So füttert man junge Tauben – die beste Fütterungstechnik

Babytaube wird per Spritze gefüttert, © Anke Dornbach
Babytaube wird per Spritze gefüttert, © Anke Dornbach

Junge Tauben sperren nicht wie andere Vogelarten von allein die Schnäbel auf, sodass die Eltern Futter hinein stopfen können. Stattdessen schieben die Jungtiere ihren eigenen Schnabel tief in den Hals der Altvögel, welche dann das Futter hervorwürgen und so an ihren Nachwuchs weitergeben. Aus diesem Grunde besitzen junge Tauben sehr weiche und teilweise auch flexible Schnäbel. Denn wäre der Schnabel einer jungen Taube hart, könnte er seine Eltern damit im Rachen verletzen.

Für Sie als Zieheltern macht es die Sache nicht einfacher, dass junge Tauben den Schnabel nicht von allein öffnen, und für Sie sind Geduld, Vorsicht und auch ein wenig Übung wichtig. Wir erläutern in diesem Kapitel, wie Sie junge Tauben am besten füttern.

Zunächst bereiten Sie bitte für die Fütterung junger Tauben eine Spritze mit Futterbrei vor. Welche Futtermittel geeignet sind, erfahren Sie im Kapitel über Futter für junge Tauben. Liegt alles für die Fütterung bereit, müssen Sie den Schnabel Ihres Pflegevogels öffnen. Dafür wird der empfindliche, verletzungsgefährdete Schnabel behutsam mit dem Daumennagel an der Schnabelspitze seitlich aufgehebelt und mit den Fingern so weit geöffnet gehalten, dass man die Spritze mit dem Brei hineinschieben kann. Für die Fütterung sehr junger oder zierlicher Tauben verwendet man am besten 1-ml-Spritzen, da diese den kleinsten Durchmesser aufweisen. Man schiebt die Spritze nun behutsam in den geöffneten Schnabel und führt sie oberhalb der Zunge so weit hinein, dass der Futterbrei in den Rachen laufen kann. Vorsichtig drückt man kleine Mengen Brei hinein und wartet, bis das Taubenbaby das Futter abgeschluckt hat, bevor die nächste Portion folgt.

Junge Stadttauben in Menschenobhut, © Aysin Matthiesen
Junge Stadttauben in Menschenobhut, © Aysin Matthiesen

Wie viel und wie oft Sie füttern, hängt jeweils vom individuellen Füllungsgrad des Kropfes ab. Tauben besitzen erheblich größere Kröpfe als beispielsweise Singvögel und müssen daher seltener als diese gefüttert werden. Ihr voller Kropf liegt wie eine Kugel vor ihnen, wenn sie gerade gefüttert worden sind. Bitte beachten Sie: Der Kropf sollte niemals zu prall gefüllt sein oder sich hart anfühlen. Vor der nächsten Fütterung sollte er deutlich weniger Futter enthalten, aber nicht völlig leer sein. Die Taube sollte in der Zwischenzeit mehrere feste Kothäufchen abgesetzt haben. Unserer Erfahrung nach sind bei sehr jungen Tauben etwa fünf Fütterungen pro Tag meist ausreichend.

Geschältes Getreide, © Anke Dornbach
Geschältes Getreide, © Anke Dornbach

Sobald das Taubenjunge etwas älter ist und die ersten Federn sprießen, wird langsam damit begonnen, zu dem Brei zusätzlich feste Nahrungsbestandteile zu verfüttern. Hierzu werden Körner einer Mehrkorngetreidemischung mehrere Stunden in Wasser eingeweicht und anschließend in einem Sieb abgespült. Die Körner müssen vollständig aufgeweicht sein, aber nicht von matschiger Konsistenz. Man verfüttert nun anfangs einmal pro Tag eine Mahlzeit aus den eingeweichten Körnern, indem man wieder den Schnabel vorsichtig öffnet und aufhält. Mit der freien Hand nimmt man zwischen Daumen und Zeigefinger einige Körner auf und schiebt diese in den Schnabel. Ein auf den Schoß gelegtes Handtuch verhindert, dass daneben fallende Körner auf dem Fußboden landen.

Von Tag zu Tag erhöht man nun langsam die Menge an eingeweichtem Getreide und reduziert gleichzeitig die Breifütterung. Nach etwa zehn Tagen wird nun vorrangig Getreide verfüttert und das Täubchen erhält nur noch morgens und abends je eine Breimahlzeit. Jetzt beginnt man damit, die Taube langsam an trockene Körner zu gewöhnen. Hierbei geht man idealerweise langsam vor, indem man täglich einige trockene Getreidekörner zufüttert und deren Anteil in den folgenden Tagen kontinuierlich erhöht. Die nur ein- bis zweimal am Tag erfolgende Breifütterung sollte jedoch aufgrund der enthaltenen Nährstoffe bis zum Schluss, das heißt bis die Taube sich selbstständig ernähren kann, beibehalten werden.

Wichtig ist nun auch: Je mehr trockene Körner verfüttert werden, umso mehr ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Diese erfolgt mit Hilfe einer mit Wasser gefüllten Spritze. An der Kotkonsistenz können Sie ablesen, ob die Nahrung zu flüssig war, denn dann sind es auch die Kotballen der Taube.

Ist die junge Taube an trockenes Körnerfutter gewöhnt und auf dem Weg in die Selbstständigkeit, kann anstelle der Getreidemischung kleinkörniges Turteltaubenfutter verfüttert werden, welches aufgrund seiner Form und Farbe junge Tauben eher zum Selbstpicken animiert als das Getreide. Auch kleine geschälte Erbsen können Sie nun zufüttern.

Junge Tauben benötigen frisches Grünzeug wie zum Beispiel Wiesenklee, © Anke Dornbach
Junge Tauben benötigen frisches Grünzeug wie zum Beispiel Wiesenklee, © Anke Dornbach

Selbst fressende Ringeltauben und Türkentauben benötigen zudem täglich Sträuße aus frischem Grünzeug. Nicht alle Türkentauben nehmen dieses Angebot an, doch sollten ihnen trotzdem stets frische grüne Triebe zur freien Verfügung stehen. Die meisten Ringeltauben sind dagegen begeistert von grünen Pflanzenteilen. Sehr beliebt ist zum Beispiel Wiesenklee beziehungsweise Futterklee. Halten Sie der Taube den Strauß dieses Grünfutters mit der Hand hin, sodass sie Teile davon abreißen und fressen kann. Oder befestigen Sie den Strauß gut am Käfiggitter. Beweglich gereichte Pflanzenteile können von der Taube nicht gut aufgenommen werden und werden daher meistens ignoriert.

Junge Tauben haben einen recht großen, breiten und wulstigen Schnabel, der recht weich ist, © Tanja Kahlert
Junge Tauben haben einen recht großen, breiten und wulstigen Schnabel, der recht weich ist, © Tanja Kahlert

Man kann in davon ausgehen, dass junge Tauben etwa dann mit dem selbstständigen Fressen beginnen, wenn unter den Flügeln die Federn zu wachsen beginnen. Es sollte von diesem Zeitpunkt an immer Futter, Wasser und Grit und bei Wildtauben Grünzeug bereitstehen.

Wer bereits ein wenig Erfahrung mit der Aufzucht von Tauben hat und abschätzen kann, wie viel Druck der Schnabel der Tiere verträgt, der kann versuchen, die beiden Schnabelhälften seitlich so zu fassen, wie es die Abbildung  zeigt. Bei Ringeltauben kann auf diese Weise ein Sperren ausgelöst werden, was jedoch sehr viel Vorsicht erfordert, um den Schnabel nicht zu verletzen.

Aus einer Birnspritze lässt sich leicht ein Hilfsmittel für die Fütterung junger Tauben basteln, © Anett Ebert
Aus einer Birnspritze lässt sich leicht ein Hilfsmittel für die Fütterung junger Tauben basteln, © Anett Ebert

Eine weitere Möglichkeit zur Fütterung von Tauben hat sich die Wildvogel-Pflegerin Anett Ebert überlegt. Sie hat in einer Apotheke eine sogenannte Birnspritze gekauft; diese Spritzen werden auch als Irrigatoren bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen Artikel aus der Medizin, der sich aber zur Fütterung junger Tauben zweckentfremden lässt. Um aus der Birnspritze ein Utensil zur Jungvogelfütterung zu basteln, zieht man das obere weiße Teil heraus und schneidet mit einer Schere etwa einen Zentimeter vom oberen Teil der „Birne“ ab. Anschließend lässt sich die Birne mit Futterbrei füllen und man kann diesen den Tauben anbieten. Anett empfiehlt eine Birnspritze mit einem Fassungsvermögen von 85 Milliliter. Je nach Hersteller kosten Birnspritzen in dieser Größe pro Stück ca. zwei bis sechs Euro. Sie lassen sich mit heißem Wasser reinigen und gegebenenfalls auch mit einem entsprechenden Desinfektionsmittel sterilisieren. Hierzu sollten Sie Ihren Apotheker befragen, er kann Ihnen sagen, welche Desinfektionsmittel für die Reinigung der Birnspritzen geeignet sind.

Haben sich die jungen Tauben erst einmal daran gewöhnt, wissen die Vögel, wie sie das Futter aus der Birne abschlucken können. Falls die Tiere nach der Fütterung am Kopfgefieder mit Brei verklebt sind, sollte man diesen vorsichtig mit einem feuchten Tuch entfernen, damit er nicht eintrocknet und lästige Krusten bildet. Meist finden die Tauben aber recht schnell heraus, wie sie den Brei zu sich nehmen können, ohne sich mit Futter zu beschmieren, sodass eine Gefiederreinigung anschließend nicht mehr nötig ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Vögel für die Fütterung nicht aus dem wärmenden Nest nehmen muss. Anett hat ein Video angefertigt, das die Fütterungstechnik zeigt, hier geht es zu dem Film bei Youtube.

Ähnlich ist die Fütterungstechnik in einem weiteren Video, das ebenfalls bei Youtube angeschaut werden kann. Hierbei wird der Futterbrei in ein kleines Glas gegeben, welches mit einem abgeschnittenen Luftballon verschlossen wird. In das Gummi des Luftballons wird ein kleines Loch geschnitten, durch welches die Tauben den Schnabel stecken und den Brei fressen können. Vorteil dieser Methode ist, dass sie der natürlichen Fütterung durch die Taubeneltern sehr nahe kommt und dass das Gefieder nicht so leicht verklebt.