Vogelfreundliche Gärten – Oasen für Wildtiere

In ein Betonbett gezwängte Bäche beherbergen nur wenige Tier- und Pflanzenarten, © Gaby Schulemann-Maier
In ein Betonbett gezwängte Bäche beherbergen nur wenige Tier- und Pflanzenarten, © Gaby Schulemann-Maier

Bereits in der Steinzeit hat der Mensch damit begonnen, seine Umwelt zu verändern und dadurch seinen Bedürfnissen anzupassen. Mit der Entstehung der modernen Zivilisation und der zunehmenden Industrialisierung ist der menschliche Einfluss auf die Ökosysteme stetig gewachsen. Der Mensch hat die Lebensräume teils bis zur Unkenntlichkeit manipuliert – und dadurch leider viel intakte Natur zerstört.

Ein typisches Beispiel für diese Zerstörung ganzer Ökosysteme und der mit ihnen verbundenen Artenvielfalt ist das Begradigen von Flüssen, was noch heute vielerorts zu massiven Überschwemmungen führt und nun kostspielige Rückbaumaßnahmen nach sich zieht. Etliche einbetonierte, mehr an kleine Kanäle erinnernde Bäche, die mancherorts anstelle natürlicher Wasserläufe die Landschaft durchschneiden, sind in keiner Weise naturnah. Sie sind überschwemmungsgefährdet und zudem extrem artenarm. Weder Pflanzen, noch Tiere können sich dort in größerer Zahl ansiedeln. Dies wurde glücklicherweise vielerorts erkannt und inzwischen werden vermehrt Bäche unter Aufwendung hoher finanzieller Mittel wieder aus ihrem Betonkorsett befreit. Doch dies ist nur einer der vielen menschengemachten Aspekte, die es den Tieren und vor allem den Vögeln insgesamt schwer gemacht haben.

Was wir heute als 'Wald' bezeichnen, hat diesen Namen oft nicht verdient. © Gaby Schulemann-Maier
Was wir heute als ‚Wald‘ bezeichnen, hat diesen Namen oft nicht verdient. © Gaby Schulemann-Maier

Bis vor vor wenigen Jahrhunderten waren weite Teile Deutschlands von dichten, alten Laub- und Mischwäldern bedeckt. Im Rahmen der Landgewinnung für den Ackerbau und die Erweiterung von Dörfern und Städten sowie für die Materialgewinnung (Holz als Rohstoff zum Bauen und als Energieträger) sind diese weiten Wälder jedoch weitestgehend abgeholzt oder durch Monokulturen aus schell wachsenden Baumarten ersetzt worden. Mit dem Rückgang dieser (Ur-)Wälder und anderer vom Menschen zerstörter Landschaftsformen ist auch der natürliche  Lebensraum für viele Vogel- und Tierarten verschwunden. Die ursprünglich in unseren Breiten vorkommenden, knorrigen Laubbäume mussten beispielsweise für gerade wachsende Nadelbäume wie Fichten weichen, die in der Holzverarbeitung eine große Rolle spielen. Was wir heute als Wald bezeichnen, ist oft nichts anderes als eine Ansammlung von in Reih und Glied gepflanzten Bäumen. Mit einem echten, natürlichen Wald, in dem es Bäume unterschiedlicher Altersstufen und Totholz gibt, haben diese Gehölze wenig gemein.

Weibliche Amsel im Garten, © chocolat01 / Pixelio.de
Weibliche Amsel im Garten, © chocolat01 / Pixelio.de

Obwohl es die meisten Tierarten in der stark veränderten Natur zusehends schwerer hatten, ist es einigen Spezies gelungen, sich den neuen Gegebenheiten schnell und erfolgreich anzupassen und die menschlichen Siedlungsräume zu erobern. Man bezeichnet viele dieser Tier- und Vogelarten heute als Kulturfolger. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre frühere Lebensweise zum Teil gänzlich aufgegeben und sich mit der Nähe des Menschen arrangiert haben. Amseln zum Beispiel haben ursprünglich ausschließlich in Wäldern gelebt und sie haben sich dem Menschen gegenüber einst ausgesprochen scheu verhalten. Heute leben sie wie selbstverständlich in Parks und Gärten, finden sich im Winter sogar auf Balkonen an Futterplätzen ein und dulden Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe.

Dohlen wissen Schornsteine im Winter sehr zu schätzen, weil sie sich mit der aufsteigenden erhitzten Luft wärmen können, © Gaby Schulemann-Maier
Dohlen wissen Schornsteine im Winter sehr zu schätzen, weil sie sich mit der aufsteigenden erhitzten Luft wärmen können, © Gaby Schulemann-Maier

Rabenvögel wie die Dohlen haben es gelernt, sich im Winter auf Schornsteine zu setzen, um sich dort zu wärmen. Elstern haben unter anderem Komposthaufen als gute Plätze für die Nahrungsbeschaffung für sich entdeckt und sind vor der Bejagung durch den Menschen in vor Jägern sichere Siedlungsgebiete geflohen – in Städten wird nur selten scharf auf diese Rabenvögel geschossen. Einer Reihe von Mäusebussarden ist es gelungen, sich auf das Erbeuten von Verkehrsopfern an Autobahnen zu spezialisieren. Manche im Binnenland lebende Möwenarten haben sich auf Müllkippen als ergiebige Futterplätze spezialisiert. Als der Mensch damit begonnen hat, offene Müllkippen zu schließen, ist diese Nahrungsquelle jedoch wieder verschwunden – und mit ihr die großen Möwenansammlungen auf den Mülldeponien. Durch diese und ähnliche Anpassungen können die genannten Vogelarten ihre Population trotz der veränderten Umwelt- und Ernährungsbedingungen vielerorts erstaunlich stabil halten – mit Ausnahme der Möwen, denen durch das Versiegeln der Mülldeponien die Nahrungsgrundlage entzogen wurde.

Ringeltaube im Garten, © PollyDot / Pixabay
Ringeltaube im Garten, © PollyDot / Pixabay

Einen echten Siegeszug haben die Tauben, unter ihnen zum Beispiel die recht großen Ringeltauben, in menschlichen Siedlungsräumen angetreten, da sie dort ein üppiges Nahrungsangebot vorfinden. In Parks und auf Friedhöfen sowie in größeren Gärten sind sie inzwischen recht häufig anzutreffen. Auch Stadttauben sind in Dörfern und Städten teils in sehr großer Zahl zu finden. Irrtümlicherweise zählen manche Menschen auch die Straßentauben zu den Kulturfolgern. Das ist jedoch nicht richtig, denn genau genommen handelt es sich bei ihnen um verwilderte Haustiere (siehe hierzu auch unsere Stadttauben-Infosammlung). Tatsächlich würden Stadttauben in freier Natur nur an sehr wenigen Stellen einen geeigneten Lebensraum vorfinden, wie ihn ihre Vorfahren, die Felsentauben, einst bewohnt haben.

Spatzen pfeifen in Deutschland längst nicht mehr von allen Dächern, © waldryano / Pixabay
Spatzen pfeifen in Deutschland längst nicht mehr von allen Dächern, © waldryano / Pixabay

Alles in allem sind es jedoch nur wenige Spezies, die nicht massiv unter den durch uns Menschen herbeigeführten Veränderungen der Umwelt leiden. Zahlreiche Arten – nicht nur Tiere, sondern auch eine ganze Reihe von Pflanzen – haben es schwer oder sind mancherorts bereits vollständig verschwunden. Dies gilt beispielsweise für den einstigen „Allerweltsvogel“, den Haussperling. Der Vogel des Jahres 2002 des NABU wird im bundesweiten Durchschnitt betrachtet seit den 1970er Jahren immer seltener. Die einst sehr großen Bestände dieser Vogelart sind vielerorts zusammengebrochen. Dies liegt größtenteils darin begründet, dass die Vögel kaum mehr Nischen in Häusern oder begrünte Fassaden finden, in denen sie brüten können. Sanierungsmaßnahmen haben den Spatzen den Wohnraum genommen.

Ein Königreich für einen Schnabel voll Matsch - Schwalben finden in zubetonierten Landschaften kaum noch Baumaterial für ihre Lehmnester, © Marcel Holyoak via Flickr
Ein Königreich für einen Schnabel voll Matsch – Schwalben finden in zubetonierten Landschaften kaum noch Baumaterial für ihre Lehmnester, © Marcel Holyoak via Flickr

Die Zahl der Schwalben sowie etlicher anderer Vogelarten sinkt ebenfalls stetig, da die Tiere zu wenig artgerechten Lebensraum und Brutplätze finden. Vor allem die Schwalben leiden unter dem Umstand, aufgrund der großen durch Beton versiegelten Flächen kaum mehr Lehm für den Nestbau sammeln zu können. Denn wo Beton den Boden verschließt, können sie keine Matschkügelchen mit dem Schnabel aufsammeln und zu ihrem Nistplatz tragen. Noch dazu gibt es auf Betonflächen kaum Pflanzen und dadurch wiederum nur wenige bis gar keine Insekten. Das bedeutet, insektenfressende Vögel finden dort ebenso wenig Nahrung wie die Samenfresser unter den heimischen Gefiederten.

Angesichts dieser bedrückenden Fakten stellt sich die Frage, was sich gegen diese weitreichenden Zerstörungen der natürlichen Lebensräume durch eine Einzelperson unternehmen lässt. So mancher Tier- und Naturfreund läuft Gefahr, sich ohnmächtig zu fühlen und zu resignieren. Aber tatsächlich ist es durchaus möglich, im Kleinen Hilfe zu leisten – und je mehr Menschen dies tun, desto größer sind die positiven Effekte.

Stieglitz an einer Gänsedistel, © Gaby Schulemann-Maier
Stieglitz an einer Gänsedistel, © Gaby Schulemann-Maier

Einer weiteren Verarmung der einheimischen Vogelwelt hinsichtlich ihrer Artenvielfalt lässt sich entgegenwirken, indem man den eigenen Garten und gegebenenfalls auch das eigene Haus beziehungsweise dessen Fassade möglichst vogelfreundlich gestaltet und auf diese Weise vielen „wohnungslosen“ Tieren einen Zufluchtsort bietet. Leider entspricht das Aussehen vogelfreundlicher Gärten oftmals aber nicht dem gängigen Schönheitsideal, das die meisten Menschen favorisieren. Unter Umständen ergeben sich Meinungsverschiedenheiten mit den Nachbarn, wenn Sie sich für einen naturbelassenen Garten entscheiden. Doch spätestens dann, wenn Sie im Frühling eifrig nach Futter suchende Altvögel selten gewordener Arten in ihrem gemäß Vogelschutzaspekten gestalteten Garten beobachten können, die erfolgreich ihren Nachwuchs aufziehen, dürften Sie für die Querelen mit den nörgelnden Nachbarn entschädigt sein. Vielleicht können Sie die Nachbarn sogar von der wild-romantischen Schönheit ihrer kleinen Oase inmitten perfekt manikürter Rasenflächen und Betonwüsten überzeugen, denn jeder Quadratmeter vogelfreundlicher Garten zählt beim Erhalt einheimischer Vogelarten!

Eine Amsel frisst eine Kirsche, © Daniel Antal via Flickr
Eine Amsel frisst eine Kirsche, © Daniel Antal via Flickr

Abgesehen davon, dass das „wilde“ Aussehen eines naturnahen Gartens für viele Menschen leider inakzeptabel ist, werden Wildtiere, die sich an Früchten gütlich tun, häufig als extrem lästig empfunden. Vielen Gartenbesitzern ist es bedauerlicherweise alles andere als recht, wenn Wildvögel Beeren oder Obst stibitzen. Aber auch das gehört zur Natur und die Ernteverluste durch Vögel relativieren sich angesichts des Nutzens, den Hobbygärtner aus der Anwesenheit der gefiederten Gartenbewohner ziehen. Vögel sind äußerst effiziente biologische Schädlingsbekämpfer, die ihre Arbeit kostenlos und ohne Schadstoffrückstände verrichten. Wo viele Vögel leben, können Insekten wie etwa Blattläuse oder Raupen normalerweise nicht die Oberhand gewinnen.

Sind Sie nun neugierig darauf geworden, wie Sie Ihren Garten und das Umfeld Ihres Hauses oder Wohnhauses vogelfreundlich und naturnah gestalten können? Dann lesen Sie bitte die angegliederten Kapitel, die wir für Sie zusammengestellt haben. In dieser Rubrik unseres Projektes Wildvogelhilfe möchten wir Ihnen einige Tipps geben, wie Sie Ihren kleinen oder großen Garten in eine Heimstatt für zahlreiche Vogelarten verwandeln und so zum aktiven Naturschutz beitragen können. Wenn Sie außerdem die Möglichkeit haben, Ihre Hausfassade zu begrünen, wäre dies ein wertvoller Beitrag zum Tierschutz. Denn in dichtem Efeu finden unter anderem Haussperlinge oder Amseln sichere Nistplätze, die gern von den Vögeln angenommen werden. Dort sind sie vor Fressfeinden, darunter Hauskatzen mit Freigang, in aller Regel einigermaßen sicher.


Linktipps

  • Nicht nur im Hochsommer sind Wasserstellen und Vogeltränken in einem vogelfreundlichen Garten wichtig, © Dagmar Offermann
    Nicht nur im Hochsommer sind Wasserstellen und Vogeltränken in einem vogelfreundlichen Garten wichtig, © Dagmar Offermann

    Holger Wentzel beschreibt auf seiner Homepage einen schönen Garten- und Naturlehrpfad in Georgenthal/Thüringen.

  • Wertvolle Anregungen zum Thema Naturschutz im eigenen (naturnahen) Garten gibt Natascha Ferara auf ihrer Website Garten als Naturschutz.
  • Eine weitere hilfreiche Adresse ist diese: Gartenrecht und Nachbarschaftsrecht in Deutschland. Auf dieser Website gibt es eine fundierte Infosammlung zu rechtlichen Themen, die den Garten betreffen, beispielsweise zum Schneiden von Hecken oder in Bezug auf die Ansiedlung von Insekten, was in einem vogelfreundlichen Garten durchaus ein wichtiger Aspekt ist.