Eisvogel – der Vogel des Jahres 2009

Gastbeitrag von Christian Erdmann von der Wildtierstation Hamburg, Oktober 2008

Weiblicher Eisvogel, zu erkennen am orange gefärbten Unterschnabel, © leechentou / Pixabay
Weiblicher Eisvogel, zu erkennen am orange gefärbten Unterschnabel, © leechentou / Pixabay

Ein Juwel – in unseren Breitengraden. Ungewöhnlich sein Äußeres. Wie ein Brillant schießt er übers Wasser – begleitet von einem unverwechselbaren schrillen Pfiff. Ein an saubere klare Gewässer angepasster Vogel, der seine Nahrung, bevorzug kleine Fische, im Sturzflug aus dem Wasser fischt. Aber auch Wasserinsekten wie Libellenlarven bereichern seinen Speiseplan.

Alceda atthis – sein lateinischer Name – ist der einzige in Europa vorhandene Art der Familie Eisvögel (Alcedinidae).

Die Körperlänge des Eisvogels beträgt etwa 16 bis 18 cm und er wiegt 35 bis 40 g. Die Flügelspannweite umfasst 25 cm.

Zur Balz sind Eisvögel besonders ruffreudig. Das Männchen hat einen schwarzen Schnabel der an der Unterseite leicht aufhellt. Das Weibchen zeigt einen orange gefärbten Unterschnabel. Zur Brutzeit sind die Füße orange gefärbt. Jungvögel haben oberseits dunkelbraun gefärbte Füße. Das Gefieder ist matter. Der Schnabel der Jungvögel ist kürzer, schwarz mit einem hellen Fleck an der Spitze.

Dieser Eisvogel hat erfolgreich Beute gemacht, © Bergadder / Pixabay
Dieser Eisvogel hat erfolgreich Beute gemacht, © Bergadder / Pixabay

Der Eisvogel benötigt offenes Süßwasser mit Ansitzwarten über dem Gewässer. Von hier aus lauert er oft stundenlang auf Fische, Wasserinsekten und Kaulquappen. In Europa ist der Eisvogel Standvogel. Nur in den Hochlagen finden wir ihn nicht.

Die Brutplätze liegen im Steilufer oder in großen Wurzeltellern von umgestürtzen Bäumen mit viel Erdreich. Hier gräbt der Eisvogel eine Brutröhre bis zu einer Länge von 40 cm. Der Eisvogel lebt meistens in monogamer Brutehe, es kommt aber auch in fischreichen Jahren vor, dass ein Männchen in Bigamie mit zwei Weibchen in mehreren Kilometer voneinander liegenden Brutröhren brütet. Nach dem Schlüpfen der Jungen versorgt das Männchen dann parallel beide Bruten. In der Zeit von März bis April werden sechs bis acht Eier gelegt. Die Brutdauer beträgt 19 bis 21 Tage. Die Zweitbrut beginnt im Juni/Juli.

Der Eisvogel war in Deutschland zuletzt 2009 der Vogel des Jahres, © leechentou / Pixabay
Der Eisvogel war in Deutschland zuletzt 2009 der Vogel des Jahres, © leechentou / Pixabay

Hohe Verluste bei den Eisvögeln bringt oft der strenge Winter. In zugefrorenen Gewässern finden die Eisvögel ihre Nahrung nicht. Zu spät abgezogene Vögel verhungern. Diese Verluste werden aber durch die hohe Reproduktionsrate ausgeglichen. Was aber von der Natur nicht mit eingeplant werden konnte, sind die Verluste durch Fensterscheiben – und Autoanflüge. In den Terra Mater Wildtierstationen werden j ährlich bis zu 30 verunfallte Eisvögel eingeliefert. Oft helfe schon etwas Ruhe, Wärme und reichlich Fisch, bemerkt Wildvogelfreund Christian Erdmann. Nach der Genesung werden die standorttreuen Brillanten an den Fundort zurückgesetzt.

Der Eisvogel ist 2009 zum zweiten Mal nach 1973 zum Vogel des Jahres gewählt worden und war 2006 Vogel des Jahres in der Schweiz.

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