Hauskatzen im Garten

Das blieb von Nestlingen übrig, nachdem sich eine Hauskatze mit ihnen beschäftigt hatte..., © Jessica Lucia via Flickr
Das blieb von Nestlingen übrig, nachdem sich eine Hauskatze mit ihnen beschäftigt hatte…, © Jessica Lucia via Flickr

Fleißig schaffen die Altvögel Schnabel um Schnabel voll Futter heran und die vier kleinen Amseln recken bei jeder kleinsten Erschütterung des Nestes gierig bettelnd ihre Hälse. Sie sind auf das Fühlen als Zeichen für die soeben auf dem Nestrand gelandeten Eltern angewiesen, da ihre Augen noch geschlossen sind. Ihrem Schicksal ergeben, liegen sie aneinander gekuschelt in der trügerischen Sicherheit ihres Nestes und ahnen nichts von der nahenden Gefahr, die auf Samtpfoten durchs Unterholz streift.

Einmal schnuppern, und schon hat die Katze die Kinderstube der Amseln ausgemacht. Selbst wenn die Jungvögel sie nun sehen könnten, wäre eine Flucht für die nicht befiederten Küken unmöglich – und verteidigen können sie sich ebenfalls nicht. Innerhalb weniger Sekunden sind alle vier Amselküken nicht mehr am Leben, noch bevor sie mit eigenen Augen das Licht der Welt erblicken konnten. Die Katze hat zwei von ihnen nur tot gebissen, die anderen beiden hat sie zumindest teilweise gefressen. Wirklich hungrig war sie nicht, weil sie von ihrem Besitzer am Morgen bereits gefüttert worden war. Während die beiden Altvögel aufgeregt rufend um ihre toten Küken flattern, durchstreift die Katze längst schon den Nachbargarten – auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, mit der sie ihrem Jagdtrieb nachgeben kann. Damit ein Haustier mit Freigang sich entfalten und artgerecht leben kann, wurden vier Vogelleben ausgelöscht.

Diese Hauskatze versucht, an einen Nistkasten und die darin befindlichen Vögel zu gelangen, © Schleifchen007 / Pixelio.de
Diese Hauskatze versucht, an einen Nistkasten und die darin befindlichen Vögel zu gelangen, © Schleifchen007 / Pixelio.de

So oder sehr ähnlich spielt es sich Jahr für Jahr in zahllosen deutschen Gärten oder anderenorts in der heimischen Natur ab. Die schleichenden Jäger sind natürlich nicht immer nur Katzen, denn auch andere Säugetiere machen Jagd auf Vögel. Aber die Hauskatzen sind diejenigen Jäger, die die meisten jungen Vögel töten. Vor allem die Jungtiere von Vögelarten, die in Hecken oder auf dem Boden brüten, werden von Hauskatzen und anderen Fressfeinden erbeutet. Aber auch viele Jungtiere in Bäumen brütender Vogelarten erreichen das Erwachsenenalter nicht, weil ihr Nest von Hauskatzen kletternd erreicht werden konnte. Sogar Nistkästen sind oft nicht vor Angriffen durch Hauskatzen sicher. Gerade flügge gewordenen Jungvögel sitzen während der Ästlingszeit auf dem Boden, warten auf die nächste Fütterung durch ihre Eltern und geraten ebenfalls häufig ins Visier einer Hauskatze auf Freigang.

Katzenhalter und -freunde mögen nun genervt aufstöhnen und sagen, dass ein Großteil der Jung- und Altvögel von anderen Jägern erbeutet wird, was schließlich allgemein bekannt sei und dass das alles doch der natürliche Lauf der Dinge sei. Dem ist jedoch bedauerlicherweise nicht so. Ein großer Teil der Verluste in der heimischen Vogelwelt dürfte auf das Konto streunender, freilaufender sowie verwilderter Hauskatzen gehen, da sie zahlenmäßig die stärkste Gruppe innerhalb der Gemeinschaft der Jäger darstellen. Und mit „normaler Natur“ hat das alles schon lange nichts mehr zu tun, denn Hauskatzen sind Haustiere und keine Wildtiere, die einstigen Vorfahren, aus denen Hauskatzen gezüchtet wurden, stammen nicht einmal aus Europa.

Hauskatze mit erbeutetem Star, © BettinaF / Pixelio.de
Hauskatze mit erbeutetem Star, © BettinaF / Pixelio.de

Naturschützern und Vogelfreunden stellt sich die berechtigte Frage, warum sich viele Katzenhalter vor diesen Fakten verschließen und sogar behaupten, ihre Katze würde keine Vögel fangen. Ein Großteil der Besitzer einer Hauskatze ahnt nicht einmal ansatzweise, was der vermeintlich sanfte Stubentiger draußen in freier Natur tatsächlich anstellt. Wer dieses Unwissen der Katzenhalter anzweifelt, dem sei ein auf einer wissenschaftlichen Studie basierender Text in der WELT als Lektüre empfohlen: Katzenbesitzer haben keine Ahnung von ihren Tieren.

Für die meisten Katzenhalter ist es vollkommen logisch, dass ihr Tier Auslauf in der Natur benötigt, schließlich gehört dies unbestritten zu einer optimalen und artgerechten Haltung. Trotzdem sollte sich jeder Katzenhalter stets darüber im Klaren sein, dass er für das Tun seiner Katze sogar dann die volle Verantwortung trägt, wenn diese auf Freigang ist. Hauskatzen gehören strenggenommen nicht in unser Ökosystem und sie beeinflussen durch ihr Jagdverhalten das ökologische Gleichgewicht der heimischen Natur in extremer Weise. Lediglich die bei uns in Mitteleuropa heimische Wildkatze (Felis silvestris) ist als natürlicher Vertreter der Familie der Katzen innerhalb unserer Ökosysteme anzusehen – von ihr stammen die Hauskatzen jedoch nicht ab. Ihre Beutezüge dürfen somit nicht als normaler Lauf der Natur angesehen werden, sie sind das zerstörerische Werk einer gebietsfremden Art. Die Hauskatzen dafür zur Verantwortung zu ziehen, wäre jedoch unsinnig, sie leben einfach nur ihre Instinkte aus. Es sind die Katzenhalter, die für das Massensterben von Kleinsäugern und Vögeln verantwortlich sind, denn sie haben sich ihre Tiere ins Haus geholt und gewähren ihnen Freigang.

Echte Tierliebe seitens der Katzenhalter sollte sich im Idealfall nicht nur auf den eigenen Stubentiger beschränken, sondern darüber hinaus die heimische Vogelwelt und andere Wildtiere mit einbeziehen. Zwar stehen die Wildtiere einem Tierhalter in aller Regel bei weitem nicht so nah wie die eigene Katze. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es egoistisch ist, die Bedürfnisse des geliebten Haustiers über das Leben von Wildvögeln und Kleinsäugern zu stellen. Der „Nutzen“ für die Hauskatze steht in keinem Verhältnis zum Schaden an der Vogelwelt, wenn man das Problem ganz nüchtern betrachtet und Leben gegen Leben aufwiegt.


Wie Wildkatzen zu Haustieren wurden

Die als Haustiere mit oder ohne Freigang gehaltenen Katzen stammen allesamt von der Falbkatze oder Afrikanischen Wildkatze (Felis silvestris lybica) ab und somit nicht von der in Mitteleuropa heimischen Europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris). Das Verbreitungsgebiet der Falbkatze reicht von Nordafrika über die Arabische Halbinsel bis zum Kaspischen Meer. Weil aus diesen wilden Katzen über sehr lange Zeiträume die Hauskatzen gezüchtet wurden, gelten diese inzwischen als eigenständige Art mit dem wissenschaftlichen Namen Felis catus  oder Felis silvestris catus. In ihrem äußeren Erscheinungsbild gleichen die Hauskatzen ihren wilden Vorfahren nach vielen Jahrhunderten der Domestikation noch immer. Außerdem umfasst ihr Verhalten dieselben Aktivitäten wie zum Beispiel die Pirschjagd. Diese ist nach wie vor eine Instinkthandlung, die man einem Haustier nicht abgewöhnen kann und die für zahlreiche Wildtiere zum tödlichen Problem wird.

Erstmals wurden Falbkatzen nicht wie bislang angenommen in Ägypten domestiziert, sondern im Fruchtbaren Halbmond nördlich der Arabischen Halbinsel. Dort finden sich in Ausgrabungsstätten erste Hinweise darauf, dass Katzen gehalten wurden. Etwa um das Jahr 2.000 vor Christus herum wurden Katzen offenbar auch im alten Ägypten als Haustiere beliebt und seit circa 500 vor Christus trugen die Griechen dazu bei, die Popularität der Hauskatzen zu steigern – und das im gesamten Einflussgebiet der griechischen Zivilisation. Gegen 300 nach Christus führten die Römer die ersten Hauskatzen auf den Britischen Inseln ein. Später waren es unter anderem britische Kolonisten, die Hauskatzen in alle Welt brachten und dadurch zum Beispiel in Neuseeland ungewollt ein Massensterben in der einheimischen Vogelwelt auslösten.


Rechtlicher Status einer Hauskatze

Hauskatze durchstreift einen Garten, © Katzenspielzeug / Pixabay
Hauskatze durchstreift einen Garten, © Katzenspielzeug / Pixabay

In Deutschland sowie in zahlreichen weiteren Industrienationen genießen Haustiere einen rechtlichen Schutz. Hierzulande gelten sie als Besitz des Eigentümers, der sich einerseits gewissenhaft um sie zu kümmern hat. Andererseits ist er jedoch sogar dann für ihr Tun verantwortlich, wenn sie unbeaufsichtigt sind. Dies gilt im Falle der Hauskatzen demnach für einen Aufenthalt in der Wildnis.

Rechtlich betrachtet muss ein Katzenhalter stets gewährleisten, dass kein einziges Individuum einer geschützten Art durch sein „Eigentum“ zu Schaden kommt beziehungsweise getötet wird, und sämtliche Wildvögel stehen in Deutschland gesetzlich unter Schutz, siehe unsere Informationen über die Gesetze zum Thema Wildvögel. Streng genommen macht sich ein Katzenbesitzer somit strafbar, sobald sein Haustier in der Natur einen Wildvogel verletzt oder tötet. In der Praxis achtet allerdings niemand darauf, ob eine Katze einen Wildvogel tötet, sodass es zu keiner strafrechtlichen Verfolgung des Halters kommt. Der durch Hauskatzen verursachte Schaden an den heimischen Vogelbeständen wird vom Gesetzgeber ebenso geduldet wie von den Katzenhaltern selbst, die oft nicht einmal wahrhaben wollen, dass ihre Samtpfoten draußen zu Vogelmördern werden.


Erschreckende Zahlen: der Einfluss der Hauskatzen auf die Vogelwelt

Viele Hauskatzen töten während ihres Freigangs Vögel aufgrund ihres Instinkts, fressen sie jedoch nicht - der Tod der Vögel ist damit völlig sinnlos, © Brandon O'Connor via Flickr
Viele Hauskatzen töten während ihres Freigangs Vögel aufgrund ihres Instinkts, fressen sie jedoch nicht – der Tod der Vögel ist damit völlig sinnlos, © Brandon O’Connor via Flickr

Dass zahllose Vögel Opfer verwilderter und streunender Hauskatzen werden, gilt als gesicherte Tatsache. Verwilderte und streunende Katzen müssen in freier Natur überleben, weil ihnen nur in den seltensten Fällen ein Mensch Katzenfutter anbietet. Neben Mäusen und anderen Tieren erbeuten sie deshalb viele Vögel. Es ist jedoch nicht so, dass nicht verwilderte Hauskatzen, die lediglich regelmäßigen Freigang haben, keine Vögel jagen würden. Obwohl sie zu Hause regelmäßig ausreichende Futtermengen erhalten, jagen und töten sie Kleinsäuger, Reptilien und Vögel. Dieser Sachverhalt wird seit einigen Jahren in vielen Ländern intensiv erforscht, um das genaue Ausmaß der Schäden an den Wildvogelpopulationen beziffern zu können. Erschreckende Ergebnisse brachten beispielsweise Untersuchungen auf der Azoren-Insel Corvo zutage, die im Jahr 2014 veröffentlicht wurden: Verkaterte Azoreninsel – Wildkatzen bedrohen Vogelwelt. Leider war der Redaktion des Kölner Stadtanzeigers der Unterschied zwischen echten Wildkaten und verwilderten Hauskatzen bei der Wahl ihrer Schlagzeile nicht bewusst, denn korrekterweise müsste es heißen „streunende Hauskatzen bedrohen Vogelwelt“.

Eine Katze beißt einem erbeuteten Vogel den Kopf ab, © Virginia State parks via Flickr
Eine Katze beißt einem erbeuteten Vogel den Kopf ab, © Virginia State parks via Flickr

In den USA ist man bereits ein großes Stück weiter als in Europa und kennt die negativen Einflüsse der Hauskatzen auf die Vogelwelt genauer. Über 50 Jahre lang das Jagdverhalten von Hauskatzen in freier Natur beobachtet und ausgewertet. Es zeigte sich, dass die Hauskatzen in den USA zu etwa 70% kleine Säugetiere wie Mäuse töten. Singvögel machen einen Anteil von 20% am Beutespektrum aus; die restlichen zehn Prozent setzen sich aus weiteren Kleintierarten zusammen. Außerdem zeigte diese Studie, dass einige besonders geschickt jagende Hauskatzen über 1.000 Tiere pro Jahr in der Natur erbeuteten – eine schier unvorstellbar große Zahl! Hauskatzen, die in Städten leben, bringen es immerhin auf durchschnittlich 14 getötete Wildtiere innerhalb eines Jahres; in ländlichen Gegenden kann sich die Zahl der Beutetiere leicht auf einige hundert belaufen. Quelle: Cats & Wildlife auf der Website Wild Things Sanctuary

Gemäß einer Studie, die anfang 2013 in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, erbeuten Hauskatzen in den USA jährlich bis zu 3,7 Milliarden Vögel. Hinzu kommen bis zu 20,7 kleine Säugetiere wie Mäuse. Quellen: The Impact of free-ranging domestic cats on wildlife of the United States

Aus Australien, wo die Hauskatzen von britischen Siedlern eingeführt wurden, werden ähnlich erschreckende Zahlen gemeldet. Demnach töten Hauskatzen jede Nacht 75 Millionen einheimische australische Tiere, Quelle: Australian Wildlife Conservacy, Sommer 2012/2013. Um des Problems Herr zu werden, wird inzwischen sogar bereits der Einsatz von Selbstschussanlagen in Erwägung gezogen, um die Population der streunenden Hauskatzen in Australien einzudämmen, siehe Beitrag über invasive Arten vom 22.04.2016 auf Spektrum.de.

Hauskatze auf einer Wiese, © ChristianGeorg / Pixabay
Hauskatze auf einer Wiese, © ChristianGeorg / Pixabay

Da sich das Verhalten deutscher Hauskatzen nicht von dem ihrer amerikanischen oder australischen Artgenossen unterscheiden dürfte, lassen sich die Zahlen auf die hiesigen Begebenheiten übertragen, wie auch ein Bericht in der WELT vom 15.04.2015 nahelegt: Auch Katzen sind Schuld am großen Vogelsterben. Viele Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, sodass in unserer Natur entsprechend viele Jäger unterwegs sind, die neben Mäusen und anderen Tieren folglich auch Vögel erbeuten. Betrachtet man das statistische Mittel, erbeutet jede Katze in gemäßigten Klimazonen und somit in Europa 30 bis 47 Vögel pro Jahr. Multipliziert man diese Werte mit der Anzahl der in Deutschland lebenden Katzen, ergeben sich Opferzahlen in schwindelerregender Höhe. Dies ist umso alarmierender, wenn man die starken Bestandsrückgänge vieler Singvogelarten bedenkt. Forscher sind zu dem Schluss gekommen, dass Hauskatzen den Vogelbeständen stärker zusetzen als der Einsatz von Pestiziden oder die Zerstörung der natürlichen Lebensräume durch den Menschen. Quelle: Katzen für Artenvielfalt gefährlicher als Pestizide, WELT, 30.01.2013


Hauskatzen sind keine natürlichen Bestandteile des Ökosystems

Diese Katze hatte zum ersten Mal Freigang und brachte nach nur fünf Minuten den ersten getöteten Singvogel mit, © Urban Gazelle via Flickr
Diese Katze hatte zum ersten Mal Freigang und brachte nach nur fünf Minuten den ersten getöteten Singvogel mit, © Urban Gazelle via Flickr

In unseren Breiten hat es schon immer Katzen in der Natur gegeben, nämlich wie weiter oben erläutert die Wildkatzen. Sie haben seit jeher Vögel und andere Tiere erbeutet, sodass sich in dem gesunden Ökosystem ein natürliches Gleichgewicht eingestellt hat und die Vögel genügend Nachwuchs produziert haben, um die Verluste durch eine vergleichsweise kleine Zahl von Beutegreifern auszugleichen. Allerdings hat sich die Situation mit der steigenden Popularität der Katzenhaltung geändert. Problematisch ist heute insbesondere die Zahl der in freier Natur jagenden Hauskatzen. Inzwischen gehen zu viele Hauskatzen auf die Jagd, sodass das empfindliche Gleichgewicht gestört ist – zu Ungunsten der Beutetiere, die obendrein unter weiteren Problemen wie Habitatverlust durch Bebauung und Ähnliches leiden.

Aus Naturschutzsicht ist es nicht hinnehmbar, dass gebietsfremde Tiere wie die Hauskatzen die verwundbare und durch andere Faktoren bereits in ihren Beständen geschwächte Vogelwelt derart stark dezimieren. Darauf weist auch Johann-Christoph von Bronsart in seinem Artikel „Hauskatzen – ein Problem für viele Vogelfreunde“ in der Zeitschrift Gefiederte Welt (Ausgabe 1/2016, S. 20 ff) hin. Das Wildvogelhilfe-Team hält den Artikel für sehr lesenswert und wir freuen uns deshalb darüber, dass uns sowohl der Autor als auch die Zeitschrift erlaubt haben, ihn an dieser Stelle als Download anzubieten: Artikel online lesen.

Jedoch sieht das Wildvogelhilfe-Team einen Aspekt anders als der Autor. Katzen permanent im Haus zu halten, ist dauerhaft nicht ideal und artgerecht. Eine Katze sollte ein Recht darauf haben, ein Leben zu führen, wie es die Natur für sie vorgesehen hat. Da dies mit Freigang verbunden wäre, der wiederum problematisch für unsere heimische Natur ist, sollte stattdessen konsequenterweise der Sinn der massenhaften Katzenhaltung infrage gestellt werden.


Der Einfluss der Hauskatzen auf die heimischen Beutegreifer

Mancherorts machen Hauskatzen den einheimischen Beutegreifern wie dem Sperber (Accipiter nisus) die Nahrung streitig, © Graham Gavaghan via Flickr
Mancherorts machen Hauskatzen den einheimischen Beutegreifern wie dem Sperber (Accipiter nisus) die Nahrung streitig, © Graham Gavaghan via Flickr

In einem gesunden Ökosystem bringt die Natur stets einen Überschuss hervor, der den Beutegreifern des entsprechenden Habitats zu Gute kommt. Zu ihnen zählen in der hiesigen Natur neben einigen Säugetieren wie beispielsweise Füchsen vor allem Greifvögel und Eulen sowie einige Rabenvögel. Wenn mehr Freigänger-Katzen und streunende Katzen in der Natur jagen, hat dies folglich unweigerlich Auswirkungen auf die gefiederten Jäger, die weniger Beute vorfinden. Bedauerlicherweise liegen hierzu aktuell keinerlei Studien vor, sodass nicht in Zahlen belegt ist, ob Hauskatzen womöglich einer Gründe für den Rückgang in den Populationen mancher Eulen oder Greifvögel sind. Von der Hand zu weisen ist der Verdacht nicht, Katzen spielen sehr wahrscheinlich durchaus eine Rolle, nur lässt sie sich mangels belastbarer Zahlen leider nicht beweisen.

Ein entscheidender Aspekt ist außerdem die Reviergröße der heimischen Beutegreifer. Zahlreiche Greifvogelarten sind auf ein großes individuelles Jagdgebiet angewiesen. Sie sind auf bestimmte Beutetiere spezialisiert, die vom Ökosystem nur in begrenzter Menge innerhalb eines Gebiets hervorgebracht werden. Katzen hingegen verfügen nicht über eigene Reviere, weshalb je nach Region eine unterschiedlich große Anzahl von Katzen die Reviere der Greifvögel durchstreifen. Folglich müssten rein logisch betrachtet die Greifvögel in Ballungsräumen, in denen mehr Katzen als in ländlichen Regionen vorkommen, eine schlechtere Beutesituation vorfinden. Allerdings lässt sich auch dies in Ermangelung von Studienergebnissen derzeit nur vermuten und nicht mit Zahlen belegen.


Schutzmaßnahmen für Vögel

Vermutlich hat die Drossel das Glöckchen am Halsband der Katze gehört, doch sie war wahrscheinlich noch zu jung, um davonfliegen zu können, © Uli Herrmann via Flickr
Vermutlich hat die Drossel das Glöckchen am Halsband der Katze gehört, doch sie war wahrscheinlich noch zu jung, um davonfliegen zu können, © Uli Herrmann via Flickr

Um die heimische Vogelwelt vor streunenden oder frei laufenden Katzen zu schützen, existieren mehrere Ansätze. Diejenigen Katzenhalter, die ihrem Haustier ein Glöckchen umhängen, glauben zwar, sie gäben den Vögeln damit eine faire Chance auf eine rechtzeitige Flucht, doch diese Maßnahme ist alles andere als effizient und obendrein nicht im Sinne des Tierschutzes. Flugfähige Altvögel mögen zwar durch die Geräusche der Glöckchen vorgewarnt werden, aber beispielsweise mausernde und damit nicht optimal flugfähige Altvögel oder junge, noch nicht flügge gewordene Jungvögel können entweder nicht schnell genug oder gar nicht fliehen – sie sind eine extrem leichte Beute für Hauskatzen, egal ob mit oder ohne Glöckchen. So geschieht es regelmäßig, dass Hauskatzen mit Glöckchen Vogelnester in der näheren Umgebung der Wohnung ihres Besitzers plündern. Die Glöckchen sind für die Vögel demnach wenig hilfreich und für die Katzen überdies eine Tortur, da ihr Gehör extrem gut ausgebildet ist. Die ständige Geräuschkulisse treibt Katzen schier in den Wahnsinn, weshalb die Glöckchen von vielen Tierschützern vollkommen zu Recht als tierschutzwidriges Zubehör bezeichnet werden.

Wer brütende Vögel in seinem Garten beherbergt, kann wildernde Hauskatzen selbst verjagen – aber bitte möglichst sanft, ohne den vierbeinigen Jägern zu schaden. Das Verjagen ist aber nur dann erfolgreich, wenn man ständig anwesend sein kann. Oft erwischen Hauskatzen oder streunende Katzen die arglosen Jungvögel in den Nestern nachts, während der menschliche Beschützer schläft.

Als sehr effizient zum Schutz für die Vögel würde es sich erweisen, wenn Hauskatzen nicht mehr im bislang üblichen Maße in die freie Natur gelassen würden. Für den Großteil der Katzenhalter ist dies jedoch undenkbar, da es nicht dem Wesen einer Katze entspricht, sich ständig in einer Wohnung aufzuhalten – so die weit verbreitete Meinung. Allerdings scheiden sich diesbezüglich sogar unter Katzenhaltern die Geister. Einige von ihnen sind der Ansicht, dass man Hauskatzen sehr wohl artgerecht ausschließlich in der Wohnung halten kann. Jene Freigangsgegner sind davon überzeugt, dass es sinnvoll wäre, junge Katzen gar nicht erst zu Ausflügen in die Natur zu erziehen, weil dadurch keine Bedürfnisse nach großen Aktionsradien geweckt würden.


Wie man aus einer Katze eine Hauskatze machen kann

Würden nicht mehr so viele Hauskatzen wie bisher die Natur durchstreifen, wäre dies positiv für die Singvogelbestände, © maigrey42 / Flickr
Würden nicht mehr so viele Hauskatzen wie bisher die Natur durchstreifen, wäre dies positiv für die Singvogelbestände, © maigrey42 / Pixabay

Eine Gruppe US-amerikanischer Vogelschützer, die American Bird Conservancy, startete vor einigen Jahren eine Aufklärungskampagne für Katzenhalter, mit der sie auf die Missstände im Bereich des Vogelschutzes hinwies. Ihre inzwischen leider abgeschlossene Kampagne „Cats Indoors!“ hat in den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit zahlreiche Anhänger gefunden, und das sogar unter den Katzenbesitzern. Zentraler Bestandteil dieser Kampagne war ein Leitfaden, der detailliert vorgab, wie man eine Hauskatze sehr behutsam Schritt für Schritt an das Leben in geschlossenen Räumen gewöhnen kann.

In Deutschland haben die Singvögel bislang keine ähnlich starke Lobby, die sich ausschließlich für den Schutz der Tiere vor Hauskatzen einsetzt. Ganz im Gegenteil – Vogelschützer wie wir, die auf das Problem aufmerksam machen, werden nur allzu häufig pauschal als Katzenhasser beschimpft, was in einer derart verfahrenen Situation alles andere als zielführend ist. Unserer Ansicht nach liegt es in der Verantwortung eines jeden Katzenhalters, von sich aus etwas gegen die fortschreitende Dezimierung unserer Singvögel zu tun, indem er seine Katze nicht mehr nach draußen lässt oder sie stattdessen in der Natur ständig gewissenhaft beaufsichtigt – und das insbesondere während der Brutsaison der Vögel. Solange unser Gesetzgeber die Wilderei durch Hauskatzen duldet, liegt es einzig und allein in den Händen der Katzenhalter, wie viele heimische Wildvögel in Zukunft aufgrund des Jagdinstinkts der Stubentiger mit Freigang sterben müssen.


Hauskatzen erziehen

Es gibt Berichte über Katzen, die man erziehen konnte, sodass sie auch draußen keine Wildvögel angreifen, © Ktine01 / Pixabay
Es gibt Berichte über Katzen, die man erziehen konnte, sodass sie auch draußen keine Wildvögel angreifen, © Ktine01 / Pixabay

Manche Hauskatzen sind überdurchschnittlich intelligent und gelehrig. Sie lassen sich von ihrem Besitzer mit ein wenig Einfühlungsvermögen und Geduld dazu bringen, gewisse Verhaltensweisen zu unterlassen. Diese Erziehung von Hauskatzen ist laut Aussage einiger Katzenhalter durchaus möglich und einen Versuch wert. Es wäre zum Beispiel denkbar, einer Hauskatze beizubringen, dass Vögel für sie tabu sind. Ebenso wäre es sinnvoll, sie davon abzubringen, Vogelnester zu plündern.

Als Katzenhalter kennt man sein Tier und sollte einschätzen können, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein entsprechendes Erziehungstraining erfolgreich sein könnte. Für die Vogelwelt wäre eine solche Erziehung besonders lernfähiger Katzen von großem Nutzen. Ein wenig Mühe in den aktiven Schutz einheimischer Vögel zu investieren, sollte für einen Tierfreund an sich kein allzu großes Opfer sein. Allerdings wird sich ein Restrisiko, dass die Instinkte der Katze letztlich doch irgendwann Überhand nehmen, nicht gänzlich ausschließen lassen.


Schutzmaßnahmen gegen Katzen

Mit Wasser lassen sich viele Hauskatzen aus Gärten vertreiben, ohne dass man die Tiere verletzt, © Amy Stanley via Flickr
Mit Wasser lassen sich viele Hauskatzen aus Gärten vertreiben, ohne dass man die Tiere verletzt, © Amy Stanley via Flickr

Vogelfreunde, in deren Garten keine Katzen aus der Nachbarschaft umher laufen sollen, können einige Schutzmaßnahmen ergreifen, um die Jäger zu vertreiben. Einige dieser Maßnahmen muten für Katzenfreunde sicher schockierend an, sie verletzen jedoch keine Katze, sodass sie im Einzelfall durchaus als ein probates Mittel gegen potenzielle Nesträuber angesehen werden können. Trotzdem: Bitte lassen Sie stets Vorsicht walten, denn Katzen zu verletzen oder gar zu töten, ist nicht im Sinne des Tierschutzes! Die Hauskatzen sind nicht schuld daran, dass sie Vögel töten, es liegt in ihrer Natur. Die Schuld trifft die Katzenhalter, die sich vor der Tatsache, dass ihre Haustiere gefährliche Jäger sind, bewusst oder unbewusst verschließen.

  • Wasserspritzen
    Mit Hilfe einer Wasserpistole oder eines Wasserzerstäubers (in vielen Blumenläden erhältlich) lassen sich Katzen gezielt befeuchten, was sie in nahezu allen Fällen zur augenblicklichen Flucht veranlasst. Auch ein Wasserschlauch leistet hier gute Dienste, wobei der Wasserstrahl jedoch nicht zu hart sein sollte, damit die Katze nicht verletzt wird. In aller Regel reicht es aus, dicht neben eine Katze zu zielen. Das aufspritzende Wasser veranlasst das Tier für gewöhnlich sehr rasch dazu, das Weite zu suchen.
  • Katzenabwehrgürtel an Bäumen
    Um Nester in Bäumen vor Hauskatzen und anderen vierbeinigen Räubern zu schützen, kann man sogenannte Katzengürtel anbringen. Diese Stahlgestelle sind im Fachhandel, also beispielsweise bei Schwegler, erhältlich. Sie verletzen Katzen normalerweise nicht, sondern versperren den kletternden Räubern den Weg, sodass es ihnen unmöglich ist, einen Baumstamm zu erklettern. In unserem entsprechenden Kapitel in der Rubrik über vogelfreundliche Gärten stellen wir Katzenabwehrgürtel detalliert vor.
  • Dornengestrüpp als Schutzwall
    Wer in seinem Garten ein exponiert liegendes Vogelnest ausmacht und zudem öfter streunende Hauskatzen sieht, kann die Kinderstube der Vögel durch einen Schutzwall vor Übergriffen durch Räuber schützen. Drapiert man ein Dornengestrüpp in einigem Abstand rund um das Nest, wird es Hauskatzen und anderen vierbeinigen Beutegreifern nahezu unmöglich, diese Barriere zu überwinden. In aller Regel verletzen sich Katzen an derlei Barrieren nicht, es sei denn, ein Individuum ist nicht dazu in der Lage, die Gefahr zu erkennen. Verwenden Sie bitte auf gar keinen Fall Stacheldraht, weil dieser für Vögel und auch andere Tiere ein enormes Verletzungsrisiko birgt und deshalb in einem vogelfreundlichen Garten nichts verloren hat. Außerdem ist zu bedenken, dass jedwede Veränderung des Umfeldes eines Vogelnests die Eltern dazu veranlassen könnte, die Brut aufzugeben. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie einen Schutzwall um ein Nest herum errichten.
  • Die Verpiss-Dich-Pflanze (Plectranthus caninus) wehrt mit ihrem Geruch Hauskatzen ab, © Scamperdale via Flickr
    Die Verpiss-Dich-Pflanze (Plectranthus caninus) wehrt mit ihrem Geruch Hauskatzen ab, © Scamperdale via Flickr

    Abschreckung mit Hilfe von Düften
    Katzen verfügen über einen ausgesprochen empfindlichen Geruchssinn. Manche Düfte missfallen ihnen so sehr, dass sie deren Quelle großräumig meiden. Diesen Umstand kann man sich zu Nutze machen, indem man die sogenannte „Verpiss-dich-Pflanze“ in seinem Garten anpflanzt. Insbesondere in der Nähe von Vogelnestern ist dieses Gewächs ein effektives Mittel, um Katzen fernzuhalten. Erhältlich ist das Gewächs mit dem ordinären Namen in vielen gut sortierten Gartencentern oder im Online-Handel. Weitere Informationen über die Pflanze finden Sie bei Wikipedia.

  • Elektrozäune zur Katzenabwehr
    Indem ein ausreichend hoher Elektrozaun rund um ein Grundstück errichtet wird und zudem dafür Sorge getragen wird, dass es keine Bäume, Büsche oder Hecken gibt, auf die die Katzen klettern und von dort aus in den Garten springen könnten, lassen sich die Vierbeiner fernhalten. Einen solchen Elektrozaun zu installieren, ist jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden und es ist obendrein nicht gerade preisgünstig. Noch dazu könnte es sein, dass sich Nachbarn dadurch behelligt fühlen. Wenn im Nachbargarten beispielsweise kleine Kinder spielen und mit dem Elektrozaun in Berührung kommen, dürfte Ärger nicht weit sein. Es ist deshalb wichtig, die Nachbarn darüber zu informieren, wenn man einen Elektrozaun installiert.


Linktipp: Der deutsche Ornithologe und Verhaltensforscher Professor Peter Berthold verdeutlicht in einem Interview mit einer Vertreterin der Katzenlobby die Situation auf eindrucksvolle Weise. Sie können es hier in voller Länge ansehen.