Wie oft und wie viel füttern?

Sperrender Grünfink, © Cornelia Busse-Ziegler
Sperrender Grünfink, © Cornelia Busse-Ziegler

Diese beiden Fragen stellen sich einem „Vogelpäppler“ sehr bald, aber sie sind leider äußerst schwierig zu beantworten. Der Grund dafür ist, dass es von der jeweiligen Vogelart, dem Alter und dem Allgemeinzustand des einzelnen Vogels abhängt, wie häufig er gefüttert werden sollte und wie groß die einzelnen Mahlzeiten sein sollten. Wir versuchen dennoch in diesem Kapitel einige Hinweise zu geben, die Ihnen hoffentlich dabei helfen, das richtige Maß zu finden.

Bitte betrachten Sie daher die hier gegebenen Vorschläge nicht als verbindlich, sondern lediglich als grobe Anhaltspunkte. Die von uns weiter unten aufgeführten Futtermengen gelten für die meisten Jungtiere einheimischer Singvogelarten im gesunden Zustand.

Der Kot gesunder junger Singvögel ist von einer feinen, festen Membran umhüllt und läuft nicht aus, © Anke Dornbach
Der Kot gesunder junger Singvögel ist von einer feinen, festen Membran umhüllt und läuft nicht aus, © Anke Dornbach

Übrigens: Sie erkennen eine gesunde Verdauung eines jungen Wildvogels daran, dass das Tier regelmäßig Kothäufchen absetzt, die innen dunkler sind als außen und außerdem mit einer weißen, recht festen „Haut“ überzogen sind. Dank dieser Haut läuft der Kot im Nest nicht aus und bei Naturbruten können die Altvögel die fest verpackten Kothäufchen aus dem Nest tragen. Bei Wasservogelarten ist der Kot der Jungtiere nicht in ein solches Häutchen eingehüllt und auch bei Greifvögeln verhält es sich nicht so.

Leider sind sehr viele Jungvögel, die in menschliche Obhut gelangen, geschwächt oder nicht vollständig gesund. Dann sind einige wichtige Details zu berücksichtigen.

Bitte beachten Sie, dass völlig ausgehungerte Jungvögel, die vielleicht sogar heißhungrig um Futter betteln, erst behutsam an die Nahrungsaufnahme gewöhnt werden müssen, bis ihre Verdauung wieder funktioniert. Anderenfalls könnte eine gut gemeinte Fütterung zu gravierenden Problemen bis hin zum Tod durch einen Kreislaufkollaps oder schwere Verdauungsstörungen führen.

Der Vogel muss erst gewärmt werden, wenn er sich kalt anfühlt. Erst dann kann mit dem Füttern begonnen werden.

Bei ausgehungerten Vögeln ist das Brustbein deutlich und spitz zu ertasten (siehe auch das Kapitel Anzeichen für Erkrankungen in der Gesundheitsrubrik). Wie solche Hungerkandidaten zu behandeln sind, lesen Sie hier.

Junter Buntspecht beim Wiegevorgang, © Heike Brunken
Junter Buntspecht beim Wiegevorgang, © Heike Brunken

Es ist sehr zu empfehlen, Jungvögel täglich zu wiegen. So kann man sichergehen, dass eine kontinuierliche Gewichtszunahme erfolgt. Die meisten handelsüblichen digitalen Küchenwaagen können bis auf ein Gramm genau das Gewicht anzeigen. Sie eignen sich bestens für das Wiegen junger Vögel. Um die Tiere nicht zu sehr zu verängstigen, sollte man sie in einer kleinen Schale, also quasi einem Nestersatz, auf die Waage stellen. Später kann man die Schale wiegen und deren Eigengewicht vom zuvor erhaltenen Wert abziehen, dann erhält man das Gewicht des Jungvogels. Oder aber man stellt zunächst die Schale auf die Waage, setzt diese auf Null zurück und legt anschließend den Jungvogel in die Mulde, um ihn zu wiegen.


Häufigkeit der Fütterungen

Sehr junge Nestlinge, wie diese Amseln müssen besonders häufig gefüttert werden, © Margareta Michna
Sehr junge Nestlinge, zwei Amseln und links ein kleiner Spatz, © Margareta Michna

Im Allgemeinen werden Jungvögel von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang regelmäßig in relativ kurzen Zeitabständen gefüttert. Es genügt, wenn die erste Fütterung um sechs Uhr morgens und die letzte gegen 22 Uhr am Abend erfolgt. Nur sehr junge Nestlinge, die jünger als eine Woche sind, werden auch nachts gefüttert; dann allerdings nur jede zweite Stunde.

Einige Vogelarten betteln aus Angst nicht um Futter und manche Individuen sind zu schwach dazu. Wiederum andere, zum Beispiel Sperlinge, betteln noch, obwohl sie bereits einen deutlich gefüllten Kropf haben. Außerdem betteln viele Jungvögel automatisch beim Erscheinen ihres Pflegers, ganz egal, ob sie hungrig oder satt sind. Lassen Sie sich dadurch nicht irritieren, sondern halten Sie den Fütterungsrhythmus strikt ein und geben Sie nichts zwischendurch, damit dem Vogel Ruhephasen zum Verdauen bleiben.

Noch nackte, blinde Nestlinge erhalten tagsüber viertel- bis halbstündlich Insektenbrei in winzigen Portionen. Bitte warten Sie stets, bis der Vogel die Portion abgeschluckt hat. Man kann durch die dünne Haut der Tiere sehen, wie der Brei im Hals nach unten rutscht. Die Menge wird täglich ein wenig erhöht. Etwa ab dem fünften Lebenstag können dann zusätzlich kleine ganze Heimchen oder andere Futtertiere verfüttert werden, deren Menge allmählich kontinuierlich gesteigert wird. Welche Futtertiere geeignet sind, erfahren Sie in unserer Beschreibung der Futtermittel.

Im Alter von circa einer Woche beginnen sich die Augen der meisten Jungvögel zu öffnen. Von nun an kann der Fütterungsrhythmus auf einmal pro Stunde ausgedehnt werden und zu dem der jeweiligen Art entsprechenden Futter übergegangen werden. Bereits vollständig befiederte Jungvögel werden etwa jede 60 bis 90 Minuten gefüttert, bei Rabenvögeln beträgt das Intervall 180 Minuten.

Hier kommt noch eine wichtige Faustregel: Je größer die Vogelart, umso größer die Abstände zwischen den einzelnen Fütterungen.


Die richtige Futtermenge

In der weiter unten aufgeführten Tabelle finden Sie einige Angaben zur Futtermenge pro Fütterung, die auf unseren Erfahrungen basieren. Mit „Brei“ ist unser empfohlener Insekten-Futterbrei gemeint.

1. – 5. Lebenstag 5. – 10. Lebenstag ab 10. Lebenstag
Kleine Vogelarten* 0,1 – 0,25 ml Brei 0,2 – 0,4 ml Brei plus 1 Futtertier 0,3 ml Brei plus mehrere Futtertiere
Amselgroße Vogelarten* 0,2 – 0,5 ml Brei 0,5 – 0,8 ml Brei plus 1 – 2 Futtertiere 1,0 – 2,0 ml Brei plus mehrere Futtertiere
Größere Vogelarten*** 0,3 – 0,8 ml Brei 0,7 – 2,0 ml Brei plus 2 – 5 Futtertiere 2,0 – 7,0 ml Brei oder die entsprechende Menge an Futterkügelchen plus mehrere Futtertiere

* Kleine Vogelarten: Hiermit sind Vogelarten gemeint, die ausgewachsen etwa die Größe von Meisen oder Sperlingen besitzen.

** Amselgroße Vogelarten: Hiermit sind Amseln, Drosseln und Stare gemeint.

*** Größere Vogelarten: Hiermit sind Vogelarten gemeint, die ausgewachsen größer als Drosselartige sind, bis etwa Rabenvogelgröße.

Bitte beachten Sie: Solange der Brei verfüttert wird, muss kein zusätzliches Wasser gegeben werden!