Unterbringung junger Wasservögel

Junger Trauerschwan, © Tanja Kahlert
Junger Trauerschwan, © Tanja Kahlert

Bei der Unterbringung junger Wasservögel müssen die anatomischen Besonderheiten dieser Tiere berücksichtigt werden. Entenartige Vögel besitzen sehr empfindliche Füße mit Schwimmhäuten. Die zu den Rallen gehörenden Blässhühner haben hingegen sogenannte Schwimmlappen an den Füßen. Teichhühnern fehlen solche Schwimmhilfen an den Füßen gänzlich, obwohl sie dennoch zu den Wasservögeln gehören. Vor allem junge Entenartige benötigen eine weiche Unterlage in ihrer Behausung. Gut eignen sich zum Beispiel Handtücher, die in mehreren Lagen übereinander geschichtet und locker zusammengedrückt werden. Als Behausung für noch sehr junge Wasservögel kann man eine große Plastikwanne mit hohen Wänden verwenden. Um zu verhindern, dass die Vögel daraus entkommen – sie können recht gut hüpfen -, ist ein entsprechender Schutz anzubringen.

Junge Reiherenten sitzen gerne auf einer weichen Unterlage,© Corinna Heinrich
Junge Reiherenten sitzen gerne auf einer weichen Unterlage,© Corinna Heinrich

Sehr wichtig ist eine Wärmequelle. Meistens kauern sich alle jungen Pfleglinge eng zusammen in eine Ecke, womit sie sich gegenseitig wärmen und ihr Bedürfnis nach engem Körperkontakt erfüllen. Bringen Sie oberhalb dieser bevorzugten Ecke der Behausung eine Wärmelampe an, beispielsweise einen Infrarot-Dunkelstrahler. Der Abstand zwischen Strahler und Vögeln sollte nicht zu klein sein, um etwaige Verbrennungen auszuschließen. Testen Sie am besten die Temperatur nachdem der Strahler bereits zehn Minuten lang eingeschaltet ist. Sie sollte etwa 35 Grad Celsius betragen. Diesen Test sollten Sie unbedingt durchführen, bevor Sie die Jungvögel unter den Strahler setzen! Alternativ kann auch eine Wärmflasche unter das Handtuch gelegt werden, was aber den Nachteil hat, dass die Flasche alle paar Stunden, also auch nachts, mit heißem Wasser aufgefüllt werden muss.

Wasservögel sind Nestflüchter und sie sind naturgemäß keine „Einzelkinder“. Sie brauchen und suchen wie bereits weiter oben erwähnt die Geborgenheit und Nähe der Geschwister. Da sie einzeln aufgezogen leider sehr zutraulich und zahm werden und damit später nicht mehr auszuwildern sind, ist von einer Einzelaufzucht dringend abzuraten! In einem solchen Fall ist es besser, sich an eine Auffangstation für Wildvögel (siehe unsere Adressliste) zu wenden, die eventuell ebenfalls gerade junge Wasservögel zur Aufzucht beherbergt. Ihren Fundvogel dort hinzubringen, ist die beste Lösung für das Tier.

Ergibt sich trotz aller Bemühungen keine Möglichkeit, eine Einzelaufzucht zu vermeiden, sind zum Beispiel Plüschtiere ein meist gern angenommener „Geschwisterersatz“ zum Ankuscheln. Andere junge Wildtiere wie junge Kaninchen werden von den Vögeln oft ebenfalls akzeptiert. Aber Achtung! Es kann auch zu Fehlprägungen kommen. Das bedeutet, die jungen Wasservögel werden dann auf die Plüschtiere oder anderen Wildtiere geprägt und halten sie für echte Artgenossen, was später bei der Auswilderung und beim Leben in Freiheit zu Problemen führen kann.

Dem Wildvogelhilfe-Team ist zudem ein interessanter Fall bekannt, in dem mit etwas Kreativität eine Art „Mutterersatz“ für ein junges Blässhuhnküken gebaut wurde. Er bestand aus einem Kistchen, das vorn und unten offen war und innen mit dunklem, weichem Fellimitat ausgekleidet wurde. Das kleine Blässhuhn verkroch sich sehr häufig darunter und fühlte sich dabei offensichtlich sicher und wohl. Dunkel und weich – das entspricht in etwa dem, was die jungen Vögel unter den Federn ihrer Mütter erleben, wenn sie sich dort nach einem Schwimmausflug wärmen und ausruhen. Solche „Ersatzgeschwister“ beziehungsweise „Ersatzmütter“ werden während der gesamten Aufzuchtszeit immer wieder aufgesucht und sind besonders in Ruhephasen von großer Bedeutung für Ihr Vogelkind.


Freigehege und Badegelegenheit

Die oben beschriebene Wanne als „Käfig“ ist freilich nicht als Dauerunterkunft für heranwachsende junge Wasservögel zu verstehen. Unentbehrlich ist eine Auslaufmöglichkeit im Freien auf einer Wiese mit einer Möglichkeit zum Baden und Plantschen. Ein eingezäunter Gartenteich ist natürlich ideal. Englischer, kurz geschnittener Rasen bietet leider wenig Nahrung. Besser ist eine Wiese mit natürlichem Bewuchs, auf der junge Wasservögel nach Belieben weiden können.

Mit etwas Geschick kann man selbst ein Freigehege bauen, welches unbedingt oben geschlossen sein muss, damit neugierige junge Vögel nicht entkommen können. Auch für ausreichend Schatten und Regenschutz ist zu sorgen. Kleine Häuschen für Nager wie Kaninchen oder Meerschweinchen eignen sich beispielsweise als Schutz, sie sind für wenig Geld im Fachhandel erhältlich.

Tagsüber setzt man die Pfleglinge in das Freigehege. Nachts sind die jungen Vögel jedoch wegen von Raubtieren wie freilaufenden Hauskatzen ausgehenden Gefahren besser im Haus in einer Wanne erheblich sicherer untergebracht.

In dem Gehege im Garten darf tagsüber neben Futter und einer Trinkschale mit Wasser auch eine Badegelegenheit nicht fehlen. Junge Lappentaucher bewegen sich anfangs nur robbend vorwärts. Somit ist es für sie nicht möglich, in ein Wassergefäß mit höherem Rand zu gelangen. Hier hilft eine Art Rampe, welche aus keilförmig angeordneten Handtüchern bestehen kann. Auch für das Verlassen der Badeschale sind entsprechende Hilfen notwendig, zum Beispiel ein großer, flacher Stein im Wasser, der nahe an den Rand des Badegefäßes gelegt wird.

Junge Wasservögel werden in der Natur häufig von ihren Eltern gehudert, das heißt sie kriechen unter deren Gefieder und werden dadurch gewärmt und geschützt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Huderns ist die Übertragung von Gefiederfett vom Elternvogel auf die Jungen. Mit Hilfe dieses Fettes sind Wasservögel in der Lage zu schwimmen, ohne dass ihr Gefieder dabei durchnässt. Ohne diese schützende Fettschicht auf den Federn saugen sich die Federn voll Wasser und werden sehr schwer. Jungvögel werden durch dieses zusätzliche Gewicht oft unter Wasser gezogen und ertrinken. Bis ein junger Wasservogel, der ohne Elterntiere aufwächst, von allein genügend Gefiederfett produziert, um schwimmen zu können, vergehen einige Wochen. Deshalb sollten die Badestellen nicht zu tief sein, damit die Vögel darin nicht ertrinken können. Doch diesen Punkt bedenken bedauerlicherweise viele Menschen nicht. Leider begehen immer wieder unerfahrene Vogelpfleger, die es an sich gut mit den Tieren meinen, den fatalen Fehler, kleine Wasservögel in eine Badewanne mit tiefem Wasser zu setzen. Aus dem bereits erwähnten Gründen kann es dabei leicht geschehen, dass die jungen Vögel ertrinken!

Um die Gefiederfettbildung und deren gleichmäßige Verteilung am ganzen Körper zu fördern, stellt man den jungen Wasservögeln also unbedingt möglichst große, aber nicht zu tiefe Wasserbehälter in ihr Gehege. Auf diese Weise können sie nach Herzenslust plantschen und baden und sich anschließend sehr ausgiebig putzen. Beim Pflegen ihres Gefieders verteilen sie das Fett, das ihr eigener Körper in der sich an der Schwanzbasis befindenden Bürzeldrüse bildet, mit der Zeit mehr und mehr im Federkleid. Das tägliche Baden in flachem Wasser ist deshalb lebenswichtig für alle jungen Wasservögel.

Ein weiterer Vorteil des Freigeheges ist die Möglichkeit, dass die Tiere dort lernen, Insekten zu fangen. Junge Enten rennen manchmal mit offenen Schnäbeln hinter Fliegen her und versuchen sie zu fangen oder picken am Boden krabbelnde Insekten und Spinnentiere auf. Diese natürlichen Verhaltensweisen sollten junge Wasservögel in menschlicher Obhut so früh wie möglich erlernen können.