Unterbringung von Nestlingen

Etwa sieben Tage alte Mönchsgrasmücke, © Anett Ebert
Etwa sieben Tage alte Mönchsgrasmücke, © Anett Ebert

Bei der Wahl der passenden Unterbringung für Vogelküken – manche Leute schreiben fälschlicherweise auch Vogelkücken -, ist es von Bedeutung, ob es sich bei dem gefundenen Tier um einen Nestling oder um einen bereits ausgeflogenen Ästling handelt. Nackte oder wenig befiederte Vögel brauchen (Nest-)Wärme und eine hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 50 bis 60 %), wohingegen bereits vollständig befiederte Jungvögel ihre Körpertemperatur meist schon recht gut aufrecht erhalten können. Somit ist das Alter des Jungvogels ein entscheidendes Kritierum für die Unterbringung und die gegebenenfalls in deren Nähe anzubringende Wärmequelle.

Eine Schachtel als Ersatznest für befiederte Amselnestlinge, © Anke Dornbach
Eine Schachtel als Ersatznest für befiederte Amselnestlinge, © Anke Dornbach

Man kann den Fundvogel je nach Körpergröße in ein Körbchen oder eine kleine Schachtel setzen, die mit wärmenden Stoffresten – gut sind ausgediente, warme Wollsocken – weich ausgepolstert ist. Watte ist nicht zu empfehlen, da ein versehentliches Schlucken der Wattefasern bei den Jungvögeln im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führen kann. Außerdem können sich die Vogelküken mit ihren Krallen in der Watte verfangen, sich Zehen abschnüren oder sich daran gar strangulieren.

Sehr gut eignen sich besonders für wenig befiederte Nestlinge gehäkelte Ersatznester aus Wolle. Man kann diese selbst herstellen, wobei wichtig ist, dass sie aus Filzwolle gehäkelt und anschließend in der Waschmaschine verfilzt werden. Filzwolle ist reine Schurwolle. Sie ist atmungsaktiv und hält warm.
Filznester lassen sich auf einfache Weise selbst herstellen.

Fertig gehäkelte Nester vor dem Filzvorgang, © Anke Dornbach
Fertig gehäkelte Nester vor dem Filzvorgang, © Anke Dornbach

Aus Resten von Filzwolle häkelt man am Boden in der Mitte beginnend Nester in verschiedenen Größen, die alle etwa die gleiche Grundform (siehe Abbildung rechts) aufweisen. Die Höhe sollte ungefähr 2 cm mehr betragen als die Breite im flach hingelegten Zustand. Die Nester auf der Abbildung haben beim größeren Nest links auf der Abbildung eine Breite von 20 cm und eine Höhe von 22cm, beim kleineren Nest beträgt die Breite 16 cm und die Höhe 18cm.

Wenn die Nester fertig gehäkelt und die Fäden vernäht sind, gibt man sie in die Waschmaschine, zusammen mit alten Frotteehandtüchern und einem gängigen Vollwaschmittel (ohne Weichspüler) und wählt ein 60 Grad -programm, welches ungefähr zwei Stunden dauern sollte (kein Schnell- oder Schonprogramm), mit hoher Umdrehungszahl beim Schleudervorgang.
Nach dem Waschen werden die gefilzten Nester von Hand in Form gezogen und an der Luft ausgebreitet getrocknet. Sie schrumpfen dabei ungefähr um 15 bis 20 Prozent, das heißt, das größere Nest auf der Abbildung oben ist nun nur noch 17 cm breit und 19 cm hoch, das kleinere ist nach dem Filzen etwa 14 cm breit und 16 cm hoch. Sind die Nester getrocknet, so wird der Rand zweifach, bei größeren Nestern dreifach umgeschlagen, da nur so eine ausreichende Stabilität gewährleistet ist.

In das Nest legt man ein weiches Tuch, Papiertaschentuch oder Toilettenpapier, welches nach jedem Kotabsetzen zu wechseln ist. Dies ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sondern es soll auch verhindern, dass die Jungvögel mit ihren Krallen hängen bleiben und sich dadurch verletzen können.

Beinfehlstellung bei jungem Haussperling, © Stefan und Birgitt Sattler
Beinfehlstellung bei jungem Haussperling, © Stefan und Birgitt Sattler

Im Nest sollte dem Nestling nicht zuviel Platz zur Verfügung stehen. Auch in der Natur geht es im Nest meistens sehr beengt zu. Diese Enge ist jedoch wichtig, um Fehlstellungen der Beine zu vermeiden. Weil er nicht genügend Halt zum Anlehnen findet, versucht der Nestling, das Gleichgewicht durch eine Grätschhaltung seiner Beine zu finden. Wenn Sie nur einen Nestling im Nest zu versorgen haben, sollte der überschüssige Platz zum Beispiel durch ein zusammen geknülltes Papiertaschentuch gefüllt werden.

Die Luftfeuchte lässt sich erhöhen, indem Sie feuchte Tücher zusammenrollen und um das Nest herum drapieren. Nest und feuchtes Tuch sollten zusammen in ein Behältnis gestellt werden, damit die Wärmequelle auch das Wasser zum Verdunsten bringen kann. Auch feuchtes Zeitungspapier erfüllt diesen Zweck.

Wärme ist überlebenswichtig für Nestlinge. Sie muss möglichst konstant bei 32 bis 35 Grad Celsius bleiben und darf den Vogelkörper nicht austrocknen. Geeignet sind hier zum Beispiel Wärmflaschen mit warmem (nicht heißem) Wasser, Körner- oder Kirschkernkissen, Taschenwärmer, Heizmatten für Terrarientiere oder ein so genanntes Snugglesafe. Dieses hat den Vorteil, dass es bis zu acht Stunden lang warm halten kann. Bitte denken Sie daran, dass Wärmequellen regelmäßig gewärmt werden müssen (auch nachts!). Infrarotstrahler, also handelsübliche Rotlichtstrahler, erzeugen häufig eine zu hohe Temperatur und trocknen den kleinen Vogelkörper aus. Solche Lampen sollten deshalb ausschließlich in Ausnahmefällen und überdies nur von fachkundigen Vogelpflegern verwendet werden! In keinem Fall darf ein Ultraviolettstrahler verwendet werden, da er schwere Verbrennungen hervorruft.

Ideal ist ein spezieller Brutkasten (Inkubator) , den man auch kostengünstig selbst bauen kann. Für Vogelpfleger, die regelmäßig größere Mengen an Jungvögeln pflegen, eine sinnvolle Investition.
Wir zeigen Ihnen hier, wie ein solcher Brutkasten aus einer handelsüblichen Kükenwärmeplatte gebaut wurde.

Die Seitenwände und der Boden wurden aus abwaschbaren, hellen Kunststoffplatten zurecht gesägt und mit passenden Holzleisten miteinander verschraubt. In die Seitenteile wurden Lüftungsrosetten eingefügt, um eine ausreichend Luftzirkulation zu gewährleisten. Die Fronttür ist aus Plexiglas gefertigt, um freie Sicht in den Brutkasten zu haben. Bevor die Nester hinein gestellt werden, regelt man mit Hilfe des Thermostats und eines Thermometers die Temperatur im Innern. Sie sollte etwa bei 30 bis 35 Grad Celsius liegen, für noch unbefiederte Jungvögel höher, bei vollständiger Befiederung niedriger. Die Luftfeuchtigkeit sollte ebenfalls geprüft werden. Es genügt, wenn ein feuchter Lappen zusammengerollt mit in den Kasten gelegt wird, welcher regelmäßig gewechselt wird.
Auf den Boden des Brutkastens legt man ein Handtuch und stellt dann die Nester mit den Jungvögeln darauf. Bevor Sie den jungen Vogel nun in sein neues Ersatznest setzen, prüfen Sie unbedingt mit einem Thermometer die Temperatur an genau jener Stelle, an der später der Vogel sitzen wird. Sie sollte etwa 32 bis 35°C betragen.
Auch schon befiederte Jungvögel sind nachts im warmen Brutkasten gut aufgehoben, was sich besonders für empfindliche Meisen bewährt hat. Ebenso schwache und kranke Vögel sollten so lange wie möglich im warmen Brutkasten untergebracht werden.

Eine kleine Transportbox für Heimtiere ist eine gute Unterbringung für junge Wildvögel, © Monika Löffler-Frierich
Eine kleine Transportbox für Heimtiere ist eine gute Unterbringung für junge Wildvögel, © Monika Löffler-Frierich

Ansonsten sind beispielsweise kleine Isoliertaschen oder Styroporboxen geeignet, die natürlich genügend Luftzufuhr gewährleisten müssen. Verschließen Sie die Unterbringung also niemals luftdicht, weil der Jungvogel sonst rasch ersticken würde!

Gute Dienste leistet für die Unterbringung von Nestlingen auch eine Transportbox für Kleinnager mit einem Wärmekissen,  Snugglesafe (einem Heizkissen für kleine Hunde, welches in der Mikrowelle erwärmt wird), oder einer kleinen Wärmflasche darin. Eine solche Box hat den Vorteil, dass sie sich bei Bedarf mitnehmen und transportieren lässt.

Bei der Standortwahl sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

Das Nest mit Jungvögeln sollte möglichst ruhig und zugfrei platziert sein, am besten ein wenig benutzter Raum ohne laufenden Fernseher. Die Küche scheidet ebenfalls aus, da es hier zu giftigen Dämpfen (z.B. erhitztes Teflon) oder Gerüchen kommen kann, die dem Vogel schaden können.
Eventuell vorhandene Haustiere dürfen nicht in Kontakt mit den Vögeln kommen können.
Selbstverständlich ist auch Tabakrauch schädlich und sollte unbedingt vermieden werden.