Trockenfutter aus dem Handel

Wer unvermutet einen jungen Wildvogel findet und nicht weiß, was er ihm füttern soll, der sucht häufig ein Zoogeschäft auf, um sich dort das richtige Futter zu besorgen. Im Prinzip ist das der richtige Weg, denn im Zoohandel bekommt man mit etwas Glück lebende Heimchen, welche ein ausgezeichnetes Futter für junge Wildvögel sind.

Darüber hinaus findet man hier auch Fertigmischungen aus getrockneten Insekten und weiteren Zutaten namens „Nestlingsfutter“, oder „Insektentrockenfutter“. Weitere Beispiele sind Produkte mit der Aufschrift „Eifutter“, „Handaufzuchtfutter“, „Aufzuchtfutter“ und dergleichen.

Das klingt im ersten Moment alles so, als sei es geeignet, um damit einen jungen Wildvogel aufzuziehen. Leider sind die meisten dieser Mischungen erfahrungsgemäß zur Jungvogelaufzucht ungeeignet. Langjährige, kompetente Wildvogelstationen berichten übereinstimmend von den negativen Aufzuchterfolgen mit solchen Trockenfuttermischungen. Gefiederdefekte, Knochendeformationen, Abszesse, trockene Haut, Verdauungsbeschwerden und Todesfälle sind fast immer die Folge. Auch wenige Fütterungen damit bei nachfolgender Umstellung auf frische Insekten können die oben genannten Konsequenzen nach sich ziehen.

Die folgende Galerie zeigt einige Beispiele aus verschiedenen Wildvogelstationen, die die Folgen der Fütterung mit Trockenfutter verdeutlichen:

Die nachfolgend beschriebenen Mischungen sind deshalb zur Aufzucht von Jungvögeln zu vermeiden:

Insektenfutter (auch Nestlingsfutter oder Insektentrockenfutter genannt)

Sogenanntes Nestlingsfutter eignet sich NICHT zur Aufzucht von Wildvögeln, © Anke Dornbach
Sogenanntes Nestlingsfutter eignet sich NICHT zur Aufzucht von Wildvögeln, © Anke Dornbach

Hiermit ist handelsübliches Futter aus getrockneten Insekten und Garnelen gemeint. Getrocknete Insekten eignen sich nicht zur Aufzucht von Jungvögeln, besser sind frisch tote oder gefrostete Insekten.

 

 

 

 

 

 

 


Beoperlen

Beoperlen, © Anke Dornbach
Beoperlen, © Anke Dornbach

Bei Beoperlen handelt es sich um Presslinge, die für die Fütterung von Beos, also von fruchtfressenden Ziervögeln, entwickelt wurden.  In Wasser eingeweicht eignen sie sich für manche Vogelarten (Drosseln und Stare, Rabenvögel), die bereits selbst fressen können, in geringen Mengen als Zusatzfutter, aber niemals als Alleinfutter.

Für die Fütterung von Nestlingen sind Beoperlen nicht geeignet.

 

 

 


Eifutter

Eifutter ist zur Jungvogelaufucht NICHT geeignet, © Anke Dornbach
Eifutter ist zur Jungvogelaufucht NICHT geeignet, © Anke Dornbach

Auch die als Eifutter bezeichneten Futtermischungen, die im Fachhandel erhältlich sind, wurden ursprünglich für die Ernährung von Ziervögeln konzipiert. Es handelt sich bei diesem Futter um eine Mischung auf der Basis von Ei, die dafür gedacht ist, brütende Ziervögel proteinreich zu ernähren. Dabei wird oft der Fehler gemacht, dieses Futter als Nahrung für die Küken anzusehen, dabei ist es tatsächlich als Futter für die Altvögel gedacht, die dadurch gestärkt werden sollen. Man verabreicht es beispielsweise Kanarienvögeln und kleinen Sittichen. Im Zoofachhandel wird dieses Futter auch als Aufzuchtfutter bezeichnet, weil es den erwachsenen Ziervögeln während der Aufzucht ihrer Jungen gereicht werden soll. Beachten Sie unbedingt, dass Eifutter oder Aufzuchtfutter nicht dasselbe wie Handaufzuchtfutter ist, siehe unten.

Und nun können Sie es sicher bereits denken: Was für Ziervogelküken nicht als Futter geeignet ist, darf auch nicht als Aufzuchtfutter für junge Wildvögel verwendet werden.

Achtung! Niemals sollte man Eifutter an Amseln und Drosselartige verfüttern.


Doch es gibt im Fachhandel auch Trockenfutter, welches bei der Handaufzucht von Jungvögeln eine große Hilfe ist. Es betrifft vor Allem die Arten, sie sich größtenteils oder ganz vegetarisch ernähren und auch ihren Nachwuchs mit nur wenigen oder gar keinen Insekten füttern.

Beispiele sind junge Tauben, die mit korrekt angemischtem Handaufzuchtbrei einen akzeptablen Ersatz für die Kropfmilch der Eltern bekommen.
Für die  Vegetarier unter den heimischen Vogelarten (Grünfink, Girlitz, Stieglitz und Hänfling), welche ihren Nachwuchs spätestens nach den ersten Lebenstagen rein pflanzlich ernähren, ist Handaufzuchtfutter ein wichtiger Bestandteil des Aufzuchtfutters.
Gemischtfresser können im Anschluss an die Nestlingszeit während der Umstellungsphase von reiner Insektenkost hin zu überwiegend pflanzlicher Kost ebenso ab und zu Handaufzuchtbrei bekommen.

Handaufzuchtfutter

Weil es in der Ziervogelhaltung immer wieder dazu kommt, dass Papageien oder Sittiche ihren Nachwuchs nicht zuverlässig füttern, wurde hierfür eine spezielle Nahrung entwickelt, die als Handaufzuchtfutter bezeichnet wird. Sie ist gewissermaßen der Babybrei für Ziervogelküken. Neben Papageienvögeln kann man damit  beispielsweise junge Kanarienvögel aufpäppeln – und selbstverständlich auch als Zusatzfutter einigen Wildvogelküken geben, jedoch nicht allen Arten.

Handaufzuchtpulver, © Futter-spatz.de
Handaufzuchtpulver, © Futter-spatz.de

Handaufzuchtfutter wird in Pulverform verkauft, es muss mit warmem Wasser (ca. 40Grad Celsius) angerührt und mit Hilfe einer Spritze als Brei verfüttert werden. Dabei ist unbedingt auf die Temperatur des Breifutters zu achten. Es darf nicht heißer als circa 38°C sein, weil es anderenfalls zu schweren Verbrennungen des Rachens und des Kropfes der jungen Vögel kommen kann. Zu kalt sollte es ebenfalls nicht sein, weil die Jungtiere sonst innerlich auskühlen. Idealerweise sollte der Futterbrei zwischen 25 und 35°C warm sein, wenn er verfüttert wird.

Im gut sortierten Zoohandel oder in Tierfutter-Onlineshops sind unter anderem Handaufzuchtfutter-Mischungen der Marken Dr. Harrison’s, Nutribird A19 oder A 21 und CeDe erhältlich.
Handaufzuchtpulver enthält relativ viel Zucker, welcher bei der Handfütterung leicht zu einer Pilzinfektion führen kann. Wir empfehlen deswegen das abgebildete Handaufzuchtpulver der Marke Harrison’s Recovery, welches einen vergleichsweise geringen Zuckergehalt aufweist und erfahrungsgemäß sehr gute Aufzuchterfolge erweist.

Ganz wichtig: Achten Sie im Zooladen darauf, dass Ihnen tatsächlich Handaufzuchtfutter verkauft wird und nicht fälschlicherweise Aufzuchtfutter = Eifutter. Dieses ist für die Ernährung von Altvögeln gedacht, die Nachwuchs großziehen und sollte nicht an junge Wildvögel verfüttert werden, siehe oben.


7-Kornflocken

Milchfreie Siebenkornflocken, © Anke Dornbach
Milchfreie Siebenkornflocken, © Anke Dornbach

Oftmals ist es auf die Schnelle nicht möglich, Handaufzuchtpulver für junge Tauben oder  Vegetarier zu beschaffen. Alternativ kann deswegen zur Überbrückung auf Getreideflocken, die als Babynahrung gedacht sind, zurück gegriffen werden. Diese bekommt man in jedem Supermarkt. Wichtig ist, dass es sich um eine milchfreie Mischung handelt. Die Flocken werden mit warmem Wasser zu Brei angeführt und per Spitze gegeben.

Nach unserer Erfahrung wird der Flockenbrei langfristig schlecht vertragen, es sollte daher nur im Notfall, zum Überbrücken bis Handaufzuchtpulver beschafft werden kann, gegeben werden.