch Buffalos genannt werden, sind die Larven der Getreideschimmelkäfer. Sie sehen Mehlwürmern ähnlich, sind jedoch kleiner und haben einen weicheren, dadurch besser verträglichen Chitinpanzer. Man kann sie lebend und tiefgefroren kaufen. Wie bei den Mehlwürmern ist darauf zu achten, sie in ausbruchssicheren Futternäpfen anzubieten. Am besten reicht man sie in glattwandigen Gefäßen.Mehl- und Buffalowürmer bewahrt man folglich idealerweise in einer glattwandigen Schale mit hohem Rand auf, aus der sie nicht entkommen können. Sie erhalten täglich Obst- und Gemüsestückchen sowie Haferflocken und Brotkrümel als Nahrung.

  • Regenwürmer
    Zur Aufzucht der meisten Jungvögel sind Regenwürmer nicht geeignet. Lediglich junge Amseln, andere Drosseln, Stare und Rabenvögel dürfen Regenwürmer fressen. Bei diesen Vogelarten sollte an verfütterten Regenwürmern stets noch etwas Erde kleben. Andere Vogelarten vertragen die zähe Haut der Regenwürmer nicht. Von Mai bis Mitte Juni entwickeln Regenwürmer in ihren Körpern einen leicht toxischen Stoff, weshalb man sie zu dieser Zeit besser nur in sehr geringen Mengen verfüttern sollte. Wer draußen keine Würmer sammeln möchte, kann diese Futtertiere im Online-Shop Superwurm.de bestellen. Regenwürmer sind auch als Zwischenwirte für Endoparasiten des Vogels bekannt, weshalb nach Möglichkeit Regenwürmer lieber gekauft werden sollten. Man kann sie problemlos in einem Behälter mit Blumenerde unterbringen und bei Bedarf herausfangen.
  • Futterfische

    Moderlieschen, © Gaby Schulemann-Maier
    Moderlieschen, © Gaby Schulemann-Maier

    Hiermit sind kleine Süßwasserfische (drei bis fünf Zentimeter lang) gemeint, welche als Nahrung zum Beispiel für Eisvögel, Lappentaucher oder auch Möwen dienen.Man erhält tief gefrorene Stinte in Zooabteilungen von Gartencentern, oder man kann sie auch bequem online bestellen und zu sich nach Hause liefern lassen (Bezugsquelle: Aquaristic.net). Gefrorene Stinte sind beispielsweise auch in italienischen Delikatessgeschäften und auf gut sortierten Wochenmärkten erhältlich. Achten Sie aber bitte darauf, dass wirklich Stinte verkauft werden und keine Salzwasserfische!Je nach Vogelart und -größe bietet man die Futterfische entweder zerteilt oder im Ganzen an. Manche Vögel nehmen Fische nur an, wenn sie in einer Schale mit Wasser treibend gereicht werden.Vor allem Eisvögel verweigern jedoch häufig die Aufnahme toter Fische. Auch junge Lappentaucher und andere Wasservögel benötigen zum Erlernen des Fischfangs unbedingt lebende Fische. Geeignet sind zum Beispiel kleine Moderlieschen (Leucaspius delineatus), Blaubandbärblinge (Pseudorasbora parva), Bachforellen (Salmo trutta fario) oder auch andere Süßwasserfische. Man bekommt diese unter anderem bei einem Teichbesitzer oder Fischzüchter (Gelbe Seiten). Lebende Fische kauft man am besten jeweils in kleinen Portionen beim Fischzüchter, da die Haltung im Aquarium nicht unproblematisch ist. Insbesondere Forellen sind äußerst empfindlich und ersticken, da sie spezielle Wasserzusammensetzungen benötigen. Fische, die anders als Forellen in stehenden Gewässern leben (z. B. Moderlieschen), können kurzfristig auch in einem Aquarium gehalten werden. Über die richtige Haltung von Fischen im Aquarium erkundigen Sie sich bitte in Zoogeschäften und auch bei Fischzüchtern.

  • Tote Mäuse sind wichtige Futtertiere für Greifvögel und Eulen, © Bergische Greifvogelhilfe
    Tote Mäuse sind wichtige Futtertiere für Greifvögel und Eulen, © Bergische Greifvogelhilfe

    Kleinsäuger und Eintagesküken
    Zur Aufzucht von Greifvögeln und Eulen sowie von Rabenvögeln benötigt man erheblich größere Futtertiere als für die Aufzucht von anderen Singvögeln. Eulen und Greifvögel benötigen zum Heranwachsen beispielsweise Kleinsäuger wie Mäuse, vorübergehend kann man auch Eintagesküken verfüttern. Letztere sind jedoch deutlich weniger nahrhaft als beispielsweise Mäuse, weshalb diesen als Nahrung für Greifvögel und Eulen der Vorzug gegeben werden sollte. Da die artgerechte Fütterung dieser Fleisch fressenden Vögel ausgesprochen schwierig ist, sollte man die Aufzucht außerdem Experten überlassen. Hinzu kommt, dass diese Vogelgruppe sehr hohe Anforderungen an eine adäquate Unterbringung stellt.


Insektenfutter (auch Nestlingsfutter oder Insektentrockenfutter genannt)

Sogenanntes Nestlingsfutter eignet sich NICHT zur Aufzucht von Wildvögeln, © Anke Dornbach
Sogenanntes Nestlingsfutter eignet sich NICHT zur Aufzucht von Wildvögeln, © Anke Dornbach

Hiermit ist handelsübliches Futter aus getrockneten Insekten und Garnelen gemeint. Trockenfutter eignet sich nicht zur Aufzucht von Jungvögeln, besser sind frisch tote oder gefrostete Insekten. Das Trockenfutter kann älteren Vögeln, die bereits selbst fressen, zusätzlich zu frischen Insekten angeboten werden, sollte jedoch nicht als Alleinfutter gegeben werden. Man sollte darauf achten, dass das Futter möglichst nur aus Insekten besteht und keinen Waffelbruch enthält. Ist in dem Insektenfutter Negersaat (siehe Link) enthalten, so sollte es vorsichtshalber erst gemahlen werden.

 

 

 

 


Beoperlen

Beoperlen, © Anke Dornbach
Beoperlen, © Anke Dornbach

Bei Beoperlen handelt es sich um Presslinge, die für die Fütterung von Beos, also von Ziervögeln, entwickelt wurden. Man kann sie in Wasser quellen lassen. In gequollenem Zustand eignen sie sich während der Aufzuchtphase für manche Vogelarten als Zusatzfutter, aber niemals als Alleinfutter.  Älteren Jungvögeln können ab der dritten Lebenswoche wenige gemahlene Beoperlen in den Brei gemischt werden.

 

 


Eifutter

Eifutter ist zur Jungvogelaufucht NICHT geeignet, © Anke Dornbach
Eifutter ist zur Jungvogelaufucht NICHT geeignet, © Anke Dornbach

Auch die als Eifutter bezeichneten Futtermischungen, die im Fachhandel erhältlich sind, wurden ursprünglich für die Ernährung von Ziervögeln konzipiert. Es handelt sich bei diesem Futter um eine Mischung auf der Basis von Ei, die dafür gedacht ist, brütende Ziervögel proteinreich zu ernähren. Dabei wird oft der Fehler gemacht, dieses Futter als Nahrung für die Küken anzusehen, dabei ist es tatsächlich als Futter für die Altvögel gedacht, die dadurch gestärkt werden sollen. Man verabreicht es beispielsweise Kanarienvögeln und kleinen Sittichen. Im Zoofachhandel wird dieses Futter auch als Aufzuchtfutter bezeichnet, weil es den erwachsenen Ziervögeln während der Aufzucht ihrer Jungen gereicht werden soll. Beachten Sie unbedingt, dass Eifutter oder Aufzuchtfutter nicht dasselbe wie Handaufzuchtfutter ist, siehe unten.

Und nun können Sie es sicher bereits denken: Was für Ziervogelküken nicht als Futter geeignet ist, darf auch nicht als Aufzuchtfutter für (sehr) junge Wildvögel verwendet werden.

Jugendlichen Körnerfressern (Ästlingen) kann man anfangs zum Erlernen der eigenständigen Nahrungsaufnahme neben kleinen Sämereien etwas Eifutter anbieten.

Achtung! Niemals sollte man Eifutter an Amseln und Drosselartige verfüttern.


Handaufzuchtfutter

Weil es in der Ziervogelhaltung immer wieder dazu kommt, dass Papageien oder Sittiche ihren Nachwuchs nicht zuverlässig füttern, wurde hierfür eine spezielle Nahrung entwickelt, die als Handaufzuchtfutter bezeichnet wird. Sie ist gewissermaßen der Babybrei für Ziervogelküken. Neben Papageienvögeln kann man damit  beispielsweise junge Kanarienvögel aufpäppeln – und selbstverständlich auch einige Wildvogelküken. Sehr gut ist Handaufzuchtfutter beispielsweise als Ersatz für die Kropfmilch bei Tauben geeignet.

Beispiel für Handaufzuchtpulver, © Anke Dornbach
Beispiel für Handaufzuchtpulver, © Anke Dornbach

Handaufzuchtfutter wird in Pulverform verkauft, es muss mit Wasser angerührt und mit HiIfe einer Spritze als Brei verfüttert werden. Dabei ist unbedingt auf die Temperatur des Breifutters zu achten. Es darf nicht heißer als circa 38°C sein, weil es anderenfalls zu schweren Verbrennungen des Rachens und des Kropfes der jungen Vögel kommen kann. Zu kalt sollte es ebenfalls nicht sein, weil die Jungtiere sonst innerlich auskühlen. Idealerweise sollte der Futterbrei zwischen 30 und 38°C warm sein, wenn er verfüttert wird.

Im gut sortierten Zoohandel oder in Tierfutter-Onlineshops sind unter anderem Handaufzuchtfutter-Mischungen der Marken Nutribird A19 oder A21, Dr. Harrison’s und CeDe erhältlich.

Ganz wichtig: Achten Sie im Zooladen darauf, dass Ihnen tatsächlich Handaufzuchtfutter verkauft wird und nicht fälschlicherweise Aufzuchtfutter = Eifutter. Dieses ist für die Ernährung von Altvögeln gedacht, die Nachwuchs großziehen und sollte nicht an junge Wildvögel verfüttert werden, siehe oben.


7-Kornflocken

Milchfreie Siebenkornflocken, © Anke Dornbach
Milchfreie Siebenkornflocken, © Anke Dornbach

Oftmals ist es auf die Schnelle nicht möglich, Handaufzuchtpulver zu beschaffen. Alternativ kann deswegen auf Getreideflocken, die als Babynahrung gedacht sind, zurück gegriffen werden. Diese bekommt man in jedem Supermarkt. Wichtig ist, dass es sich um eine milchfreie Mischung handelt. Die Flocken werden mit warmem Wasser zu Brei angeführt und per Spitze gegeben.

 

 

 

 

 

 


Rohes Fleisch

Rohe, klein geschnittene Hühnerherzen, © Anke Dornbach
Rohe, klein geschnittene Hühnerherzen, © Anke Dornbach

Rohes Fleisch ist zur Aufzucht von Rabenvögeln geeignet, nicht jedoch für andere Vogelarten. Gut ist zum Beispiel reines Tatar vom Rind, also kein Hackfleisch! Auch in Stücke geschnittene, rohe Hühnerherzen sind geeignetes Fleisch zur Rabenvogelaufzucht. Fleisch sollte jedoch niemals ausschließlich verfüttert werden! Man friert es am besten in kleinen Portionen ein, die man dann bei Bedarf auftaut und verfüttert. Selbstverständlich sollte das Fleisch frisch und ungewürzt sein.

Schon gewusst? Manche Menschen schreiben die Bezeichnung für das Schabefleisch falsch – sie schreiben Tartar. Da aber dasselbe gemeint ist, wollten wir es hier an dieser Stelle sicherheitshalber noch einmal erwähnen.

 


Früchte (klein geschnitten)

Eine Reihe von Vogelarten ernährt sich draußen von Früchten und Beeren. Deshalb können diese auch in der Jungvogelaufzucht Verwendung finden – allerdings bitte nur bei den Arten, bei denen sie auch natürlicherweise auf dem Speisezettel stehen. Vor allem Stare schätzen zerkleinertes Obst als Zusatzfutter. Geeignet sind beispielsweise Äpfel, Birnen, Weintrauben, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, Ebereschenbeeren (Vogelbeeren) und Johannisbeeren.


Frische Sämereien und Grünfutter

Gemischtfresser und Vegetarier kann man mit Samen einheimischer Gräser, jungen Spitzen von Brennesselblättern, Hirtentäschelkraut, Wegerich und vielen anderen Pflanzen füttern, wobei dieses Grünfutter zuvor zerkleinert werden sollte. Die Samen müssen nicht reif sein. Am besten geeignet sind sie, wenn sie sich leicht zerdrücken lassen und dabei etwas Flüssigkeit aus den Pflanzenteilen tritt. Sie sind dann im halbreifen Zustand. In kleinen Stückchen zerteilte Vogelmiere ist ebenfalls sehr willkommen. Eine Übersicht von Pflanzen, die als Nahrung für Wild- und Ziervögel geeignet sind, finden Sie hier.


Kalzium- und Vitaminpräparate

Bei diesem Jungvogel ist der Oberschnabel zu kurz, was oft infolge einer Unterversorgung mit Nährstoffen auftreten kann. © Anna Schroh
Bei diesem Jungvogel ist der Oberschnabel zu kurz, was oft infolge einer Unterversorgung mit Nährstoffen auftreten kann. © Anna Schroh
Korvimin ZVT, © Anke Dornbach
Korvimin ZVT, © Anke Dornbach

Diese gesundheitsfördernden Futterzusätze dürfen bei der Jungvogelaufzucht keinesfalls fehlen. Während der Wachstumsphase benötigen die jungen Vögel immer eine ausreichende Menge der unterschiedlichen Nährstoffe, damit sich stabile Knochen, ein intakter Schnabel und ein robustes Gefieder bilden können. Fehlen Nährstoffe, können somit unter anderem Knochendeformationen, Gefiederschäden und Schnabelfehlstellungen auftreten. Um dies zu vermeiden, sollten Sie bei der Aufzucht von Jungvögeln immer auf eine ausreichende Nährstoffversorgung achten. Insbesondere Jungtiere, die einige Zeit hungern mussten, bis sie in menschliche Obhut gelangt sind, oder Jungvögel, die von vorherigen Pflegern aus Unwissenheit falsch ernährt worden sind, benötigen hinsichtlich der Nährstoffversorgung Ihr volles Augenmerk. Geeignet ist zum Beispiel Korvimin ZVT, welches man beim Tierarzt erhält. Die richtige Dosierung entnehmen Sie bitte der jeweiligen Packungsbeilage oder befragen Sie hierzu Ihren Tierarzt. Vitakalk ist ebenfalls als Nahrungsergänzungsmittel während der Jungvogelaufzucht geeignet, man bekommt es im Zoofachhandel. In unserer Gesundheitsrubrik halten wir weitere Informationen über das Thema Nährstoffmangel infolge von Fehl- oder Mangelernährung für Sie bereit.


Lactobazillen und Huminsäure

Bene-Bac Pulver, © Anke Dornbach
Bene-Bac Pulver, © Anke Dornbach

Zum Aufbau einer gesunden Darmflora sollte man Jungvögeln Lactobazillen oder Huminsäure zuführen. In der Natur nehmen sie mit dem Futter, das sie von ihren Eltern erhalten, immer auch einige gutartige Bakterien aus dem Körper ihrer Mütter und Väter mit auf, die sich in ihrem Darm ansiedeln. Diese natürliche „Impfung“ fehlt bei der Wildvogelaufzucht durch den Menschen, weshalb es ratsam ist, den Vögeln mit entsprechenden Präparaten beim Aufbau ihrer Darmflora zu helfen. Geeignet sind beispielsweise Bird Bene-bac und Vertinal. Insbesondere bei sehr jungen Vögeln sollten dem Futter Lactobazillen oder Huminsäure beigemengt werden. Alternativ kann man LC1 von Nestlé verwenden. Man erhält Bird Bene-bac als Paste in Tuben oder als Pulver beim Tierarzt und im gut sortierten Zoofachhandel, Vertinal ist über Tierärzte zu beziehen.


Vitamin B Komplex

Vitamin B Komplex ist eine wichtige Ergänzung bei reiner Insektenfütterung,© Anke Dornbach
Vitamin B Komplex ist eine wichtige Ergänzung bei reiner Insektenfütterung,© Anke Dornbach

Gezüchtete Futterinsekten besitzen nicht den Nährwert und Vitamingehalt wie Insekten in freier Wildbahn. Werden Jungvögel mit Futterinsekten aus dem Handel, egal ob frisch oder gefrostet, gefüttert, besteht die Gefahr, dass es zu Mangelerscheinungen, vor allem von Vitamin B Komplex kommen kann. Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Insekten mit diesem Vitamin anzureichern. Empfindliche Insektenfresser, insbesondere Schwalben, reagieren sehr empfindlich auf einen Mangel an Vitamin B Komplex. Im Zoohandel bekommt man zum Beispiel das Pulver Nekton B Komplex, oder beim Tierarzt die Injektionslösung B Komplex, die auch oral gegeben werden kann.