Worauf man beim Versorgen von Wildvögeln achten sollte

Haben Sie einen Wildvogel vorübergehend aufgenommen, um ihn großzuziehen oder um ihn gesund zu pflegen, können Sie mit adäquaten Haltungsbedingungen einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass der Vogel gesund wird und bleibt. Die in diesem Kapitel aufgeführten Aspekte sollten deshalb dringend beachtet werden:


Artgerechte Ernährung

Verschiedene Vogelarten haben unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse - diese Wachel frisst unter anderem Sämereien.
Wachtel © Anke Dornbach

Eine artgerechte Ernährung ist das A und O für die Gesunderhaltung junger und erwachsener Wildvögel. Wie die Nahrung für Jungtiere zusammengesetzt sein sollte, erfahren Sie hier. Über die Ernährung von Altvögeln können Sie sich in diesem Kapitel informieren.

Zusätzlich zum Futter sollten Sie ein Mineralstoff- und Vitaminprodukt reichen. Grit (kleine Steinchen) enthält ebenfalls einige Mineralstoffe und wird von den Körnerfressern unter den Vögeln als „Zahnersatz“ für die Verdauung benötigt. Diese Vögel lagern den Grit in ihrem Muskelmagen ein, wo er zur Zerkleinerung des Nahrungsbreis dient.

Ebenso wichtig wie die Zuführung von Mineralstoffen und Vitaminen ist die Gabe von Eiweiß (Protein). Bitte denken Sie daran, dass alle Vögel in Zeiten erhöhten Proteinbedarfs auf tierisches Eiweiß zurückgreifen. Die Wachstumsphase ist eine solche Zeit, in der die Vögel sehr viel Eiweiß benötigen. Dies gilt auch für Vögel, die im Erwachsenenalter Körner fressen. Die meisten Körnerfresserarten ziehen ihren Nachwuchs mit Insekten groß.

Erhalten Vögel über die Nahrung zu wenige Nährstoffe, kann es zu verschiedenen körperlichen Beschwerden kommen. Einige Symptome, die bei einem Mangel an den vom Vogelkörper dringend benötigten Stoffen auftreten können, finden Sie hier.


Hygiene und Quarantäne

Birkenzeisig am Futter - Hygiene ist bei der Fütterung von Wildvögeln in menschlicher Obhut sehr wichtig.
Birkenzeisig © Dagmar Offermann

Hygiene ist ein absolutes Muss im Umgang mit (kranken) Wildvögeln. Wenn Sie gleichzeitig mehrere verschiedene Wildvögel aufgenommen haben, so waschen Sie sich unbedingt vor jeder Berührung (zum Beispiel Fütterung) der einzelnen Tiere die Hände. Ist ein Vogel erwiesenermaßen Träger von Krankheitserregern, müssen die Hände zusätzlich desinfiziert werden.

Grundsätzlich sollte jeder Neuzugang vorübergehend isoliert von anderen Wildvögeln, also in Quarantäne gehalten werden, um eventuelle Krankheitsübertragungen zu vermeiden.

Besitzen Sie eigene Ziervögel, so sollten Sie darauf achten, dass die Wildvögel keinen Kontakt zu ihnen haben, um auch hier die Gefahr einer gegenseitigen Krankheitsübertragung auszuschalten.

Nach der Auswilderung eines zuvor kranken Vogels sollten Sie die Behausung beziehungsweise den Käfig desinfizieren, in dem er untergebracht gewesen ist, bevor ein neuer Pflegling darin Einzug hält.


Gefahrenquellen erkennen und beseitigen

Beim Freiflug zu Trainingszwecken im Haus lauern einige Gefahrenquellen auf die Vögel, die Sie unbedingt „entschärfen“ sollten: Der Vogel könnte sich an Pflanzen, Putzmitteln, Kochsalz, Zigarettenstummeln, etc. vergiften, an Herdplatten verbrennen, sich durch einen Flug gegen ein Fenster verletzen, in einem Wassergefäß ertrinken, usw. Eine umfangreiche Liste mit Gefahrenquellen, die im Haus für Wildvögel und auch für Stubenvögel vorhanden sind, finden Sie an dieser Stelle.


Künstliches Licht vermeiden

Sie sollten in Ihrer Obhut gehaltenen Wildvögeln nach Einbruch der Dunkelheit kein künstliches Licht oder anderweitige äußere Reize zuführen, der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus sollte unbedingt eingehalten werden.


Passende Größe der Behausung

Kranke oder verletzte Wildvögel brauchen eine geeignete Behausung, in der sie sich sicher fühlen und die ihren Bedürfnissen entspricht. Je nach Vogelart und -größe hat die Behausung anders auszusehen. Als Sitzgelegenheiten sollten Sie ausschließlich Naturäste anbringen, an denen die Vögel unter anderem ihre Schnäbel abwetzen können.

Bei der Wahl der richtigen Unterbringung ist zu beachten, dass Vögel, die täglich gegriffen werden müssen, zum Beispiel um Medikamente zu verabreichen oder um Wunden zu versorgen, eine Unterkunft brauchen, in der man sie leicht einfangen kann. Geeignet sind für die meisten Vögel in diesem Fall sogenannte Softboxen (faltbare Hundetransportboxen) oder auch hartschalige Transportboxen für Hunde oder Katzen. Käfige sind nur bedingt geeignet, da sich die Vögel an den Gitterstäben das Gefieder oder die Wachshaut über dem Schnabel beschädigen können.

Hat der Vogel offene Wunden, so sind weder das Bereitstellen von Badewasser noch Sand in der Behausung ratsam.
Waldschnepfe, die menschlichen Beistand braucht, © Corinna Heinrich
Waldschnepfe, die menschlichen Beistand braucht, in einer Softbox, © Corinna Heinrich

Insbesondere dürfen Zugvögel, zu denen beispielsweise Kuckucke, Schnepfen, Schwalben, Mauersegler und die meisten anderen Insektenfresser gehören, nicht in Käfigen untergebracht werden, da sie sich meist an den Gitterstäben sehr schnell das Gefieder beschädigen, was den Flug ins Winterquartier unmöglich macht. Sie sind noch mehr als alle anderen Vögel auf ein absolut intaktes Gefieder angewiesen. Über die adäquate Unterbringung von Mauerseglern in menschlicher Obhut informieren Sie sich bitte hier.

Der Boden der Box wird ausgelegt mit weichen Tüchern, zum Beispiel alten Handtüchern, die man bei Bedarf waschen kann. Darauf kann man Stücke von Küchenrolle legen. Einstreu, Sand oder Heu und Stroh sind nicht geeignet und sollten vermieden werden.

Größere Vogelarten, wie zum Beispiel Greifvögel, Eulen, Wasservögel und andere können nicht in einer Box untergebracht werden, sondern sollten eine kleinere Voliere zur Verfügung gestellt bekommen. Deswegen ist es ratsam, sie in eine Auffangstation zu bringen, die geeignete Volieren zur Unterbringung bieten kann.


Reinigung

Pflichtprogramm bei der Pflege von Wildvögeln ist die gründliche und vor allem regelmäßige Reinigung: Die Behausung des Wildvogels sollte täglich gesäubert werden. Die Wasser- und Futternäpfe müssen vor Verschmutzung durch Kot geschützt und täglich neu befüllt werden.

Ferner müssen Sie die Ausscheidungen des Pfleglings täglich beseitigen. Am einfachsten ist dies, wenn sie als Bodenbelag mehrere übereinander liegende Lagen  Küchenrolle verwenden, sodass jeweils immer nur die oberste Lage entfernt werden muss. Vermeiden Sie ansonsten längeres Hantieren in der Box, da dies den Vogel ängstigt, was zusätzlichen Stress für ihn bedeutet.


Richtiger Standort

Fische Luft und Sonne tanken - dieser jungen Wacholderdrossel geht es gut,© Corinna Heinrich
Frische Luft und Sonne tanken – dieser Wacholderdrossel geht es gut,© Corinna Heinrich

Der Standort der Behausung sollte so gewählt werden, dass viel Tageslicht, möglichst auch Sonnenschein, einfällt. Darüber hinaus sollte der Vogel die Möglichkeit haben, an einen schattigen Platz auszuweichen. Vögel vertragen keine intensive Sonneneinstrahlung ohne Rückzugsmöglichkeit!

Frischluftzufuhr ist ebenso wichtig wie absolute Ruhe, weshalb man beispielsweise einen Standort in der Nähe eines TV-Gerätes meiden sollte.

Sie sollten darauf verzichten, in dem Raum, in dem der Vogel untergebracht ist, zu rauchen. Ein Vogel sollte zudem keinen Dünsten und Dämpfen aus der Küche ausgesetzt werden. Vögel sind aufgrund ihres Atmungssystems gegenüber Schadstoffen aus der Luft extrem empfindlich! Außerdem sollten Sie darauf achten, eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Dies gilt vor allem während der Heizperiode, die meist mit viel zu trockener Raumluft einhergeht, die für die Schleimhäute der Vögel schädlich ist. Wie man die Luft in einem Zimmer befeuchtet, in dem Wildvögel untergebracht sind, können Sie hier nachlesen. Übrigens brauchen auch Ziervögel eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit in dem Zimmer, in dem sie leben.