Geduld ist alles

Bis Wildblumen wachsen, vergeht oft einige Zeit, wenn der Boden zuvor jahrelang regelmäßig gedüngt worden ist, © David Phillips via Flickr
Bis Wildblumen wachsen, vergeht oft einige Zeit, wenn der Boden zuvor jahrelang regelmäßig gedüngt worden ist, © David Phillips via Flickr

Sie haben bisher Ihren Garten ganz gewöhnlich gestaltet und nicht so viel Wert darauf gelegt, ihn optimal für Vögel einzurichten und möchten dies nun ändern? Dann sollten Sie sich gleich dessen bewusst sein, dass es nicht von jetzt auf gleich möglich ist. Ein über viele Jahre konventionell gepflegter Garten wird nicht von heute auf morgen zu einem attraktiven Ort für einheimische Tierarten, wenn man sich dazu entschließt, ihn fortan zu einem naturnahen Garten werden zu lassen. Es dauert seine Zeit, bis die echte Natur so weit Einzug hält, dass man von einem naturnahen Wildgarten sprechen kann.

Artenreiche Wildblumenwiesen finden sich in der Natur meist auf eher kargen, nährstoffarmen Böden, die in konventionellen Gärten nahezu nicht vorkommen. Um aus einem bislang stets gedüngten Rasen eine bunt blühende Wildblumenpracht werden zu lassen, benötigt die Natur einige Jahre, siehe auch unser Kapitel über naturnahe Wiesen.

Wenn Sie sich von den hübschen exotischen Pflanzen aus fremden Ländern verabschieden möchten, weil sie unseren heimischen Wildtieren kaum Nahrung bieten, sollten Sie sich für Pflanzenarten entscheiden, die in unseren Breiten natürlich vorkommen und im Idealfall wichtige Nahrungspflanzen für Vögel und Insekten darstellen. Bis diese Pflanzen beispielsweise zu stattlichen und von Vögeln gern genutzten Hecken werden, vergehen einige Jahre.

Knorrige, alte Bäume sind für viele Tierarten ein wichtiger Lebensraum, © Alexandra Lehne via Flickr
Knorrige, alte Bäume sind für viele Tierarten ein wichtiger Lebensraum, © Alexandra Lehne via Flickr
Mit Sonnenblumen kann man relativ schnell Vögel in einen naturnahen Garten locken, © Schanin / Pixabay
Mit Sonnenblumen kann man relativ schnell Vögel in einen naturnahen Garten locken, © Schanin / Pixabay

Darüber hinaus braucht es seine Zeit, bis aus Bäumen ein attraktiver Lebensraum für Höhlenbewohner wie etwa Buntspechte wird. Viele Vögel bevorzugen alte Bäume als Wohn- und Nistplätze, sodass das Vorhaben, einen Naturgarten anzulegen, in Bezug auf diesen Teilaspekt sehr, sehr lange dauern kann.

In konventionell gepflegten Gärten findet sich selten Totholz, das erst einmal über Jahre oder Jahrzehnte hinweg entstehen muss, bevor diejenigen Spezies eine Chance auf einen artgerechten Lebensraum haben, die beispielsweise in morschen Bäumen ihre Nisthöhlen errichten. Und damit sind keineswegs nur Vögel gemeint, denn auch viele Insektenarten brauchen Totholz, um darin ihre Kinderstube zu errichten. Die Insekten und ihre Larven sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel. Aus dem Grunde sollte Totholz in einem Naturgarten nicht fehlen.

Üben Sie sich in Ihrem Projekt „Naturgarten“ also in Geduld, sie wird sich sicher mit der Zeit auszahlen! Zumal sich kleine Erfolge oft schon relativ bald einstellen werden. Sie werden erleben, wie mit den ersten Beeren in Ihren neu gepflanzten einheimischen Sträuchern auch viele Vögel in Ihren Garten kommen oder wie nach einiger Zeit, in der die Wiese nicht gedüngt wurde, plötzlich neue Wildblumen in Erscheinung treten – oft sogar von ganz allein, wenn man Glück hat und die Samen durch den Wind oder Tiere in den Garten gebracht werden. Wunder wirken oft auch Sonnenblumen, sie ziehen viele Vogelarten an, die gern halbreife und reife Sämereien fressen.