Beschreibungen einiger Rabenvogelarten

Beitrag von Dagmar Offermann, Team Wildvogelhilfe

Der Häher, © Dorthe Landschulz
Der Häher, © Dorthe Landschulz

Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über die in Mitteleuropa heimischen Rabenvogelarten. Hierbei gilt allerdings, dass nicht sämtliche heimischen Arten aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae) überall vorkommen. Das Verbreitungsgebiet der einzelnen Arten ist in den jeweiligen Beschreibungen angegeben. Es ist also gut möglich, dass Sie die eine oder andere Spezies selbst noch nie gesehen haben, obwohl sie in Mitteleuropa heimisch ist. Und falls Sie sich schon immer gefragt haben, warum der Eichelhäher eigentlich Häher heißt, können wir Ihnen mit dem Cartoon auf dieser Seite ebenfalls eine Antwort geben. Wir danken Dorthe Landschulz ganz herzlich dafür, dass wir diese herrliche Beschreibung hier nutzen dürfen. Mehr tolle Cartoons von Dorthe gibt es auf Ein Tag Ein Tier.

Folgende Artporträts finden Sie auf dieser Seite:


Eichelhäher (Garrulus glandarius)

Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Oldiefan/ Pixabay
Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Oldiefan/ Pixabay

Der Eichelhäher ist etwa 32 bis 35 Zentimeter groß und besitzt eine auffällige bunte Färbung. Das Federkleid ist rötlich-braun mit einer helleren Unterseite, der Schwanz und die Flügel sind schwarz. Hierzu stehen der schneeweiße Bürzel und die weißen Bereiche an den Flügeln in starkem Kontrast. Darüber hinaus weisen die Flügel einen leuchtend hellblau gefärbten Bereich auf, der eine schwarze Bänderung trägt. Die auf dem Kopf befindlichen Scheitelfedern können aufgestellt werden. Ser Kopf ist auf hellerem Grund schwarz längs gestrichelt, die Kehle ist weiß mit einem schwarzen Bartstreif. Auffällig ist außerdem die helle, graublaue Iris erwachsener Eichelhäher. Jugendliche Individuen sind ähnlich gefärbt wie erwachsene Vögel, insgesamt aber dunkler und weniger kontrastreich.

Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Ted van den Bergh via Flickr
Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Ted van den Bergh via Flickr

Der Eichelhäher lebt vor allem in Nadel- und Mischwäldern und ist dort recht häufg, aber auch in menschlichen Siedlungen, beispielsweise in baumreichen Grünanlagen von Städten, ist er anzutreffen.

Von Frühjahr bis Herbst überwiegt der Anteil an tierischer Kost, von Herbst bis Frühjahr ernährt er sich hauptsächlich von pflanzlichen Nahrungsbestandteilen. Dieses schöne Tier trägt dazu bei, forstlich sehr erwünschte Pflanzen und somit die Wälder zu verbreiten, indem es Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse im Boden, an Gebüschrändern und unter Laub versteckt.

Der Eichelhäher verfügt über ein individuelles und beeindruckendes Stimmrepertoire. Er ist außerdem dazu in der Lage, Geräusche – wie beispielsweise die Stimmen von Eulen oder Reihern – täuschend echt zu imitieren.

Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Jürgen Mangelsdorf via Flickr
Eichelhäher (Garrulus glandarius), © Jürgen Mangelsdorf via Flickr

Das Gelege dieser Vogelart besteht aus vier bis sieben blassgrün, bräunlich oder rötlich gezeichneten Eiern, gebrütet wird in Mitteleuropa für gewöhnlich im Mai. Die Brutdauer beträgt 16 bis 17 Tage, die Nestlingsdauer 19 bis 22 Tage. Die Jungvögel werden nach dem Verlassen des Nestes noch drei bis vier Wochen von den Alttieren gefüttert und geführt.

Das nachgewiesene Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre. Die Sterblichkeit der Eichelhäher wird stark durch Abschuss beeinflusst.


Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes)

Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes), © Sergey Yeliseev via Flickr
Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes), © Sergey Yeliseev via Flickr

Die Körpergröße des Tannenhähers beträgt zwischen 22 und 33 Zentimeter. Das Gefieder ist bei erwachsenen Individuen schokoladen-graubraun mit vielen weißen Tupfen, einer dunklen Kopfkappe, schwärzlichen Flügeln und schneeweißen Unterschwanzdecken. Die Jungvögel sind ähnlich gefärbt wie die Altvögel, aber generell heller mit einer weniger deutlichen Fleckung.

Der Tannenhäher ist ein spärlicher Brutvogel in Bergwäldern des mittel- und osteuropäischen Raumes, in Südskandinavien und den ehemaligen Sowjetrepubliken brütet er vornehmlich in Nadelwäldern. In Deutschland ist der Tannenhäher eher selten anzutreffen. Wer erfahren möchte, wo man diese Tiere hierzulande beobachten kann, findet die entsprechenden Informationen bei naturgucker.de (auf „karte“ oder „beobachtungen“ klicken).

Als Nahrung bevorzugt der Tannenhäher Samen der Zirbelkiefer und Haselnüsse, die er auch im Boden versteckt, ansonsten ernährt er sich wie alle Rabenvögel vielseitig.

Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes), © Giuseppe Calsamiglia via Flickr
Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes), © Giuseppe Calsamiglia via Flickr

Tannenhäher versammeln sich über das ganze Jahr in Gruppen von bis zu zehn Tieren, in denen sich auch Paare bilden – die Vögel veranstalten einen regelrechten „Heiratsmarkt“. Haben sich zwei Partner gefunden, führen sie wie die meisten Rabenvögel eine lebenslange Ehe.

Das Gelege der Tannenhäher besteht aus drei bis vier blassgrün oder bläulich gefärbten Eiern. Die Brutdauer beträgt 16 bis 19 Tage, die Nestlingsdauer 21 bis 28 Tage. Nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungvögel bis zum Alter von 80 Tagen, manchmal noch bis zum 105. Tag, von den Alttieren gefüttert und geführt.

Das nachgewiesene Höchstalter der Tannenhäher im Freiland beträgt 15 Jahre, in Gefangenschaft 31 Jahre.


Elster (Pica pica)

Elster (Pica pica), © Gaby Schulemann-Maier
Elster (Pica pica), © Gaby Schulemann-Maier

Bis zu 51 Zentimeter kann die Körpergröße der Elstern betragen. Diese Vogelart ist durch ihre schwarz-weiße Färbung und ihren sehr langen Schwanz leicht bestimmbar. Der Bauch, die Seiten und die Schulterflecken sind bei erwachsenen Individuen weiß, ansonsten ist das Gefieder schwarz mit einem bläulichen oder grünlichen Metallschimmer auf den Schwingen, die Schwanzfedern schwarz mit grünlich-bläulichem metallischem Schimmer. Die Jungvögel sind matter gefärbt als die Altvögel und ihr Schwanz ist nicht ganz so lang.

Die Elster ist in ganz Europa ein häufiger Brutvogel, auch in den Städten. Bedingt durch das massive Nachstellen durch den Menschen (Abschuss) schwankt ihre Population stark. In der Südschweiz ist die Elster seit ihrer Ausrottung im Jahre 1915 nicht zurückgekehrt!

Elster (Pica pica), © bzdi via Flickr
Elster (Pica pica), © bzdi via Flickr

Elstern sind vielseitige Allesfresser, wobei die Nahrung nach dem bestehenden Angebot wechselt. Die Vögel  suchen oft im Fell von Weidetieren nach Insekten und Schafe lassen sich von ihnen gern behutsam die Augenwinkel nach Nahrung absuchen.

Das Gelege besteht der Elstern aus vier bis sieben, selten aus bis zu zehn blassbläulichen oder grünen Eiern, mit braunen oder grauen Sprenkeln; gebrütet wird von April bis Juni. Etwa 18 bis 19 Tage nach Brutbeginn schlüpfen die Jungvögel, nach weiteren 18 bis 19 Tagen sitzen sie als nicht flugfähige Nestlinge außerhalb des Nestes. Mit 22 bis 27 Tagen sind die jungen Elstern flügge und werden von den Eltern trotzdem noch acht Wochen geführt und versorgt.

Elstern können 15 Jahre alt werden.


Alpendohle (Pyrrhocorax graculus)

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), © Björn S... via Flickr
Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), © Björn S… via Flickr

Die Alpendohle ist circa 34 bis 38 Zentimeter groß und somit ein wenig kleiner als die nahe verwandte und ähnlich aussehende Alpenkrähe. Das Gefieder der Alpendohle Gefieder ist am gesamten Körper glänzend schwarz, der Kopf ist rund und der Schnabel erwachsener Individuen ist leuchtend gelb gefärbt und steht deshalb in starkem Kontrast zum dunklen Gefieder. Die roten Beine sind ebenfalls sehr auffällig. Der Schnabel der Jungvögel ist graugelb, ihre Beine sind schwarzbraun; das Gefieder jugendlicher Alpendohlen ist schwarz.

Alpendohlen sind sehr gute Flieger. Oft kann man eindrucksvolle Paarflüge der einander lebenslänglich treuen Paare beobachten.

In den Gebirgen Südeuropas brütet die Alpendohle bis zur Schneegrenze hinauf, in Deutschland liegt ihr Brutgebiet in den Alpen. Informationen über Gegenden, in denen die Alpendohle beobachtet werden kann, gibt es auf naturgucker.de. In Nordspanien wird von Rückgängen aufgrund des intensiven Abschusses berichtet.

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), © Mickaël Dia via Flickr
Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), © Mickaël Dia via Flickr

Auf dem Speiseplan der Alpendohle steht weniger Aas als auf dem des Kolkraben. Ansonsten ist sie ein vielseitiger Allesfresser. Nahrungsbrocken versteckt sie gerne in Felsspalten. An Skiliften und Berggasthäusern ist sie bedingt durch das üppige Nahrungsangebot wenig scheu und häufig anzutreffen, die Vögel versuchen dort an Essensreste zu gelangen.

Das Gelege der Alpendohle besteht aus drei bis fünf Eiern, die Brutdauer beträgt ca. 19 Tage, und mit ca. 35 Tagen verlassen die Jungen das Nest, werden aber noch drei bis vier Wochen geführt und versorgt. Die Nestlingssterblichkeit ist bei den Alpendohlen sehr hoch: im Durchschnitt überlebt weniger als ein Junges pro Brutpaar!

Im Freiland können Alpendohlen über 20 Jahre alt werden.


Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax)

Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), © Andrew via Flickr
Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), © Andrew via Flickr

Die Alpenkrähe ist circa 38 bis 41 Zentimeter groß und somit etwas stattlicher als die relativ ähnlich aussehende Alpendohle. Das schwarze Gefieder erwachsener Alpenkrähen ist rein schwarz und zeigt einen deutlichen metallischen Glanz, ihre roten Beine sind recht lang und diese Vögel haben einen vergleichsweise langen, nach unten gebogenen und rot gefärbten Schnabel. Die Jungvögel sind am Schnabel und an den Beinen matter als die Altvögel gefärbt.

In Felsgebirgen und an Steilklippen Süd- und Westeuropas liegen die Brutplätze der Alpenkrähe; auch an der britischen und irischen Küste errichtet diese Vogelart ihre Kinderstube. In Gebieten, in denen Alpenkrähen und Alpendohlen vorkommen, treten mitunter Mischlinge der beiden Arten auf.

Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), © Keith Marshall via Flickr
Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), © Keith Marshall via Flickr

Die Alpenkrähe leidet in unseren Breiten stark unter den Intensivierung der Landwirtschaft und somit unter der Veränderung der Landschaft. Exzessive Bejagung setzt den südeuropäischen Beständen zu, regional ist sie dort stark gefährdet. In den südlichen und westlichen Alpen ist sie ausgestorben. Wo man die Alpenkrähe heute noch beobachten kann, lässt sich auf naturgucker.de in Erfahrung bringen.

Alpenkrähen sind ausgeprägter Insektenfresser und daher auf ein großes Insektenangebot angewiesen, nur bei Nahrungsmangel während des Winters ernähren sich diese Vögel von Aas.

Die Alpenkrähen führen sehr feste und enge Paarbeziehungen. Ihre Ehe ist wie bei den meisten anderen Rabenvögeln auf Dauer angelegt. Größere Bruterfolge erreichen Alpenkrähen erst ab einem Alter von fünf Jahren. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern, die Brutzeit dauert 21 bis 23 Tage. Nach 37 bis 40 Tagen verlassen die Jungen das Nest und werden noch 30 bis 40 Tage im Familienverband geführt, wobei sie sich bereits nach 21 Tagen selbstständig ernähren.

Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 17 Jahre, wahrscheinlich sind aber über 25 Jahre möglich. In Gefangenschaft wurden einige dieser Vögel knapp 30 Jahre alt.


Dohle (Corvus monedula)

Dohle (Corvus monedula), © Ewald Ferlemann
Dohle (Corvus monedula), © Ewald Ferlemann

Die Dohle ist kleiner als alle anderen schwarzen Rabenvögel der Gattung Corvus, sie ist nur etwa 33 bis 39 Zentimeter lang. Sie hat einen viel kürzeren Schnabel, eine hohe Stirn; ihr Nacken, Hinterkopf und die Ohrdecken sind grau, die Iris ist auffällig hellgrau, das restliche Gefieder ist auf der Oberseite glänzend schwarz, auf der Unterseite matt schwarz gefärbt.

Im Kulturland ist die Dohle ein verbreiteter Brutvogel, man findet sie in alten Laubwäldern und darüber hinaus in Städten; im südlichen Mitteleuropa ist die Dohle regional gefährdet.

Sie ist ein vielseitiger Allesfresser, greift aber mehr als die anderen Corvus-Arten auf Insekten zurück. Als Nistplätze dienen in der Natur Baumhöhlen, Mauer- und Felsnischen sowie im Siedlungsraum Dachstühle von Kirchturmspitzen und Schornsteine.  Es wurde aber auch schon beobachtet, dass sich Dohlen Nistplätze in Kaninchenbauten schaffen, da sie Dunkelheit am Nest bevorzugen. Zur Polsterung der Nestmulde sammeln sie beispielsweise den im Spätwinter ausfallenden Winterpelz von Weidetieren ein.

Dohle (Corvus monedula), © Michele Lamberti via Flickr
Dohle (Corvus monedula), © Michele Lamberti via Flickr

Das Gelege der Dohlen wird im April und Mai produziert, es besteht aus vier bis sechs, im Extremfall zwei bis acht Eiern, deren Farbe zwischen blassblau und hellgrün mit dunkel-graubraunen Flecken variiert. Die Brutdauer beträgt 18 bis 20 Tage und der Nachwuchs wird vor allem mit Großinsekten ernährt. Im Alter von 27 bis 33 Tagen verlassen die oft noch nicht voll flugfähigen Jungen das Nest. Danach werden sie noch einige Tage von ihre Eltern mit Nahrung versorgt. Zwei Wochen nach dem Flüggewerden beginnt die Truppbildung.

Das belegte Höchstalter im Freiland beträgt 18 Jahre, in Gefangenschaft können Dohlen knapp 30 Jahre alt werden.


Nebelkrähe (Corvus cornix)

Nebelkrähe (Corvus cornix), © Gaby Schulemann-Maier
Nebelkrähe (Corvus cornix), © Gaby Schulemann-Maier

Einst haben Wissenschaftler die Nebelkrähe als eine der beiden Unterarten der Aaskrähe angesehen, die wissenschaftlich als Corvus corone bezeichnet wurde. Die Nebelkrähe galt als Corvus corone cornix. Nach wie vor halten manche Experten an dieser Aufteilung fest, andere jedoch halten die Nebelkrähe für eine eigenständige Art. Wir haben uns in unserer Darstellung für diese Variante entschieden.

Die Nebelkrähe 45 bis 47 Zentimeter groß und ihr Gefieder ist zweifarbig: Brust, Bauch, Hinterhals und Rücken sind hellgrau, das restliche Gefieder dieser Vogelart ist ist schwarz. Durch diese Zweifarbigkeit unterscheidet sie sich von der einfarbig schwarz gefärbten Rabenkrähe. In Gebieten, in denen beide Arten gemeinsam verbreitet sind, kommen zuweilen Mischlinge vor, die Merkmale beider Spezies in unterschiedlicher Ausprägung tragen können. Das heißt, die Gefiederfärbung weicht dann von der einer unverfälschten Nebelkrähe deutlich ab.

Nebelkrähe (Corvus cornix), © hedera.baltica via Flickr
Nebelkrähe (Corvus cornix), © hedera.baltica via Flickr

Das Verbreitungsgebiet der Nebelkrähe erstreckt sich über Nord-, Ost- und Südosteuropa. Die Tiere in kommen fast allen Lebensräumen vor, nur in geschlossenen Wäldern trifft man sie nicht an. Wo sich Nebelkrähen in Deutschland sowie generell beobachten lassen, zeigt das Artporträt dieser Vogelart auf naturgucker.de.

Nebelkrähen sind Allesfresser. Während des Winters ernähren sie sich vor allem von Beeren, Sämereien und Aas, im Sommer steht tierische Kost auf ihrem Speiseplan, darunter beispielsweise Schnecken, Regenwürmer, Insekten und Kleinsäuger. Gelegentlich verzehren sie auch Vogeleier. Bei der Insektenjagd sind Nebelkrähen sehr clever und sie nutzen die Tatsache, dass Weidetiere häufig Tiere aufscheuchen. Deshalb halten sich Nebelkrähen gern auf Viehweiden auf.

Hinsichtlich des Sozialverhaltens gibt es bei den Nebelkrähen eine Trennung der Population in Brutvögel, die Territorien besitzen, und locker zusammenhaltenden Nichtbrütertrupps. Letztere bestehen aus ein- bis fünfjährigen Vögeln. Im Alter von rund sieben Jahren rücken die Mitglieder der Nichtbrütertrupps in die Brutgesellschaft nach.

Nebelkrähe (Corvus cornix), © Stefan Berndtsson via Flickr
Nebelkrähe (Corvus cornix), © Stefan Berndtsson via Flickr

Die Nester der Nebelkrähen befinden sich im Siedlungsraum meist in Baumkronen in Alleen und Parks sowie in den hohen Baumbereichen auf Plätzen und Hinterhöfen; in baumarmen Gebieten brüten die Vögel sogar im Gebüsch. Zunehmend werden Gittermasten von Hochspannungsleitungen, die relativ sicher vor einem Beschuss durch den Menschen sind, als Brutplatz genutzt. Von März bis Juni dauert die Brutsaison dieser Vogelart. Das Gelege der Nebelkrähen besteht meist aus drei bis sechs Eiern mit brauner oder grauer Fleckung, nach 17 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungvögel, die nach 30 bis 35 Tagen flügge sind. Sie werden dann noch mindestens vier Wochen von den Eltern geführt und gefüttert. Die Brutfürsorge der Nebelkrähen ist stark ausgeprägt: Fallen Jungvögel zu Boden, werden sie dort weiter bewacht, gefüttert und beherzt verteidigt.

Nebelkrähen haben ein großes Nachahmungstalent, sie können das „Sprechen“ erlernen, wenn sie in menschlicher Obhut großgezogen und zu stark auf den Menschen geprägt werden. Dies sollte jedoch nicht als erstrebenswert erachtet werden, weil eine Fehlprägung problematisch ist.

Bis zu 19 Jahre werden Nebelkrähen im Freiland alt. Leider gehen die Bestände dieser Vogelart vielerorts zurück.


Rabenkrähe (Corvus corone)

Rabenkrähe (Corvus corone), © Peter O'Connor aka anemoneprojectors via Flickr
Rabenkrähe (Corvus corone), © Peter O’Connor aka anemoneprojectors via Flickr

Früher haben die Wissenschaftler die Rabenkrähe als eine der beiden Unterarten der Aaskrähe angesehen, die wissenschaftlich als Corvus corone bezeichnet wurde. Die Rabenkrähe galt als Corvus corone corone. Nach wie vor halten manche Experten an dieser Aufteilung fest, andere jedoch sehen in der Rabenkrähe eine eigenständige Art. Wir haben uns in unserer Darstellung für diese Variante entschieden.

Die Rabenkrähe ist circa 45 bis 47 Zentimeter groß. Ihr Federkleid ist einfarbig schwarz und ein wenig glänzend. Diese Vögel haben einen kräftigen schwarzen Schnabel, der aber nicht so klobig wie derjenige des Kolkraben ist und nicht so schlank und spitz wie bei der Saatkrähe.

Rabenkrähen sind in Deutschland vor allem im westlichen Landesteil zu finden. Sie sind in fast allen Lebensräumen heimisch, nur in geschlossenen Wäldern fehlen sie. Häufig trifft man die Tiere auch im Siedlungsraum an. Wo sich Rabenkrähen in Deutschland sowie generell beobachten lassen, zeigt das Artporträt dieser Vogelart auf naturgucker.de.

Rabenkrähe (Corvus corone), © Gaby Schulemann-Maier
Rabenkrähe (Corvus corone), © Gaby Schulemann-Maier

Diese Vogelart ist ein besonders vielseitiger Allesfresser. Im Winterhalbjahr werden überwiegen Beeren, Sämereien und Aas verzehrt, im Sommerhalbjahr leben Rabenkrähen von tierischer Nahrung, darunter Schnecken, Regenwürmer, Insekten, Kleinsäuger und gelegentlich Vogeleier. Sehr geschickt sind Rabenkrähen bei der Jagd nach Insekten: Sie nutzen dabei aus, dass Weidetiere häufig kleine Tiere aufschrecken. Aus diesem Grund kann man Rabenkrähen häufig auf Viehweiden beobachten. Mitunter fressen Rabenkrähen auch die Nachgeburt von Schafen und attackieren zuweilen sterbende Lämmer.

Das Sozialverhalten dieser Vogelart ist gekennzeichnet durch die Trennung der Population in Brutvögel, die Territorien besitzen, und locker zusammenhaltenden Nichtbrütertrupps (ein- bis fünfjährige Vögel). Vertreter der Nichtbrütertrupps rücken im Alter von rund sieben Jahren in die Brutgesellschaft nach.

In Baumkronen in Alleen und Parks sowie in der Kronenregion hoher Bäume auf Plätzen und Hinterhöfen kann man die Nester von Rabenkrähen im Siedlungsbereich finden. Mitunter sind sogar Bruten in Gebüschen zu verzeichnen, allerdings nur in baumarmen Gegenden. Immer häufiger werden Gittermasten von Hochspannungsleitungen, die relativ sicher vor einem Beschuss durch den Menschen sind, als Brutplatz ausgewählt.

Rabenkrähe (Corvus corone), © Joe via Flickr
Rabenkrähe (Corvus corone), © Joe via Flickr

Rabenkrähen brüten in der Zeit von März bis Juni. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern mit brauner oder grauer Fleckung. Die Jungvögel schlüpfen nach 17 bis 21 Tagen und sie sind meist nach 30 bis 35 Tagen flügge. Danach werden sie in aller Regel noch mindestens vier Wochen von ihren Eltern geführt und gefüttert. Rabenkrähen verfügen über eine stark ausgeprägte Brutfürsorge: Zu Boden gefallene Jungvögel werden dort weiter bewacht, gefüttert und beherzt verteidigt.

Das Nachahmungstalent der Rabenkrähen ist sehr groß. Werden Jungtiere in menschlicher Obhut großgezogen, kann es geschehen, dass sie die menschliche Stimmen nachahmen. Dies sollte jedoch nicht als erstrebenswert erachtet werden, weil eine solche Fehlprägung problematisch ist.

Im Freiland beträgt das Höchstalter von Rabenkrähen etwa 19 Jahre.


Kolkrabe (Corvus corax)

Kolkrabe (Corvus corax), © David Bush via Flickr
Kolkrabe (Corvus corax), © David Bush via Flickr

Der Kolkrabe kann nicht nur als einziger Rabenvogel auf den Rücken gedreht fliegen, er ist in Europa sowie weltweit auch der größte Vertreter dieser Vogelfamilie und damit der größte Singvogel der Erde. Er ist mit seiner Körpergröße von 54 bis 67 Zentimeter fast doppelt so groß wie eine Saatkrähe. sein Gefieder ist einheitlich schwarz mit metallenem Glanz, sein Schnabel ist sehr groß und klobig. Typisch für Kolkraben sind seine langen Kehlfedern, die sich am Hals befinden.

Antreffen lassen sich Kolkraben in Gebirgsregionen und ausgedehnten Waldgebieten ganz Europas, er fehlt derzeit in größeren Teilen Frankreichs, Großbritanniens und in tieferen Lagen Mitteleuropas. Er brütet in hohen alten Bäumen oder an Steilwänden. Bis heute ist beim Kolkraben anders als bei vielen anderen Rabenvogelarten keine Verstädterung festzustellen, die Tiere schließen sich also nicht den Menschen an. Kolkraben sind Standvögel und bleiben ihrem Revier über Jahre treu.

Kolkrabe (Corvus corax), © Ingrid Taylar via Flickr
Kolkrabe (Corvus corax), © Ingrid Taylar via Flickr

Je nach regionaler Situation, ist der Kolkrabe potenziell oder akut vom Aussterben bedroht. Hierbei ist der Mensch der Hauptfeind des Kolkraben, ein Großteil der jährlichen Sterblichkeit geht auf sein Konto. Der Kolkrabe fällt im Unterschied zu allen anderen Rabenvogelarten unter das Jagdgesetz. Der grundlegende Unterschied zwischen dem Jagdgesetz und dem Bundesnaturschutzgesetz ist folgender: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Wildvögel generell geschützt. Im Jagdrecht sind sie nur zu bestimmten Zeiten (Nist-, Brut-, Aufzucht- und Wanderzeiten) geschützt. Theoretisch dürfte der Kolkrabe außerhalb dieser Zeiten abgeschossen werden. Er hatte aber das Glück, von der EU unter einen besonderen Schutz gestellt zu werden: Kolkraben unterliegen ganzjährig einem Jagdverbot. Hoffen wir, dass die EU bei ihrer Entscheidung bleiben wird, siehe auch unser Kapitel Rechtliche Situation.

Kolkrabe (Corvus corax), © Simon Hilmarsson via Flickr
Kolkrabe (Corvus corax), © Simon Hilmarsson via Flickr

Der Kolkrabe ist ein ausgesprochen vielseitiger Allesfresser: Er ernährt sich von Aas, Nachgeburten von Weidetieren und gelegentlich tötet er schwache Lämmer, die von ihren Müttern aufgegeben und nicht mehr verteidigt werden. Auf seinem Speiseplan stehen darüber hinaus verschiedene pflanzliche Futtermittel und Deponieabfälle.

Ähnlich wie bei den Nebelkrähen und den Rabenkrähen, besteht bei den Kolkraben eine Aufteilung in revierbesitzende Paare und Nichtbrüter. Das Gelege besteht aus drei bis sechs Eiern mit grünlichblauem oder hellgrünem Grund und grau, braun oder oliv gefärbten Sprenkeln. Die Brutdauer beträgt 21 Tage, mit 43 bis 46 Tagen verlassen die noch nicht voll flugfähigen Jungraben den Horst und werden weitere 50 bis 60 Tage von den Eltern geführt und gefüttert. Bei der Jungenaufzucht spielen Insekten als Nahrung eine große Rolle. Im Spätsommer verstreichen die Jungen, das heißt, sie ziehen weg. Die Altvögel bleiben in ihrem Revier.

Das bekannte Höchstalter von Kolkraben im Freiland beträgt 20 Jahre.


Saatkrähe (Corvus frugilegus)

Informationen über Saatkrähen finden Sie hier.