Nisthilfen und Nistmöglichkeiten für Wildvögel

Fehlende Nist- und Brutmöglichkeiten werden für viele unserer heimischen Vogelarten zunehmend zum Problem. Es sind verschiedene Faktoren, deren Zusammenspiel die Tiere vor eine zusehends schwieriger werdende Situation stellt. Wir Menschen haben einen großen Teil der natürlichen Lebensräume dermaßen stark verändert, dass die Vögel darin kaum noch natürliche Nistplätze finden – oder wir haben die Habitate gar völlig zerstört. Diese „Wohnungsnot“ ist mit dafür verantwortlich, dass die Zahl der Bruten vieler Vogelarten rückläufig ist.

Der Mangel an natürlichen Nistmöglichkeiten macht Wildvögel äußerst erfinderisch. Ein Meisenpaar hat aus der Not eine Tugend gemacht und einen Briefkasten zur Brutstätte umfunktioniert.

Schon früh im Jahr hat dieser Kleiber einen Nistkasten bezogen, © Gaby Schulemann-Maier
Schon früh im Jahr hat dieser Kleiber einen Nistkasten bezogen, © Gaby Schulemann-Maier

Manchen Vogelarten können wir mit relativ einfachen Mitteln Brutplätze bieten oder sie bei ihrer Nestbautätigkeit unterstützen. In der Rubrik über Nisthilfen finden Sie jede Menge Anregungen zu diesem Thema und natürlich auch Hintergrundwissen. Letzteres ist wichtig, wenn man Wildvögeln gezielt dabei helfen möchte, artgerechte Nistplätze zu finden oder zu errichten. Denn keineswegs alle Vogelarten bauen offene, napfförmige Nester, wie leider viele Menschen nach wie vor fälschlicherweise annehmen. Beispielsweise gibt es unter unseren heimischen Singvögeln etliche Höhlen- und Halbhöhlenbrüter, die unterschiedlich große Hohlräume zum Aufziehen ihres Nachwuchses benötigen oder diese selbst aus Lehm bauen. Weil immer mehr alte Bäume mit natürlichen Höhlen gefällt werden oder kaum mehr offene Lehmflächen als „Rohstofflager“ vorhanden sind, herrschen für diese Tiere Wohnungsnot und Baustoffmangel.

Das Sanieren von Dächern und Häusern ist ein weiteres Problem für die Vogelwelt, denn Hohlräume, die beispielsweise von Mauerseglern zum Brüten genutzt werden, verschwinden dadurch. Hinzu kommt der Mangel an Hecken und berankten Wänden, wodurch weitere Arten wie beispielsweise der Haussperling immer weniger Raum für ihre Kinderstuben finden. Doch auch größere Tiere wie Greifvögel oder Weißstörche finden in der Natur zusehends weniger Nistplätze, weil ihnen beispielsweise alte, große Bäume mit breiter Krone fehlen, in denen die teils zentnerschweren Horste errichtet werden könnten.

Ein Zaunkönig-Nest in einem geschützten Bereich einer offenen Gartenhütte, © Gaby Schulemann-Maier
Ein Zaunkönig-Nest in einem geschützten Bereich einer offenen Gartenhütte, © Gaby Schulemann-Maier

Die genannten Aspekte stellen jedoch nicht die einzigen Probleme der heimischen Brutvögel dar. Hinzu kommt eine fortschreitende Entfremdung der Menschen von der Natur, gepaart mit übertriebener Sauberkeits- und Ordnungsliebe. In einem „aufgeräumten“ Garten werden sich nur noch wenige Vogelarten wohl genug fühlen, um dort zu brüten. Wer etwas tun möchte, um einer möglichst breit gefächerten Gruppe von Vogelarten deren bevorzugte Nistplätze und Lebensräume zu bieten, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten für aktiven Naturschutz offen. Ein guter Anfang ist es, nicht nur Nisthilfen anzubieten, sondern den eigenen Garten attraktiv für Vögel zu gestalten. Tipps dazu gibt es in unserer Rubrik über vogelfreundliche Gärten.

Große Probleme für Zugvögel

Im April kommen Trauerschnäpper aus ihren Winterquartieren zurück und ihre bevorzugten Nistkästen sind dann oft schon von anderen Vögeln belegt. Dieses Tier hatte Glück. © Gaby Schulemann-Maier
Im April kommen Trauerschnäpper aus ihren Winterquartieren zurück und ihre bevorzugten Nistkästen sind dann oft schon von anderen Vögeln belegt. Dieses Tier hatte Glück. © Gaby Schulemann-Maier

Unter der großen Konkurrenz um geeignete Brutmöglichplätze leiden in besonderem Maße Zugvögel. Kommen sie im Frühjahr nach ihrem langen, anstrengenden Zug in ihren hiesigen Brutrevieren an, sind viele potenzielle Nistplätze bereits anderweitig besetzt, häufig von den ausgesprochen anpassungsfähigen Meisen – vor allem den Kohlmeisen. Weil Meisen bereits durch die Fütterung im Winter durch den Menschen stark unterstützt werden, ist es aus Sicht des Naturschutzes sinnvoll, nicht nur die gängigen Meisenkästen in Garten aufzuhängen, sondern stattdessen den Brutvorlieben anderer, benachteiligter Vogelarten verstärkt entgegenzukommen. Trotzdem sollten dabei auch die Meisennistkästen nicht gänzlich fehlen, damit diese Vögel anderen Arten ihre Nisthilfen nicht streitig machen.

Vögel durch Nisthilfen unterstützen

Verschiedene Nisthilfen und Insektenhotels der Firma Schwegler, © Greifvogelhilfe.de
Verschiedene Nisthilfen und Insektenhotels der Firma Schwegler, © Greifvogelhilfe.de

Diese kurze Aufzählung verdeutlicht, dass eine große Zahl von Vogelarten die Hilfe der Menschen benötigt. Ein erster Ausweg aus der schwierigen Lage für die Tiere ist es, wenn ihnen auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Nisthilfen zur Verfügung gestellt werden. Mitunter nehmen dann sogar Heckenbrüter wie Haussperlinge Nistkästen an.

Wer möchte, kann in einer Nisthilfe auch eine Webcam anbringen, solche Kameras sind im Fachhandel erhältlich und sie sind inzwischen wirklich erschwinglich geworden. Mit Hilfe einer Webcam kann man störungsfrei die Brut beobachten und so besondere Einblicke in die Jungenaufzucht der Tiere bekommen. Selbstverständlich lassen sich solche Webcam-Videos auch zu Lehrzwecken einsetzen, um beispielsweise Schulkinder für Wildtiere zu begeistern. Hierzu haben wir einen Linktipp für Sie: Nistkasten für Turmfalken an einer Grundschule in Norddeutschland.