Vogelfütterung im Winter

Männliche Amsel frisst Fettfutter, © Gaby Schulemann-Maier
Männliche Amsel frisst Fettfutter, © Gaby Schulemann-Maier

Bereits vor langer Zeit ist um die Vogelfütterung im Winter eine heftige Diskussion entbrannt, die sogar die Naturschützer in zwei Lager gespalten hat und nach wie vor für Zündstoff sorgt. Befürworter der winterlichen Fütterung wollen den Vögeln in Zeiten des Nahrungsmangels das Überleben erleichtern, was viele Tiere unserer Ansicht nach bitter nötig haben. Der Mensch hat die Natur durch seine Eingriffe dahingehend verändert, dass die Tiere zusehends weniger natürliche Nahrung finden, was insbesondere in den Ballungsräumen und landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden der Fall ist – also eigentlich fast überall.

Vehemente Gegner werden hingegen nicht müde zu betonen, dass die Fütterung der Wildvögel für die Tiere zahlreiche Nachteile mit sich bringe, wofür sie eine Reihe von Argumenten anführen, die sich bei genauer Betrachtung jedoch größtenteils widerlegen lassen. Allerdings muss man sich erst einmal die Mühe machen und sie kritisch hinterfragen, was in der Vergangenheit hierzulande bedauerlicherweise kaum geschehen ist.

Jugendliche Kohlmeise frisst im Sommer Nussbruch, © Gaby Schulemann-Maier
Jugendliche Kohlmeise frisst im Sommer Nussbruch, © Gaby Schulemann-Maier

In unseren Nachbarländern werden seit Jahren umfangreiche Studien über den Einfluss der Vogelfütterung im Winter oder sogar während des gesamten Jahres auf die Populationen verschiedener Wildvogelarten durchgeführt. Hierauf bezieht sich Professor Berthold in seinem Buch „Vögel füttern – aber richtig“, siehe Literaturkapitel. Laut Berthold besagen diese Studien allesamt, dass die winterliche Fütterung den Tieren ausschließlich nützt, sofern sie artgerecht durchgeführt wird.

Leider wurde das Thema Winterfütterung in Deutschland von der Forschung in den vergangenen Jahrzehnten stiefmütterlich behandelt, was sich zum Glück inzwischen geändert hat. Einige namhafte Wissenschaftler widmen sich dem Themenkomplex mit ihrem Sachverstand und viel Akribie. Die bisher vorliegenden Ergebnisse stützen diejenigen aus Großbritannien, Skandinavien und anderen europäischen Ländern: Eine durchgängige artgerechte Winterfütterung ist laut neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht schädlich für die Wildvögel. Einige Forscher gehen sogar so weit zu sagen, dass eine Ganzjahresfütterung sogar noch sinnvoller sei. Hierzu finden Sie im entsprechenden Kapitel weitere Informationen.

Feldsperling im Winter, © chocolat01 / Pixelio.de
Feldsperling im Winter, © chocolat01 / Pixelio.de

Die Aussage, man solle die Vögel vor allem in Regionen mit wenig natürlicher Nahrung (Großstädte, etc.) den gesamten Winter hindurch füttern, klingt für viele Naturfreunde, die gelernt haben, man dürfe die Vögel nur während langer Frostperioden und bei geschlossener Schneedecke füttern, regelrecht revolutionär. Aber sie ist keineswegs aus der Luft gegriffen, sondern anhand dutzender Studien inzwischen wissenschaftlich belegt. Leider hat sich diese Tatsache noch nicht sonderlich weit herumgesprochen, weshalb das Wildvogelhilfe-Team es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst umfassend über die neusten Erkenntnisse der Forschung zu berichten und Naturfreunden Tipps und Infos an die Hand zu geben, damit sie den Wildvögeln etwas Gutes tun können.

Wenn Sie also ein „Vogelrestaurant“ eröffnen möchten, dann sollten Sie sich diesen Plan nicht durch die Argumente der Fütterungsgegner madig machen lassen. Viel mehr sollten Sie das Projekt mit dem nötigen Hintergrundwissen angehen, um den Tieren möglichst gutes Futter und die entsprechenden Hygienevoraussetzungen zu bieten. Informieren Sie sich genau, bieten Sie Kritikern die Stirn und setzen Sie sich aktiv für die einheimischen Vögel ein – sie werden es Ihnen danken!

Achtung: In Zeiten der Vogelgrippe fragen sich viele Menschen, ob es eventuell gefährlich ist, einen Vogelfutterplatz zu betreiben. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat hierzu im November 2016 eine Stellungnahme veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Fütterung unproblematisch ist: Vogelgrippe und Winterfütterung: Keine Panik! – Die Vogelgrippe ist nicht gefährlich für Gartenvögel

Medientipp zum Thema

Es gibt eine sehr schöne DVD zum Thema, mit der sich die in Deutschland häufigsten gefiederten Futterplatzgäste leicht kennen lernen und identifizieren lassen.

Die Vogelwelt am Futterplatz – Vögel beobachten und erkennen
Ein Film von Susanne Hoffmann
Spieldauer gesamt: 57 Minuten
ISBN 978-3-968147-47-4
Preis 14,95 Euro
Internet: Tierstimmen.de
Bitte beachten Sie auch die Rezension dieser sehr guten, für Vogelfreunde absolut empfehlenswerten DVD!


Gedicht zur Winterfütterung

Ein wunderschönes Gedicht zur Vogelfütterung im Winter hat Anna Hellbig geschrieben, zu dem sie ein Werk von Christian Morgenstern inspiriert hat.

Spatzen im Winter, © GLady / Pixabay
Spatzen im Winter, © GLady / Pixabay

Drei Spatzen im Winter

Drei Spatzen sitzen im Haselstrauch.
Es ist tiefster Winterund kalt ist es auch.
Sie drücken sich aneinander ganz fest,
damit sich die Kälte ertragen lässt.
Die Zweige wippen auf und nieder,
der Wind bläst durchs Gefieder.

Links sitzt Steffen, rechts sitzt Max,
und in der Mitte Emine,
die kleine Cousine.
Die Wolken am Himmel hängen schwer und grau,
den Spatzen ist’s vom Hunger ganz flau.

Unter Schnee und Eis liegen Feld und Mark,
die Not ist groß, die Nahrung karg.
Den ganzen Tag haben sie nichts gegessen,
haben gepickt und gesucht wie besessen.
„Am Wegesrand, da lag ein Stück Brot,
das wollt ich mir holen,
kam ein Grünfink, hat’s mir gestohlen!“
klagt Emine,
die kleine Cousine.

Sagt Steffen:
„Lasst uns fliegen zum Bauern.“
Max sagt:
„Was? Dort wo die Krähen lauern?
Ich will euch ja nicht enttäuschen,
doch glaubt mir, die werden uns verscheuchen.“

Dann sitzen sie still, gucken in den grauen Tag,
keiner etwas sagen mag.
Sie versuchen sich abzulenken,
um nicht an den Hunger zu denken.
Sagt Steffen:
„Ich kann mich nicht wehren,
ich denke an saftige rote Beeren!
Ich kann es fast fühlen,
wie’s ist, mit dem Schnabel im Fruchtfleisch zu wühlen!“
Sagt Max:
„Erinnert ihr euch an den Ausflug ins Haferfeld?
Reif und goldgelb, als hätten wir’s bestellt!
Von früh bis spät haben wir im Korn gesessen
Die ganze Familie hat sich satt gefressen,
hinaus und hinein sind wir gesprungen,
hoch am Himmel hat die Lerche ihr Lied gesungen.
Am Abend war mein Kropf sooo voll –
Kinder, war das toll!“

Emine sagt:
„Und wisst ihr noch dieser glutheiße Tag,
seit Wochen es nicht mehr geregnet hat?
Doch wir drei frisch und munter,
flogen gleich morgens zum See hinunter.
Dort waren wir im Schatten der Blätter verborgen,
verbrachten den Tag ohne Sorgen.
Im Wasser haben wir uns abgekühlt,
gebadet und unseren Durst gestillt.
Wir fingen Fliegen um die Wette,
Dicke und Dünne, Träge und Fette.“

Drei Spatzen sitzen im Haselstrauch,
sie sitzen zusammen, Bauch an Bauch.
Sie hören ihre Herzchen klopfen, ganz laut
Und jeder hofft, dass es bald taut!
Steffen sagt:
„Guckt mal der Apfelbaum dort drüben,
wo unterm Schnee sich die Zweige biegen,
da sehe ich jemanden fliegen!“
Max sagt:
„Das sind unsere Brüder und Schwestern,
die schauten dort schon gestern,
da gibt’s nichts zum Essen,
das kannst du vergessen!“

Emine sagt:
„Lasst uns trotzdem mal rüberfliegen,
wir müssen was in die Kröpfchen kriegen!
Wenn wir jetzt nicht kämpfen gegen die Not,
dann sind wir morgen früh tot!“
Und drüben beim Apfelbaum,
man glaubt es kaum,
liegt unter einer Hecke
eine angebissene Streuselschnecke,
eingewickelt in Papier.
Zwölf Spatzen stürzen sich drauf
und reißen es auf …

Drei Spatzen schaukeln im Haselstrauch,
es ist Frühling, windig und kalt ist es auch.
Doch die Wolken ziehen schnell
und der Himmel wird hell.
Links schaukelt Maxund rechts pfeift Steffen,
und in der Mitte tschilpt fröhlich Emine,
die kleine Cousine.