Futter für junge Rabenvögel

Frisch geschlüpfte Dohlen, © Peter Höhns via naturgucker.de
Frisch geschlüpfte Dohlen, © Peter Höhns via naturgucker.de

Rabenvögel benötigen sowohl zur Aufzucht als auch im Erwachsenenalter hauptsächlich tierische Kost.
Junge Rabenvögel werden von ihren Eltern in der Natur vor allem mit Insekten, Würmern und anderen kleinen Futtertieren ernährt. Deshalb dürfen Insekten bei der Aufzucht durch Menschenhand nicht fehlen. Jedoch sollte auf die Gabe von Schnecken und Regenwürmern aus der Natur verzichtet werden, da hier eine Übertragung bestimmter innerer Parasiten oft wahrscheinlich ist.

 

Unbefiederte Nestlinge sollten Sie mit einem Insektenbrei (siehe Rezept), mit gefrosteten Insekten und mit klein geschnittenem magerem Fleisch, bevorzugt Hühnerherz füttern. Auf die Zugabe eines Mineralien- und Vitamingemischs können Sie verzichten, wenn Sie dieses schon – wie von uns an entsprechender Stelle beschrieben – in den Insektenbrei eingearbeitet haben und den Brei im Wechsel mit den anderen Futtermitteln regelmäßig verabreichen. Ansonsten ist es dringend erforderlich dem Futter ein Kalziumpräparat und Vitamine zu zu setzen. Beides ist in Korvimin ZVT (beim Tierarzt erhältlich) enthalten.
Die Konsistenz des Breis sollte so beschaffen sein, dass er sich in einer Spritze – natürlich ohne Nadel! – aufziehen lässt. Man kann auch den Kolben aus der Spritze ziehen und einen festeren Brei von hinten in die Spritze füllen. Ebenso ist es möglich, kleine Futterkügelchen aus dem Gemisch zu formen, die tief in den Rachen des Vogels geschoben werden.

Ist der Vogel bereits einige Tage alt, sollte der Anteil der festen Nahrung zunehmend erhöht werden. Neben dem vorab Genannten können auch Ei in diversen Variationen, Eintagsküken und gefrostete Mäuse in kleinen Stücken gegeben werden.

Hier folgt ein Rühreirezept, das bei vielen ausgewachsenen Rabenvögeln sehr beliebt ist:

Vier bis sechs ganze rohe Eier ohne Schale (aber bitte von glücklichen Hühnern!) mit etwas Ahornsirup oder Honig verrühren. Keine Gewürze zugeben! Das Ganze in einer beschichteten Pfanne ohne Fett oder im Mikrowellenherd stocken lassen – fertig! Vor dem Servieren unbedingt abkühlen lassen!

Als Nahrung eignet sich darüber hinaus Obst, also beispielsweise Beeren, Weintrauben, Kirschen, Bananen, geriebener Apfel, etc.

Nach der Reduzierung des Insektenbreis, dem im Idealfall bereits Ergänzungsmittel hinzugefügt worden sind, sollten Sie dem Futter abwechselnd Vitamine und Mineralstoffe, vor allem Kalzium, beimischen. Dies ist sehr wichtig, denn bei der Aufzucht von Rabenvögeln kommt es öfter als bei Jungtieren anderer Wildvogelarten zu Kalziummangel. Ein solcher Mangel kann dazu führen, dass die Knochen zu weich werden, woraus sich Fehlstellungen entwickeln (siehe auch unser Kapitel über Rachitis). Sie können diesem Problem entgegenwirken, indem Sie zerriebene, leere Schneckenhäuser unter das Futter mischen. In dieser Darreichungsform kann der Kalk und damit das Kalzium vom Verdauungstrakt eines Jungvogels besonders gut aufgenommen werden. Alternativ eignet sich ein Präparat namens Frubiase Calcium T, welches als Trinkampullen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Es ist grundsätzlich besser, Kalzium über- als unterzudosieren, da ein Überschuss vom Vogel problemlos wieder ausgeschieden wird.

Bei der Fütterung von Fleischstücken benötigen die Vögel außerdem einige Tropfen Wasser direkt im Anschluss an die Fütterung. Bitte achten Sie darauf, dass die Flüssigkeit nicht in die Luftröhre gelangt! Am besten geben Sie das Wasser vorsichtig seitlich an den Schnabelrand. Es rinnt dann von selbst in den Schnabel und der Vogel kann es gefahrlos schlucken, ohne es einzuatmen.

Tote Mäuse sind wichtige Futtertiere für Greifvögel und Eulen, © Bergische Greifvogelhilfe
Tote Mäuse sind wichtige Futtertiere für Rabenvögel, Greifvögel und Eulen, © Bergische Greifvogelhilfe

Ab dem Alter von ca. 14 Tagen sind Gewölle bildende Stoffe, zum Beispiel Fell oder Federn, für die Verdauung junger Rabenvögel notwendig und sollten gelegentlich unter das Futter gemengt werden. Den selben Zweck erfüllen tote Futtertiere. Zusätzlich kann man Eifutter geben, denn es regt ebenfalls die Gewöllebildung an.

Je nach Rabenvogelart unterscheiden sich die Geschmäcker übrigens erheblich. Dohlen bevorzugen in der Regel eher die süßen Speisen, Saatkrähen eher die Getreidevarianten und Rabenkrähen eher die Fleischvarianten. Probieren Sie aber bitte all die genannten Futtermittel bei Ihren Pfleglingen aus. Die Kost sollte möglichst vielseitig und ausgewogen sein.

Ist der Jungvogel zum Ästling geworden, trägt er also am gesamten Körper sein volles Gefieder, muss nun zusätzlich zur „Zwangsfütterung“ ein Napf bereitgestellt werden, damit der Vogel das selbstständige Picken lernt. Spätestens jetzt muss man auch Lebendfutter reichen, damit der Vogel zum eigenständigen Fressen animiert wird und sich an die Lebendbeute gewöhnt, die später in der Natur einen Großteil seiner Nahrung ausmachen wird. Geeignet sind beispielsweise Mehlwürmer. Darüber hinaus benötigt das Tier einen Wassernapf und eine Badegelegenheit. Letztere ist besonders wichtig, damit der Körper der Vögel dazu angeregt wird, Gefiederfett zu bilden, das von den Rabenvögeln mit den Schnäbeln wie ein natürliches Imprägniermittel auf das Gefieder aufgetragen wird.

Sobald Rabenvögel die Nahrung selbst zu sich nehmen, sollte ihnen Grit in einem Napf angeboten werden. Diese kleinen Steinchen sind im Zoofachhandel erhältlich und die Rabenvögel benötigen sie für ihre Verdauung – sie sind gewissermaßen natürliche Mahlsteine. Zu allen zuvor genannten Futtermitteln können Sie den Vögeln zusätzlich ungesalzene Erdnüsse, Walnüsse, Sämereien, Haferflocken, handelsübliches Weichfutter und Insektenfutter reichen.

Diese junge Dohle kann sich vor lauter Leckereien nicht entscheiden © Dagmar Offermann
Diese junge Dohle kann sich vor lauter Leckereien nicht entscheiden © Dagmar Offermann

Lesen Sie bitte außerdem unsere Informationen über Futtertiere, um sich ein detailliertes Bild über die einzelnen Futterinsekten zu machen.