Uhu – Vogel des Jahres 2005

Beitrag von Gaby Schulemann-Maier, Team Wildvogelhilfe, Oktober 2004; überarbeitet im April 2016

Uhu, © wensbos / Pixabay
Uhu, © wensbos / Pixabay

Nur wenige Menschen gelingt in freier Natur je die Beobachtung eines Uhus, der größten in Europa heimischen Eulenart. Dies liegt nicht nur an der nächtlichen Lebensweise dieser Vögel und daran, dass er für gewöhnlich in etwas entlegeneren Gebieten lebt. Auch die Tatsache, dass es nur relativ wenige dieser schönen Vögel gibt, trägt mit dazu bei. Doch alles in allem ist die Bestandsentwicklung dieser faszinierenden Vogelart positiv. Lernen Sie den Uhu in unserem Beitrag kennen.

Wie schon seit 1971 üblich, hat der NABU gemeinsam mit dem LBV auch für das Jahr 2005 wieder einen Vogel des Jahres gekührt – in diesem Fall den Uhu. Der letzte Vertreter aus dem Reich der Eulen, der zum Jahresvogel ernannt worden ist, war im Jahre 1972 der Steinkauz. Mit dem Uhu haben die Kampagnenausrichter einen Vogel ausgewählt, der in Deutschland einst nahezu vollständig aus seinem Lebensraum verschwunden war. Durch konsequente Schutzbemühungen ist die Zahl der frei lebenden Uhus inzwischen glücklicherweise wieder angestiegen, was nicht nur dem Arten-, sondern auch dem Lebensraumschutz zu verdanken ist. Denn wo keine urtümlichen Felsenlandschaften sind, können Uhus nur schwer ein Auskommen finden. Deshalb ist es umso wichtiger, die Gegenden, die potenziell als Brutplätze in Betracht kommen, zu schützen.

Ein Uhu in seinem natürlichen Lebensraum, © Magnus Larsson via Flickr
Ein Uhu in seinem natürlichen Lebensraum, © Magnus Larsson via Flickr

Die meisten Menschen glauben, Eulenvögel seien Waldbewohner. Dies trifft im Fall des durchschnittlich 61 cm großen Uhus nicht zu. Diese in weiten Teilen Europas heimische Eule, die an ihren charakteristischen Federohren und der stattlichen Größe zu erkennen ist, brütet vor allem in Felsen sowie in Steinbrüchen. Hierzulande lebten Schätzungen zufolge im Jahr 2004 etwa 850 Paare dieser „Könige der Nacht“, im Jahr 2008 sollen es circa 1.500 Brutpaare gewesen sein, siehe Link. In den Mittelgebirgen Süd- und Westdeutschlands, in den Alpen und in Schleswig-Holstein liegen die Gebiete mit der größten Uhudichte. Doch auch in anderen Gegenden kommen die großen Vögel vor, sie leben beispielsweise in der Eifel.

Als Uhu lebt man mit einer Flügelspannweite von durchschnittlich 157 cm (Männchen) beziehungsweise 168 cm (Weibchen) sehr gefährlich. Viele Todesfälle unter Uhus sind an ungesicherten Mittelspannungsmasten zu beklagen. Aber auch der Verlust von Lebensräumen in Steinbrüchen sowie Störungen an den Brutplätzen durch Kletterer oder neugierige Spaziergänger sowie Fotografen gehören zu den gewichtigsten Gefährdungsfaktoren.


Steckbrief des Uhus

Uhu im Porträt, © Sonja Pauen via Flickr
Uhu im Porträt, © Sonja Pauen via Flickr

Wissenschaftlicher Name: Bubo bubo

Größe: durchschnittlich 61 cm

Gefieder: In hellen und dunklen Brauntönen gemustert. Außerdem tragen Uhus einen weißen Kehlfleck, der nur bei rufenden Tieren sichtbar ist.

Augenfarbe: Orange bis gelb, die Färbung ist abhängig von der Ernährung. Je mehr Karotin in der Nahrung enthalten ist, desto stärker ist der Orangeton ausgeprägt.

Lautäußerungen: Uhus geben mehrere verschiedene Laute von sich. Der bekannteste Laut ist der weittragende Balzgesang, also das zweisilbige „buhoo“ des Männchens und das hellere „uhju“ des Weibchens. Zahlreiche Klangbeispiele dieser Vogelart gibt es auf Xeno-Canto.org.

Nahrung: Das Beutespektrum des Uhus reicht von Feldmäusen, Ratten und Igeln über Feldhasen und Kaninchen bis zu Vögeln von Singvogel- bis Bussardgröße. Gelegentlich erbeuten Uhus Fische oder Amphibien.

Fortpflanzung: Während der Herbstbalz im Oktober und November finden sich die Paare. Gebrütet wird für gewöhnlich im März, manche Paare beginnen bereits im Februar mit der Brut. Meist besteht das Gelege aus drei, in seltenen Fällen aus vier oder fünf Eiern. Die Brutdauer beträgt etwa 35 Tage; einige Literaturquellen geben 32 bis 36 Tage an, manche sogar bis 37 Tage.

Junger Uhu, © Jan Ebert
Junger Uhu, © Jan Ebert

Entwicklung der Jungtiere: Im Alter von rund zehn Wochen sind die Jungtiere flugfähig. Sie verlassen den Horst aber bereits einige Wochen zuvor und halten sich dann in der Nähe des Brutplatzes auf. Die Eltern füttern ihre Jungen außerhalb des Horstes sogar nach dem eigentlichen Flüggewerden noch. Etwa im August erreichen die Jungtiere die volle Selbstständigkeit.

Lebensraum: Uhus gehören unter den Vögeln zu den sogenannten Offenlandjägern, das heißt, sie benötigen offene, reich gegliederte Kulturlandschaften. Besonders gern halten sich die Vögel in Bereichen mit einem kleinräumigen Mosaik aus verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzungsformen, Hecken und Feldgehölzen auf. Ausgedehnte Waldgebiete und Agrarsteppen werden hingegen von Uhus gemieden. Zur Aufzucht ihres Nachwuchses benötigen Uhus Steinbrüche oder Felsgebiete.

Zugverhalten: In Deutschland sind Uhus standorttreue Vögel, die das gesamte Jahr über in ihrem Revier bleiben. Die Jungvögel wandern nach dem Flüggewerden meist maximal 50 bis 80 km vom elterlichen Revier weg, um sich in einem eigenen Revier niederzulassen.

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