Vogelmord in Südeuropa und Nordafrika

Beitrag von Gaby Schulemann-Maier, Team Wildvogelhilfe

Jedes Jahr im Herbst stellen zahllose Jäger in Südeuropa sowie im nördlichen Afrika Vögeln nach, die in ihre rund ums Mittelmeer gelegenen oder afrikanischen Winterquartiere fliegen. Insgesamt fallen jedes Jahr mehr als 100 Millionen Vögel, darunter Greifvögel und Singvögel, den Menschen zum Opfer. Nachgestellt wird den Tieren unter anderem in Italien, Frankreich, Zypern, Malta, Ägypten und Algerien. In einigen südeuropäischen Ländern wird die Jagd betrieben, weil sie als Tradition gilt und weil es den lokalen Jägern Vergnügen bereitet, Vögel abzuschießen. Darüber hinaus gelten die meist mit Hilfe von Schlagnetzen oder anderen Fallentypen gefangenen Kleinvögel in etlichen Ländern Südeuropas als Delikatesse und bringen in Restaurants viel Geld ein.

Anders sieht die Lage im nördlichen Afrika aus, wo die Bevölkerung teils unter ärmlichen Verhältnissen lebt und mit dem Vogelfang ihren Speiseplan aufbessert. So schrecklich es auch sein mag, dass die teils selten gewordenen Singvögel gewildert werden – zumindest die Beweggründe der armen Menschen, die sich anderes Fleisch nicht leisten können, sind durchaus ein Stück weit nachvollziehbar. Der Verzehr von Singvögeln als Delikatesse sowie das bloße Abschießen aufgrund der Freude an der Jagd sind hingegen nicht nachvollziehbar – vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass ein sehr großer Teil der bejagten Vogelarten in etlichen EU-Ländern bereits seit vielen Jahren unter strengem gesetzlichem Schutz stehen. Trotzdem wird die Jagd auf Vögel beispielsweise auf Malta behördlich genehmigt und die EU billigt dieses Vorgehen gegen die Tiere, die in anderen Mitgliedsstaaten selten geworden sind und in deren Schutz dort teils immense Summen investiert werden.

Fakt ist also nach wie vor, dass vor allem in Italien, Frankreich und Malta sowie in einer Reihe nordafrikanischer Länder immens viele Vögel in illegal aufgestellte Fallen oder vor die Gewehre skrupelloser Vogeljäger geraten. Meist wird die Jagdsaison in diesen Ländern etwa Mitte September eröffnet, also wenn der Vogelzug auf seinem Höhepunkt ist. Unzählige Tiere werden erlegt, und das ohne nach Arten zu differenzieren. So werden beispielsweise auch seltene und vom Aussterben bedrohte Vögel vom Himmel geschossen, darunter unter anderem Waldrappe aus einem aufwendig betriebenen internationalen Wiederansiedlungsprojekt, siehe Bericht vom 10.10.2016: Wieder ein Waldrapp in Italien abgeschossen.

Rotmilan (Milvus milvus), © Heinz Förster
Rotmilan (Milvus milvus), © Heinz Förster

Man mag nun wütend auf jene vogeljagenden Südeuropäer und Nordafrikaner sein, weil sie sich über das Gesetz hinwegsetzen und den geschützten Tieren nachstellen. Doch man braucht gar nicht so weit gen Süden zu reisen, um ein solches verachtenswürdiges Verhalten zu erleben. Sogar bei uns in Deutschland werden illegal Vögel gejagt und getötet. Es sind vor allem Greifvögel, die dabei zu Tode kommen; Singvögel werden eher für den illegalen Handel lebend gefangen. Unter denjenigen, die unseren heimischen Greifvögeln nachstellen, befinden sich oft Jäger, die in den Greifvögeln Konkurrenten sehen, die „ihr“ Wild wegfangen. Auch unter Geflügelzüchtern gibt es immer wieder Greifvogelhasser, die ihre Zuchttiere vor den Nachstellungen durch Sperber und Co. beschützen wollen und dabei zu illegalen Vogelmördern werden. Was man unternehmen kann, wenn man den Verdacht hegt, es mit einem solchen Fall gesetzeswidriger Greifvogelverfolgung zu tun zu haben, zeigt der NABU NRW auf seiner Website: Erkennen, Bekämpfen, Verhindern – Vogelschützer stellen Leitfaden mit Tipps für Bürger, Ermittlungsbeamte und Behörden vor.

In den angegliederten Kapiteln dieses Sonderbeitrags des Wildvogelhilfe-Projekts finden Sie weitere Informationen zum Thema Vogelmord in Südeuropa und Nordafrika. Zu den einzelnen Kapiteln gelangen Sie mit Hilfe der Navigationsleiste.

Linktipp zum Thema: Fernseh- und Kinospot mit Hannes Jaenicke