Anflugopfer gefunden

Opfer von Kollisionen mit Scheiben, fahrenden Autos oder ähnlichem gehören zu den häufigsten Fällen, in denen Altvögel in Not geraten. Spiegelnde Flächen werden von Vögeln nicht als Hindernis erkannt, wenn sie nicht entsprechend gesichert wurden. Die Geschwindigkeit fahrender Autos wird nicht richtig eingeschätzt, da es in der Natur keine vergleichbaren Lebenwesen gibt, die sich so schnell fort bewegen können.

Anflugopfer sind immer akute Notfälle. Nicht selten sterben sie in Folge von inneren Blutungen, schwerer Gehirnerschütterung oder Schädelverletzungen, die von außen zunächst nicht auf Anhieb sichtbar sind. Auch Augen- und Schnabelverletzungen sind häufig die Folge von Kollisionen mit Hindernissen.

Im günstigsten Fall erholen sich die kollidierten Vögel innerhalb weniger Stunden und können danach wieder am Fundort frei gelassen werden. Doch es kann auch Tage, Wochen, Monate dauern, bis ein Anflugopfer wieder vollständig freiheitstauglich wird.


Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Vogel finde, der mit einem Hindernis kollidiert ist?

Dieser Stieglitz verbiegt seinen Körper wegen eines schweren Schädeltraumas nach einem Kollisionsunfall, © Klaus Hartwig via naturgucker.de
Dieser Stieglitz verbiegt seinen Körper wegen eines schweren Schädeltraumas nach einem Kollisionsunfall, © Klaus Hartwig via naturgucker.de

Absolute Ruhe ist das A und O für die erste Phase nach der Kollision. Es dürfen möglichst keine äußeren Reize (Geräusche, Helligkeit) auf das Gehirn einwirken. Man bringt den Vogel daher sinnvollerweise in einem dunklen Behältnis unter, zum Beispiel einem Karton mit Luftlöchern und stellt diesen für einige Stunden an einen ruhigen Ort. Nun heißt es Geduld zu zeigen und nicht dauernd hinein zu sehen, was der Vogel macht. Der Karton sollte möglichst an einem kühlen Ort gelagert werden, da Wärme sich in dieser Situation ungünstig auf das Gehirn auswirken kann (Anschwellen).
Während dieser Zeit sollten auch weder Wasser noch Futter angeboten werden und auch keine Fahrt zum Tierarzt unternommen werden, die den Vogel zusätzlich stressen kann.

Im günstigsten Fall hört man nach einer Weile, wie der Vogel in seinem Behältnis immer aktiver wird und versucht, heraus zu kommen. Dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Vogel nur eine leichte Gehirnerschütterung erlitten hat und keine größeren Verletzungen davon getragen hat. Bevor man ihn nun wieder am Fundort in die Freiheit entlassen kann, sollte jedoch erst in einem geschlossenen Raum mit zugehängten Scheiben ein Probeflug statt finden. Fliegt der Vogel sicher und geschickt, kann man ihn wieder frei lassen. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, braucht der Vogel weitere menschliche Hilfe.

Leider tragen viele Opfer von Anflügen gegen Hindernisse neben einer Gehirnerschütterung auch Verletzungen davon. Sehr häufig handelt es sich dabei neben zentralnervösen Schädigungen um Augen- und Schnabelverletzungen oder Brüche von Flügeln und/oder Beinen. Solche Verletzungen müssen fachgerecht vom Tierarzt versorgt werden.


Der kollidierte Vogel ist am Auge verletzt

Waldohreule mit verletztem Auge, © Corinna Heinrich
Waldohreule mit verletztem Auge, © Corinna Heinrich

Gerade Augenverletzungen müssen schnellstmöglich von einem vogelkundigen Tierarzt, am besten mit der Zusatzausbildung in Augenheilkunde medizinisch versorgt werden. Oftmals müssen mehrmals täglich Augenmedikamente verabreicht werden. Einblutungen im Auge, wie auf dem Bild zu sehen sind, benötigen lange Zeit und viel Geduld, um ausheilen zu können. Wichtig sind nun auch Ruhe, notfalls Zwangsfütterung und die Gabe von Vitamin B-Komplex über längere Zeit. In schweren Fällen kann auch Kortison zum Einsatz kommen. Auf dem Bild weiter oben auf der Seite ist die selbe Waldohreule mit deutlicher Besserung des verletzten Auges zu sehen. Sie konnte nach vollständiger Genesung wieder in die Freiheit entlassen werden.


Schnabelverletzungen

Nicht selten kommt es bei Kollisionen auch zu Verletzungen des Schnabels. In vielen Fällen tritt Blut aus dem Schnabel.

Wie bei Nasenbluten weiter zu verfahren ist, haben wir hier beschrieben.

Ist der Schnabel gebrochen, muss dieser fachmännisch vom vogelkundigen Tierarzt versorgt werden. Bitte lesen Sie dazu auch unser Kapitel zu Schnabelbrüchen, wie in diesem Fall gehandelt werden sollte.


Weitere mögliche Folgen von Anflügen gegen Hindernisse

In unserer Gesundheitsrubrik sind weitere mögliche Verletzungen nach Kollisionsunfällen ausführlich beschrieben.
Beachten Sie bitte die dort aufgeführten möglichen Krankheiten und Verletzungen, die nach einer Kollision eines Vogels mit einer Glasscheibe oder einem anderen Hinderniss auftreten können.


Rehabilitation

In vielen Fällen ist es mit Abwarten und dunkel und ruhig halten nach einer Kollision leider nicht getan. Sind andere Verletzungen durch den Tierarzt behandelt worden, braucht der Vogel oftmals noch lange Zeit bis zur vollständigen Rehabilitation. Während dieser Zeit müssen meist täglich Medikamente verabreicht werden. Viele Vögel verweigern auch durch die Schocksituation die Nahrungsaufnahme und müssen zwangsgefüttert werden. Da in den meisten Fällen der Finder eines kollidierten Vogels damit überfordert ist, oder aber eine geeignete Unterbringung fehlt, ist es sinnvoll, den Vogel nach der Erstversorgung durch den Tierarzt in eine Auffangstation zu bringen. Adressen haben wir auf unserer Seite hier gelistet.

Sollten Sie sich entschließen, sich selbst während dieser Zeit um den Vogel zu kümmern, braucht der Vogel artgerechtes Futter und eine geeignete Unterbringung.


Weiterführende Links zum Thema Schutz vor Scheibenanflug