Artgerechtes Futter für Vegetarier

Unter den in Deutschland heimischen Wildvögeln gibt es einige Arten, die ihren Nachwuchs nahezu rein vegetarisch ernähren. Diese Jungtiere würden eine ausschließliche Insektenkost nicht vertragen, es könnte zu Verdauungsstörungen oder sogar zu Organschäden kommen, wenn man Angehörige der Vegetariergruppe mit tierischer Kost großzuziehen versucht. Lediglich in der ersten Lebensphase im Nest dürfen sie auch Insekten bekommen, deren Anteil jedoch nach und nach reduziert wird.

Das sind die sich vegetarisch ernährenden Vogelarten

  • Bluthänfling, auch Hänfling genannt
  • Grünfink
  • Girlitz
  • Stieglitz, auch Distelfink genannt

Im Folgenden erfahren Sie, wie Sie Jungvögel der oben genannten Arten in den verschiedenen Phasen ihres frühen Lebens artgerecht und gesund ernähren können und sollten.

Die ersten Lebenstage

Die Hauptnahrung besteht aus einem Brei aus Handaufzuchtpulver oder 7-Kornflocken, bis Handaufzuchtpulver beschafft werden kann . Beides wird mit warmem Wasser zu einem Brei angerührt, dann kommen noch Lactobazillen zur besseren Verträglichkeit des ungewohnten Futters hinzu. Auch etwas Korvimin ZVT sollte zu dem Brei gegeben werden. Der fertige Brei wird handwarm mit einer Einwegspritze, am besten eignen sich 1ml Spritzen, gegeben und vor jeder Fütterung frisch angesetzt.

Eine zusätzliche Wassergabe ist nicht notwendig.

In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen bekommen die Küken der Vegetariergruppe zusätzlich auch einige Insekten, deren Anteil von Tag zu Tag reduziert wird. Dies können Stückchen von Heimchen oder Drohnenbrut sein, oder auch gemahlene Frostinsekten, die in den Brei gemischt werden.

Grünfink, Stieglitz und Girlitz: Sobald die Augen vollständig geöffnet sind, sollte der Anteil an Insekten reduziert werden und bis zum 10. Lebenstag, wenn die ersten Federkiele sprießen, ganz weg gelassen werden.

Hänfling: Nur während der ersten 5 Lebenstage nach dem Schlüpfen dürfen einige Insekten gegeben werden. Die Küken sind dann nur von einem feinen Flaum bedeckt und die Augen verschlossen.

Anschließend wird bis zum Verlassen des Nestes nur noch der Brei ohne Insekten gegeben.

Sobald die Augen offen sind, müssen zu dem Brei auch frische Pflanzenteile gefüttert werden. Sehr gut eignet sich hierfür Vogelmiere oder auch die Spitzen von jungen Brennnesselblättern.

Hierfür sammelt man das Grünfutter und friert die frischen Blättchen in einer Dose ein, damit sie hart werden. Im gefrorenen Zustand werden sie zusammen mit Handaufzuchtpulver (zum Beispiel Nutribird A 21) in eine handelsübliche Kaffeemühle oder einen ähnlichen Zerkleinerer, der Mahlen kann, gegeben und fein gemahlen. Dem pulverförmigen Gemisch fügt man nun noch etwas Korvimin ZVT bei und kann es wieder einfrieren. Vor der Fütterung entnimmt man nun ein bis zwei Löffel davon und mischt sie mit wenig warmem Wasser zu einem Brei, der handwarm mit der Spritze in den Schnabel gegeben werden kann.
Auch gemahlene, geschälte Hirsekörner lassen sich gut dem Brei beifügen. Wenn die Federn ausgebildet sind, kann man dem Brei auch geschälte Hirse, die vorher in heißem Wasser eingeweicht wurde, oder 7-Kornflocken bemischen, um die Jungvögel langsam an die Körnernahrung zu gewöhnen.

Die Zeit nach dem Verlassen des Nestes

Verschiedene Futtermittel für Körnerfresser, Foto © Bianca Scherleitner
Verschiedene Futtermittel für Körnerfresser, Foto © Bianca Scherleitner

Sobald sie das Nest verlassen haben und selbst anfangen, nach Nahrung zu picken, werden den jungen Vögeln aus der Vegetariergruppe Schalen mit Waldvogelfutter (ein Gemisch aus trockenen und gekeimten Körnern dieses Futtermittels), Eifutter, zerkleinerte Nüsse und Pinienkerne, geschälte Sonnenblumenkerne und täglich frische Sträuße mit Wildkräutern aus der Natur angeboten.

Nun muss auch Wasser separat in kleinen Näpfen bereitgestellt werden. Selbstverständlich können Sie anstelle eines Napfes auch eine hängend montierte Fontäne verwenden, wie sie im Zoofachhandel für Ziervögel erhältlich ist.

Bitte beachten Sie: Die Handfütterung muss auch in dieser Phase des Lebens unbedingt weiterhin zusätzlich erfolgen, bis sich die Jungvögel  vollkommen selbstständig ernähren können.