Teiche und Tümpel

Ein Teich ist ein für viele Wildtiere wichtiger Bestandteil eines naturnahen Gartens, © Simone Stapelberg
Ein Teich ist ein für viele Wildtiere wichtiger Bestandteil eines naturnahen Gartens, © Simone Stapelberg

Das Anlegen eines Gartenteichs ist ohne Zweifel mit erheblichem Aufwand verbunden. Existiert der Teich erst einmal, muss er weiterhin regelmäßig gepflegt werden. Man sollte den mit dieser Pflege verbundenen Zeitaufwand daher unbedingt vor dem Anlegen des Teiches bedenken! Außerdem sollten Sie auf keinen Fall die wichtigsten Sicherheitsaspekte vernachlässigen. Halten sich in Ihrem Garten zum Beispiel regelmäßig kleine Kinder unbeaufsichtigt auf, sollten Sie bei aller Liebe zur Natur vom Anlegen eines Teichs vorerst lieber Abstand nehmen, damit sich kein tragischer Unfall ereignen kann. Denn so wichtig ein kleines Gewässer in einem vogelfreundlichen Garten auch sein mag – Kinder sollten dadurch niemals in Gefahr geraten.

Ferner wäre es wenig sinnvoll, einen Teich anzulegen, wenn man in der Nähe einer stark frequentierten Straße wohnt. Nicht nur Vögel werden durch einen Teich angelockt, sondern auch Amphibien. Unsere einheimischen Frösche und Kröten wandern mehrere hundert Meter weit, um in Gewässern zu laichen. Dafür nutzen sie vielerorts gern auch Gartenteiche. Bei starkem Verkehrsaufkommen rund um den Garten würden die Tiere unter Umständen unnötige Opfer des Straßenverkehrs, während sie versuchen, den Teich als Laichgewässer zu besiedeln.

Weiße Seerose (Nymphaea alba), © Gaby Schulemann-Maier
Weiße Seerose (Nymphaea alba), © Gaby Schulemann-Maier

Es ist wichtig, einen Teich von Beginn an durchdacht zu konzipieren, damit er dauerhaft ein attraktiver Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wird und bleibt. Im Teich überwinternde Tiere sollten nicht einfrieren, wenn die Außentemperaturen über eine längere Zeit unter den Gefrierpunkt fallen. Deshalb muss ein Teich mindestens einen Bereich aufweisen, der tiefer als 1,5 Meter ist. Der Boden des Teiches muss absolut dicht sein, damit das Wasser nicht versickert. Darüber hinaus sollten Sie dafür Sorgen tragen, dass der Teich im Sommer nicht austrocknet oder aufgrund mangelnder Wasserzufuhr „umkippt“ oder kaum mehr Sauerstoff enthält. Entweder füllen Sie bei allzu großer Verdunstung Wasser mit Hilfe eines Gartenschlauchs nach, oder aber Sie verbinden die Entwässerung Ihres Hausdachs mit dem Teich. Auf diese Weise wird dem kleinen Gewässer immer wieder Frischwasser zugeführt, was das Algenwachstum hemmt und die Gefahr einer Austrocknung deutlich reduziert.

Fließt ein Bach durch ein Grundstück, kann man einen Gartenteich damit verbinden und sorgt so dafür, dass dieser immer frisches Wasser erhält, © Gaby Schulemann-Maier
Fließt ein Bach durch ein Grundstück, kann man einen Gartenteich damit verbinden und sorgt so dafür, dass dieser immer frisches Wasser erhält, © Gaby Schulemann-Maier

Wer das große Glück hat, dass sich ein natürlicher Wasserlauf den Weg über das eigene Grundstück bahnt, kann diesen unter Umständen beim Anlegen des Teiches mit einbeziehen. Das wäre sehr sinnvoll, da er das kleine Gewässer auf natürliche Weise mit Frischwasser versorgen kann. Wenn ein solcher Bach durch einen Teich fließt, stellt sich rasch eine natürliche Fauna ein, die man in einem isolierten, neu angelegten Teich ohne Hilfsmittel meist nur schwer erreichen kann.

Um einen neu angelegten Teich, der nicht mit einem Bach verbunden ist, mit Kleinstlebewesen zu besiedeln, genügt es aber oft, einen Eimer Wasser aus einem anderen Teich hinzuzufügen. Diese Kleinstlebewesen legen den Grundstein für ein artenreiches Kleinbiotop, das im Idealfall zu einem gesunden, sich sich selbst tragenden kleinen Gewässer wird.

Der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) wächst in feuchten Uferzonen von Teichen und Tümpeln, er bietet vielen Tieren ein Zuhause, © Gaby Schulemann-Maier
Der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) wächst in feuchten Uferzonen von Teichen und Tümpeln, er bietet vielen Tieren ein Zuhause, © Gaby Schulemann-Maier

Ideal wäre es, wenn Ihr Gartenteich eine Röhrichtzone oder ein sumpfiges Ufer mit Binsen aufweisen würde. Wenn der Teich groß genug ist, gedeihen an seinem Ufer unter Umständen sogar Rohrkolben und ähnlich hohe Gewächse, die zahllosen Insekten als Heimat dienen können. Das lockt wiederum Vögel an, die sich von den Kleinlebewesen ernähren. Ist ihr Gartenteich reich an Insekten und deren Larven, werden möglicherweise rasch Vögel wie die Bachstelze angelockt, die sich ausschließlich von derlei tierischer Kost ernährt. Rohrkolben wachsen bereits in wenige Zentimeter tiefem Wasser. Im Herbst ziehen die Samenstände Vögel an und das welke Laub eignet sich im nächsten Frühjahr hervorragend als Nistmaterial. Die dekorative Sumpfschwertlilie, die ebenfalls in flachen Uferzonen gedeiht, bietet gute Lebensbedingungen für allerlei Tiere. Insekten lassen sich außerdem mit Hilfe von blühenden Wasserpflanzen wie Mädesüß, Kuckuckslichtnelke oder Schwanenblume ansiedeln.

Die Große Pechlibelle (Ischnura elegans) kommt in Deutschland häufig vor und lebt auch an vielen Gartenteichen, © Gaby Schulemann-Maier
Die Große Pechlibelle (Ischnura elegans) kommt in Deutschland häufig vor und lebt auch an vielen Gartenteichen, © Gaby Schulemann-Maier

Viele Vogelarten jagen gern über dem Wasser schwebende Mücken oder andere Fluginsekten wie Libellen. Dabei können sich folgenschwere Unfälle ereignen, wenn die gefiederten Jäger durch eine Unachtsamkeit ins Wasser stürzen. Bringen Sie deshalb unbedingt mindestens eine, noch besser mehrere Klettermöglichkeiten in Ihrem Teich an, die ins Wasser gefallenen Vögeln und anderen Tieren wie Igeln als lebensrettender Weg an Land dienen können. Ferner sollten Sie darauf achten, dass Sie den Teich während der Zeit des Jahres, in der junge Igel unterwegs sind, mit einem niedrigen Zaun schützen. Viele dieser kleinen Säugetiere ertrinken Jahr für Jahr in Gartenteichen, was man in einem naturnah eingerichteten Garten nach Möglichkeit nicht geschehen lassen sollte, schließlich erfüllen die Stachelritter in der heimischen Natur eine wichtige Aufgabe.

Schlammige Uferzonen von Gartenteichen werden von Schwalben mitunter als Sammelstelle für Nistmaterial genutzt, © Gaby Schulemann-Maier
Schlammige Uferzonen von Gartenteichen werden von Schwalben mitunter als Sammelstelle für Nistmaterial genutzt, © Gaby Schulemann-Maier

Flache lehmige oder schlammige Uferzonen sind für Schwalben interessant, da diese Vogelarten Lehm zum Bau ihrer Nester benötigen. In seichten Uferzonen eines Gartenteichs kann man vor allem im Sommer immer wieder kleine Singvögel beim ausgiebigen Baden beobachten, wenn sich die Tiere an einem Teich sicher fühlen und zudem Bäume sowie dichte Sträucher in der Nähe haben, auf die sie zum Trocknen fliegen können. Achten Sie beim Anlegen einer solchen flachen Uferzone bitte darauf, diese so zu gestalten, dass badende Vögel die Umgebung überblicken können, damit sie Fressfeinde wie Hauskatzen rechtzeitig entdecken und fliehen können.

Mehr Platz benötigen steile lehmige Uferwände. Sie sind für den in Deutschland vielerorts selten gewordenen Eisvogel besonders attraktive Nistplätze, sofern ein fischreiches Gewässer mit geeigneten Ansitzästen für die Jagd in unmittelbarer Nähe vorhanden ist. Eisvögel in einem Garten anzusiedeln, ist jedoch in aller Regel äußerst schwierig. Normalerweise nehmen diese auf den Fischfang spezialisierten Vögel nicht mit einem einfachen Teich vorlieb, sie bevorzugen in aller Regel größere Gewässer. Wer in seinem Garten jedoch einen recht großen Teich mit vielen darin lebenden kleinen Fischen bieten kann, der sollte eventuell vorhandene lehmige Steilufer nicht begradigen und sich gegebenenfalls mit Fachleuten oder lokalen Naturschutzgruppen austauschen, um den Eisvögeln zum Beispiel durch das Einbauen spezieller Niströhren bei der Ansiedlung behilflich zu sein.

Auf manchen Gartenteichen lassen sich im Frühling Stockentenfamilien blicken, © Gaby Schulemann-Maier
Auf manchen Gartenteichen lassen sich im Frühling Stockentenfamilien blicken, © Gaby Schulemann-Maier

Falls Sie das Glück haben, einen wirklich großen Teich auf Ihrem Grundstück anlegen zu können, der von einem fließenden Zulauf, also Bach, gespeist wird, so ist es sogar denkbar, dass sich Entenvögel auf ihm ansiedeln, um ihre Jungen großzuziehen. Entenvögel wie die Stockenten bauen ihre Nester unter anderem aus Teilen abgestorbener Wasserpflanzen, weshalb man seinen Teich nicht zu sehr aufräumen sollte, um den Vögeln auf diese Weise Nistmaterial zu bieten. Übrigens befinden sich die Nester mitunter ein ganzes Stück vom Teich entfernt. Erst nach dem Schlüpfen der Jungen werden diese von der Entenmutter ans Wasser geführt. Viele junge Enten reisen beispielsweise über Bäche in Teiche. Urplötzlich tauchen dann wie aus dem Nichts ganze Entenfamilien an dem kleinen Gewässer auf.

Graureiher (Ardea cinerea) sind an vielen Gartenteichen keine gern gesehenen Gäste, weil sie Zierfische und Frösche wegfangen, © Gaby Schulemann-Maier
Graureiher (Ardea cinerea) sind an vielen Gartenteichen keine gern gesehenen Gäste, weil sie Zierfische und Frösche wegfangen, © Gaby Schulemann-Maier

Kleine Wasservögel wie Enten sind bei den meisten Gartenbesitzern mit einem von Frischwasser gespeisten Teich gern gesehene Gäste. Graureiher, die sich am Gartenteich niederlassen, um die darin lebenden Fische zu erbeuten, sind hingegen meist eher weniger willkommen. Wie Sie Graureiher auf natürliche Weise von Ihrem Gartenteich fernhalten können, erfahren Sie im Merkblatt der Schweizer Vogelwarte, welches hier zum Herunterladen bereitsteht (Titel: Graureiher am Gartenweiher: Wie schütze ich meine Fische vor Graureihern?).

Achtung: Ist der Teich klein und wird er nicht durch einen Bach mit Frischwasser gespeist, sind Enten bedauerlicherweise oft schädlich für das Ökosystem. Ihr Kot kann das stehende Gewässer nach relativ kurzer Zeit umkippen lassen.

Übrigens: Ein gutes, für Tiere unschädliches Mittel gegen Algenbewuchs soll eine im Teich versenkte, mit Haferstroh gefüllte Damenstrumpfhose sein. Die beim Verrotten des Pflanzenmaterials entstehende Substanz ersetzt chemische Mittel gegen Algen.