Rezepte für selbst gemachtes Fettfutter

Fettfutter für Wildvögel lässt sich leicht selbst machen, © Gaby Schulemann-Maier
Fettfutter für Wildvögel lässt sich leicht selbst machen, © Gaby Schulemann-Maier

Wer nicht auf fertiges Vogelfutter aus dem Supermarkt oder aus dem Fachhandel zurückgreifen möchte, kann selbst mit relativ wenig Aufwand Nahrung für die einheimischen Wildvögel zubereiten. Vor allem für Kinder ist es ein spannendes Erlebnis, eigenes Futter für Wildvögel herzustellen und dieses dann später im Garten oder auf dem Balkon zu verfüttern. Es ist wichtig, Kindern dabei genau zu erläutern, weshalb man bestimmte Futtermittel verwenden darf und andere nicht. So entwickeln Heranwachsende ein besseres Verständnis für die Vogelwelt und die Natur im Allgemeinen.

Bei der Eigenherstellung eigener Vogelfuttermischungen sollten Sie eine entscheidende Grundregel auf keinen Fall vergessen: Einheimische Wildvögel dürfen niemals mit salzigen oder verdorbenen Speisen gefüttert werden! Deshalb sollten Sie auch mit dem Verfüttern von Brotresten extrem vorsichtig sein. Diese spielen in einer artgerechten Wildvogel-Ernährung keine Rolle und sollten tabu sein. Bitte verfüttern Sie lieber arttypisches Futter, die einheimische Vogelwelt wird es Ihnen danken!

Wie groß die Rolle des Fettfutters an kalten Tagen für die einheimischen Wildvögel ist, belegt inzwischen auch eine wissenschaftliche Untersuchung, siehe Link.

Fettfutter-Grundrezept

Haferflocken und Sonnenblumenöl - mehr braucht man nicht für die Herstellung ganz einfachen Fettfutters für Wildvögel, © Gaby Schulemann-Maier
Haferflocken und Sonnenblumenöl – mehr braucht man nicht für die Herstellung ganz einfachen Fettfutters für Wildvögel, © Gaby Schulemann-Maier

Einfaches Fettfutter lässt sich aus Vollkornhaferflocken oder Mehrkornflocken und Sonnenblumenöl herstellen. Mischen Sie die Getreideflocken mit ein wenig Öl oder Pflanzenfett, sodass sich diese voll saugen können. Falls Sie mögen, können Sie der Mischung auch Weizenkleie hinzufügen. Die Getreideflocken erhalten Sie im Reformhaus, in gut sortierten Drogeriemärkten oder in Bioläden sowie in manchen Supermärkten.

Bei dieser sehr simplen Herstellungsmethode bleibt allerdings ein großer Teil des Öls nur an der Oberfläche der Flocken haften, was zwar den gewünschten Effekt hat, dass den Vögeln über das gewalzte Getreide viel Energie zugeführt wird. Kommt es aber unter den Tieren am Futterplatz zu Gerangel um die Nahrung, kann es geschehen, dass sich manche Vögel das Gefieder mit dem Öl verschmutzen.

Abhilfe schafft hier eine zweite Methode der Fettfutterherstellung, die ein wenig aufwendiger ist. Geben Sie das Öl oder Pflanzenfett in eine Pfanne, erhitzen Sie es leicht und fügen Sie anschließend die Getreideflocken und gegebenenfalls die Weizenkleie hinzu. Braten Sie diese Mischung vorsichtig an. Die Körner sollten nicht braun werden, sondern sich lediglich durch die Hitzeeinwirkung mit dem Öl voll saugen. So haftet weniger Fett an der Oberfläche, was zudem für eine bessere, weniger klebrige Konsistenz des Fettfutters sorgt.

Nach dem Abkühlen können Sie die Mischung sofort verfüttern. Sie können das Futter in kleinen Näpfen anbieten, die Sie unbedingt am Abend reinigen sollten. Aus Hygienegründen wäre es schlecht, das Futter einfach auf den Boden zu streuen, da es dort nass werden und dadurch schnell verderben könnte.

Dieses selbst zubereiteten Futter wird normalerweise von den Vögeln ausgesprochen gern angenommen. Das heißt, Sie werden höchstwahrscheinlich rasch ein gut besuchtes Vogelrestaurant in Ihrem Garten oder auf dem Balkon haben, wenn Sie den Tieren diesen vergleichsweise leicht herstellbaren Leckerbissen servieren. Neben dem hier beschriebenen Fettfutter fressen einheimische Wildvögel auch gern die im Handel oftmals für wenig Geld angebotenen Flomenkugeln.

Wichtiger Hinweis: In einer luftdichten Dose im Kühlschrank aufbewahrt, bleibt Fettfutter rund eine Woche frisch; selbstverständlich können Sie das Futter auch einfrieren, dann hält es sich einige Monate. Nur tauen Sie es unbedingt vor dem Verfüttern ganz auf. Ist das Futter kühl, lässt es sich nicht unbedingt leicht in kleinen Mengen entnehmen. Hilfreich kann deshalb die Verwendung eines Eiskugel-Portionierers sein.

Bitte verwenden Sie stets einwandfreie Zutaten bei der Herstellung der Fettfutterflocken. Ranziges Fett oder alte Getreideflocken können bei Wildvögeln zu schweren Verdauungsstörungen mit Todesfolge führen! Außerdem muss das Gefäß, in dem den Vögeln das Futter gereicht wird, täglich unter heißem Wasser gründlich gereinigt werden. Ranzige Fettreste, die am Gefäß haften, verursachen sonst die oben beschriebenen Gesundheitsbeschwerden bei den Tieren.


Fettfutter-Kuchen

Für die Herstellung eines energiereichen, gehaltvollen Futterkuchens benötigen Sie folgenden Zutaten:

3 Eier (von glücklichen Hühnern!)
500 g Magerquark
400 bis 500 g Pflanzenfett oder eine entsprechende geringere Menge Öl
ca. 100 g Rosinen ungeschwefelt
ca. 250 g gehackte Nüsse
ca. 300 g Haferflocken
ca. 100 g bis 150 g Mehl

Vermengen Sie die oben genannten Zutaten und backen sie den Kuchen je nach Größe der Form bei 180 Grad. Je nach Ofen, kann das Backen zwischen 15 und 30 Minuten dauern, der Kuchen sollte außen leicht bräunlich und innen fest verbacken sein. Selbstverständlich kann man die Zutaten variieren. Die Form, in der Sie den Kuchen zubereiten, sollte unbedingt einen hohen Rand aufweisen, damit kein Fett in den Backofen läuft. Wird anderes Fett verwendet, ist dieser Effekt nicht so stark, außerdem ist die Konsistenz des fertigen Kuchens dadurch fester. Verfüttern Sie den Kuchen rasch, damit er nicht ranzig werden kann. Reste bleiben im Kühlschrank einige Tage frisch. Auch können Teile des Kuchens eingefroren werden, sie sind im Tiefkühlschrank sechs bis acht Monate haltbar.

Dieses Rezept stammt von der erfahrenen Vogelpflegerin Ingrid Roeschke und wir möchten uns bei ihr an dieser Stelle herzlich für diesen Tipp bedanken!


Kraftfutter für allerlei Vogelarten

Eichelhäher an selbst gemachtem Fettfutter, © zinka / Pixabay
Eichelhäher an selbst gemachtem Fettfutter, © zinka / Pixabay

Im Heft 01/09 der informativen Fachzeitschrift Vögel – Magazin für Vogelbeobachter hat der Ornithologe Dr. Martin Kraft einen Artikel verfasst, in dem er die Zubereitung eines Kraftfutters für allerlei Vogelarten beschreibt. Der damalige Herausgeber des Magazins, Thomas Griesohn-Pflieger, hat freundlicherweise erlaubt, dass der Artikel an dieser Stelle als PDF-Dokument veröffentlicht werden darf. Vielen Dank dafür! Wer den im Originalrezept angegebenen Rindertalg gern durch ein pflanzliches Produkt ersetzen möchte, kann problemlos mit Pflanzenfett arbeiten. Das Futter findet laut der Erfahrung eines Wildvogelhilfe-Team-Mitglieds bei vielen Vogelarten reißenden Absatz, Martin Kraft verspricht in seinem Artikel demnach nicht zu viel.

Nach Erfahrungen des Wildvogelhilfe-Teams sollten jedoch die im Rezept angegebenen hart gekochten Eier weg gelassen werden, da diese meistens nicht gerne gefressen werden und schnell verderben können, wenn sie länger der Sonne ausgesetzt sind.
Durch den Fermentierungsprozess ist der Lactosegehalt in Quark sehr gering, weshalb dieser von Vögeln, die ansonsten generell keine Milchprodukte wegen der darin enthaltenen Lactose bekommen sollten, hier kein Problem darstellt. Wer dennoch Zweifel hegt, kann auf lactosefreien Quark zurück greifen, den man mittlerweile in den meisten Supermärkten erhält.


Selbst gemachte Meisen-Futterglocken und Co.

Blaumeise an einer Futterglocke, © Gaby Schulemann-Maier
Blaumeise an einer Futterglocke, © Gaby Schulemann-Maier

Vor allem Meisen lassen sich von leckerem Fettfutter gern locken, das sich leicht selbst herstellen lässt. Der Grundstoff des Meisenfutters ist beispielsweise Pflanzenfett. Erhältlich ist das Fett in Supermärkten oder Bioläden. Ferner benötigen Sie Körner und Saaten, die Sie im Zoofachhandel sowie im Reformhaus oder Bioladen, aber auch bei Vogelfutterspezialhändlern kaufen können. Besonders gut geeignet sind geschälte sowie ungeschälte Sonnenblumenkerne, Hanf (entweder geschält oder ungeschält), Mohn, Haferflocken (am besten Vollkorn) sowie Weizenkleie. Wahlweise können Sie auch Weizen-, Gersten- oder Dinkelflocken zur Mischung hinzufügen. Wer mag, kann außerdem zerbrochene, ungesalzene Nüsse in die Futtermischung geben. Beliebt sind nicht nur Wal- oder Haselnüsse, sondern auch Erdnüsse. Und das, obwohl sie botanisch gesehen keine echten Nüsse sind, sondern die Früchte von Hülsenfrüchtlern. Doch so oder so sind sie bei Wildvögeln als Futtermittel sehr beliebt.

Für die Herstellung einer Futterglocke benötigen Sie einen Blumentopf oder die Schale einer halbierten Kokosnuss. Außerdem ist ein Seil vonnöten, zum Beispiel chemisch unbehandeltes Jutegarn, das später zum Befestigen der Futterglocke verwendet wird. Zum Befüllen eines solchen mittelgroßen Blumentopfes sind rund 100 Gramm Pflanzenfett nötig. Das Fett erhitzen Sie in einem Topf, bis es komplett geschmolzen ist, aber nicht kocht.

Geben Sie mindestens 100 Gramm Körner in das geschmolzene, nicht kochende Fett, besser wären 150 Gramm. Je mehr Körner Sie in die Mischung geben, desto lockerer wird sie im erkalteten Zustand. Sollten Ihnen zu viele Körner in den Topf gefallen sein, können Sie die Masse durch das Hinzufügen einiger Löffel Speiseöl (zum Beispiel frisches, nicht ranziges Sonnenblumenöl) oder aber durch zusätzliches Pflanzenfett retten.

Lassen Sie das Gemisch nun ein wenig abkühlen und gießen Sie es in den Blumentopf, durch dessen unteres Loch Sie zuvor das Seil gezogen und es an beiden Seiten des Loches fest verknotet haben. Ziehen Sie am Seil, während Sie die Körner-Fett-Masse in den Blumentopf geben, damit es später beim Straffen nicht das Futter herausreißt. Sobald die Masse hart geworden ist, können Sie am losen Ende des Seiles, also in der Nähe der Oberfläche der Futtermischung, einen kurzen Naturast so anbringen, dass sich die Vögel daran festhalten und von dort aus an das Futter gelangen können. Selbstverständlich können Sie auch versuchen, einen Naturast durch das Loch im Blumentopf zu stecken, der so lang sein sollte, dass er den Tieren Halt bietet. Bringen Sie die Futterglocke dann an einem schattigen Platz und nach Möglichkeit an einem stabilen Ast in Ihrem Garten an. Sie sollte deshalb im Schatten aufgehängt werden, damit die Sonne das Futtergemisch nicht schmelzen kann. Der Befestigungsknoten am Ast muss sehr fest sein, damit er sich nicht mit der Zeit löst, weil die Vögel die Futterglocke durch ihr Gerangel um Nahrung ständig in Bewegung halten.

Fettfutter im Anzuchtblumentopf, © Sabine Jacob
Fettfutter im Anzuchtblumentopf, © Sabine Jacob

Tipp: Anstelle von Blumentöpfen aus Ton lassen sich auch Anzuchtblumentöpfe ideal zur Herstellung von Futterglocken verwenden. Diese Töpfe sind aus einem saugfähigen Material hergestellt, dass ein wenig Fett aufnimmt und an dem die Futtermischung gut klebt. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie anschließend gut durchgefettet sind und somit auch bei Regen draußen nicht durchnässen. Bei Bedarf kann der Anzucht-Blumentopf ganz einfach aufgeschnitten und entfernt werden, übrig bleibt ein Fettfutterklotz. An ihm lassen sich wie oben beschrieben natürlich auch Äste anbringen, damit die Vögel einen Ansitz haben. Weil die Anzuchtblumentöpfe und ein daran befestigter Ast relativ leicht sind, lassen sie sich meist problemlos im Gebüsch „aufhängen“. So können die Vögel von natürlichen Sitzplätzen aus das Futter zu sich nehmen. Die Tiere haben meist keine Probleme damit, die Töpfe seitlich aufzupicken. Wenn im Gebüsch Teile der Töpfe herunterfallen, so ist dies normalerweise nicht weiter schlimm, denn sie zersetzen sich relativ rasch.

Selbst gemachtes Fettfutter in Anzuchtblumentöpfen im Gebüsch, © Sabine Jacob
Selbst gemachtes Fettfutter in Anzuchtblumentöpfen im Gebüsch, © Sabine Jacob

Der Tipp, Anzuchtblumentöpfe zu verwenden, stammt von der Vogelfreundin Sabine Jacob. Erhältlich sind diese Töpfe im Gartenfachhandel oder in Gartencentern. Wichtig ist es aber, Anzuchtblumentöpfe auf Basis von Kokosfasern und ohne Torfanteil zu verwenden. Ob Stoffe aus dem Torf ins Fettfutter übergehen, dürfte zwar nur schwer nachzuweisen sein. Aber um alle Eventualitäten auszuschließen, sind die Anzuchttöpfe aus reinen Naturfasern sicherheitshalber zu bevorzugen.

Wenn Sie lieber Meisenzylinder oder -knödel herstellen möchten, können Sie dies natürlich auch tun. Für die Herstellung von Knödeln lassen Sie die Futtermasse so weit abkühlen, dass Sie sie mit den Händen formen können. Um sich klebrige und fettige Hände zu ersparen, sollten Sie die leicht abgekühlte Masse in einen Gefrierbeutel füllen und auch in diesem formen (von außen). Arbeiten Sie in die Knödel gleich auch jeweils ein Seil ein, um sie später problemlos aufhängen zu können. Sobald die gewünschte Form erreicht ist, lässt man die Masse am besten etwa einer Stunde im Tiefkühlschrank aushärten.

Selbst hergestellte Knödel sollten wie die im Handel erhältlichen „Vettern“ in einem Netz gereicht werden, damit sie nicht sofort zerfallen, wenn sich einige hungrige Meisen an ihnen gütlich tun. Beachten Sie zu Meisenknödeln bitte auch unseren unten vermerkten Sicherheitshinweis.

Meisenringe können Sie übrigens mit Hilfe von zusammengeklebten Pappringen herstellen. Auch Meisenzylinder sind bei den Vögeln beliebt. Hierfür können Sie leere Toilettenpapierrollen oder zerteilte leere Küchenpapierrollen mit der Futtermasse befüllen und beispielsweise auf Äste spießen. Wer mag, kann auch einen langen Schaschlikspieß durch die noch warme Fettfuttermaße stechen. An dem Spieß kann später der ausgehärtete Futterklotz befestigt werden. Wenn sie mögen, können Sie bei der Herstellung natürlich auch gleich ein Seil mit einarbeiten und die Zylinder später aufhängen. Vor dem „Servieren“ sollten Sie im unteren Bereich des Zylinders vorsichtig ein wenig Pappe entfernen, damit die Vögel gleich eine Angriffsfläche am Futtergemisch vorfinden. Später klauben sie die begehrten Körnchen und das Fett dann aus dem Pappzylinder heraus.

Sollte Ihnen dies alles zu umständlich sein, bietet sich außerdem die Möglichkeit, die Fettfuttermasse auf Baumstämme und Äste zu streichen. Dort werden Vögel wie Meisen oder Kleiber rasch fündig, ohne dass Sie komplizierte Aufhängungen für Futterglocken und Co. basteln müssen. Denken Sie daran, dass die bestrichenen Stellen nicht ständig der Sonne ausgesetzt sein sollten, damit die Futtermasse nicht gleich abschmelzen kann, sobald das Wetter ein wenig wärmer wird.

Achtung: Das Wildvogelhilfe-Team hat erfahren, dass sich zwei Meisen in einem Netz eines Meisenknödels mit den Füßen verfangen haben; eine der Meisen ist daduch zu Tode gekommen. Da sich solche Unfälle offenbar durchaus ereignen können, sollten Meisenknödel regelmäßig überprüft werden. Wer den Eindruck hat, die Tiere könnten eventuell mit den Füßen hängen bleiben, der sollte sicherheitshalber die Meisenknödel in speziellen Drahtkörben und ohne Kunststoffnetz servieren. Diese Fettfutter-Drahtkörbe sind im gut sortierten Fachhandel, zum Beispiel bei Vivara, erhältlich. Sie haben den Vorteil, dass man sie auch mit selbst gemachtem Fettfutter befüllen kann.
Achtung: In Zeiten der Vogelgrippe fragen sich viele Menschen, ob es eventuell gefährlich ist, einen Vogelfutterplatz zu betreiben. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat hierzu im November 2016 eine Stellungnahme veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Fütterung unproblematisch ist: Vogelgrippe und Winterfütterung: Keine Panik! – Die Vogelgrippe ist nicht gefährlich für Gartenvögel.